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Partnerschaft«Ich habe keine Lust auf Sex»

Stress, familiäre Probleme, Partnerschwierigkeiten, Niederlagen und Entmutigung wirken sich negativ auf das Sexualleben aus. Bild: Thinkstock Kollektion

Was tun, wenn das Verlangen nach Sex weg ist und die Unlust anfängt zu belasten?

von Koni Rohneraktualisiert am 2017 M07 20

Frage: «Ich habe kein Verlangen mehr nach Sexualität, weder mit meinem Partner noch sonst irgendwie. Nun belastet die Unlust auch unsere Ehe.»

Antwort von Koni Rohner, Psychotherapeut FSP:

Es ist durchaus sinnvoll, vorerst eine Frauenärztin aufzusuchen. Manchmal hat die Lustlosigkeit hormonelle Ursachen. Wahrscheinlich aber haben Ihre Lebensumstände und psychische Prozesse Ihr Begehren zum Erlöschen gebracht. Oberflächlich betrachtet sollten Sie eigentlich überhaupt kein Problem haben. Wenn jemand keine Erdbeeren bekommt, der auch gar keine Lust auf Erdbeeren hat, so leidet er ja nicht. Also sollte Ihnen nichts fehlen, wenn Sie kein Bedürfnis haben.

Natürlich ist es aber nicht so einfach. Sex ist ja nicht wie die Nahrungsaufnahme nur zur Beseitigung eines Mangels da, sondern auch ein Mittel zur zwischenmenschlichen Begegnung. Vielleicht fehlt Ihnen die Nähe zu Ihrem Mann, wenn keine Sexualität mehr stattfindet. Sicher hat aber er ein Problem, wie Sie es ja andeuten, wenn sein Begehren noch vorhanden ist.

Lebenslange Leidenschaft ist ein Klischee

Es gibt natürlich die Lösung, dass Sie seine Wünsche erfüllen, ohne selber sexuell gestimmt zu sein. Eine Sexualtherapie könnte Ihnen beiden helfen, offen über Wünsche, Ängste und Abneigungen zu reden und Wege zu finden, die für beide gangbar sind. Wenn Sie selber jedoch den Zugang zu Ihrer Sexualität wieder suchen möchten, könnten Sie eine Einzeltherapie in Anspruch nehmen und zusätzlich oder vorerst mal ein Ratgeberbuch über weibliche Sexualität lesen – oder zur Anregung eine Sammlung erotischer Phantasien (siehe Buchtipp).

Werbung und Medien suggerieren, ein lebenslanges leidenschaftliches Sexualleben sei das Normale. Daten von Pro Familia Deutschland zeigen aber: 35 Prozent der Frauen haben zumindest eine gewisse Zeit ihres Lebens überhaupt kein Verlangen nach Sex, 5 Prozent hatten noch nie einen Orgasmus, und 20 Prozent kommen nur selten zum Höhepunkt.

Ganz allgemein sind die sexuellen Bedürfnisse sehr verschieden. Einige brauchen mehrmals am Tag Sex, andern genügt einmal im Monat, manche verspüren längere Zeit überhaupt kein Bedürfnis danach. Die Stärke des Verlangens hängt ausserdem von vielen Umständen ab und kann heftig schwanken. Stress, familiäre Probleme, Partnerschwierigkeiten, Niederlagen und Entmutigung wirken sich negativ auf das Sexualleben aus.

Viele Therapeuten finden gar, dass eine Störung in der sexuellen Begegnung stets ein Hinweis darauf ist, dass auf der seelischen Ebene etwas nicht stimmt. Dass ungelöste Konflikte, blockierte Gefühle, unausgesprochene Dinge eine entspannte sexuelle Begegnung verhindern. Eine Paartherapie würde deshalb zuerst auf die Paardynamik fokussieren und sich nicht auf die sexuelle Störung fixieren.

So bleibt die Zweisamkeit interessant

Aber auch im unproblematischen Verlauf einer Beziehung besteht die Gefahr, dass der Sex an Faszination verliert. Vor allem wenn er sich immer im gleichen Rahmen abspielt. Es ist wie Rudern gegen den Strom: Wenn man damit aufhört, wird man zurückgetrieben. Man muss und kann also etwas dafür tun, dass die Beziehung so lebendig und vielfältig bleibt, dass sexuelle Begegnungen immer wieder mal einen Höhepunkt darstellen.

  • Machen Sie sich die Eigenheiten Ihrer Sexualität bewusst: Vorlieben, Abneigungen, Phantasien, Ängste, Wünsche, Träume.
  • Tauschen Sie sich in der Partnerschaft aus, verschaffen Sie dem andern einen Einblick in Ihre sexuelle Welt – ohne aber alles zu verraten.
  • Akzeptieren und begrüssen Sie Unterschiede Ihrer beider Persönlichkeiten – nicht nur im Bereich der Sexualität: Polaritäten erzeugen Spannungen. Und erfüllende Sexualität lebt davon, dass sich Spannungen in der Begegnung lustvoll lösen.
  • Pflegen Sie gleichgeschlechtliche Freundschaften, um Ihre Weiblichkeit respektive Männlichkeit zu stärken.
  • Gestalten Sie Ihre Beziehung in allen Bereichen kreativ, abwechslungsreich, mit Überraschungen.

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