Yoga bedeutet «Joch» in der heiligen Sprache der Hindus, dem Sanskrit. Das Joch verbindet Zugtiere und lenkt sie in die gleiche Richtung. Im Yoga, so die Lehre, verbindet sich der Mensch mit seiner inneren Kraftquelle.

In unseren Breitengraden sind besonders Ausprägungen des klassischen Hatha-Yoga bekannt, in dessen Zentrum Körperübungen (Asanas) stehen. Alle körperorientieren Yogastile wurzeln im Hatha-Yoga. Im Gegensatz dazu ist Jnana-Yoga auf Askese, Meditation und vollkommene Zurückgezogenheit ausgerichtet.

Beim Yoga geht es auch darum, einen Ausgleich zu finden: einen Gegenpol zur eigenen Persönlichkeit. Aktive Bewegungsmenschen können also ihre ruhige Seite ausloten, und Bewegungsmuffel erfahren durch Yoga plötzlich Freude am Dehnen und Verrenken.

Um den richtigen Kurs zu finden, muss man erst einmal wissen, was man vom Yoga will. Da stellt sich die Frage: Möchte ich eher einen geistigen, meditativen Weg einschlagen oder suche ich die körperliche Herausforderung und dynamische Bewegungsabläufe?

Für spirituell Interessierte

Vini-Yoga ist eine therapienahe Yogaart mit einfachen Körperübungen und Atemtechniken. Es stellt den einzelnen Menschen ins Zentrum. Übende werden nicht zu akrobatischen Verrenkungen bewegt, sondern erlernen ein Programm entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten. Vini-Yoga ­eignet sich besonders für Personen, die wenig trainiert oder körperlich angeschlagen sind. Es wird oft im Einzelunterricht angeboten, was terminorientierten Berufsmenschen entgegenkommt. Das persönliche Coaching ermöglicht eine individuelle Planung.

Yesudian-Yoga folgt der Yogaauslegung von Selvarajan Yesudian, der 1948 die erste ­Yogaschule in der Schweiz eröffnete. Es wird ohne Anstrengung geübt und geatmet. Dabei geht es um die Entfaltung der Achtsamkeit. Dieses Yoga ist für Menschen geeignet, die eine geistige Entwicklung anstreben. Aufgrund der körperlich nicht allzu fordern­den Übungen eignet es sich auch für ältere Menschen.

Sivananda-Yoga, das auf den indischen Ordensgeistlichen Sivananda (1887–1963) zurückgeht, fusst auf einer begrenzten Zahl einfacher bis mittelschwerer Übungen. Die Asanas werden oft mit geschlossenen Augen durchgeführt. Daneben sind Meditation, Gebet und Gesang ein wichtiger Teil. Menschen mit besonderem Interesse für Hinduismus sind hier richtig.

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Für Sportbegeisterte und Ausdauernde

Bikram-Yoga, bekannt auch unter dem ­Namen Hot Yoga, wurde von Bikram Choudhury, einem in Kalifornien lebenden Inder, geprägt. Es besteht aus 26 Positionen und zwei Atemübungen, die jeweils praktiziert werden – in einem mindestens auf 38 Grad geheizten Raum. Der Körper wird durch die Wärme sehr beweglich, und das Schwitzen ist der Entschlackung des Körpers förderlich. Trainiert wird oftmals im Badeanzug, barfuss und in Gruppen. Beim 90-minütigen Training verliert der Teilnehmende rund 1000 Kilo­kalorien und bis zu drei Liter Flüssigkeit.

Die konstante Übungsabfolge hat zum Ziel, die Zellen mit sauerstoffreichem Blut anzureichern. Nicht geeignet ist Bikram-Yoga für Schwangere ab dem dritten Monat, Herzkranke, Menschen mit Kreislaufproblemen.

Ashtanga-Vinyasa-Yoga hat seine Ursprünge in Südindien und soll bereits seit Tausenden von Jahren praktiziert werden. Im Zentrum steht ein anstrengendes und schweisstreibendes Übungsprogramm, das Sprünge und die Schulung von energetischen Atmungsweisen aus dem Training der indischen Ringer enthält. Mehrere Asanas werden ohne Unterbrechung nacheinander ausgeführt. 

Es gibt sechs Übungsserien mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Einige der zu bewerkstelligenden Körperhaltungen sind sehr ­anspruchsvoll, was eine Verletzungsgefahr nicht ganz ausschliesst. Ashtanga-Vinyasa-Yoga legt bei den verschiedenen Asanas ­besonderen Wert auf die Atemkontrolle. Der Yogastil wird deshalb auch «der Tanz des Körpers mit dem Atem» genannt.

Für Menschen mit Hang zur Genauigkeit

Iyengar-Yoga wurde von B. K. S. Iyengar in Bangalore entwickelt. Es handelt sich um ein weit entwickeltes Gesundheitserhaltungs­system. Der Fokus liegt auf mittelschweren bis schweren Körperübungen. Sogar akrobatische Elemente sind darin enthalten. Atemübungen sind eher sekundär. Es wird stark auf Präzision bei den Körperübungen geachtet. Die Symmetrie des Körpers und der Muskeln ist zentral. Iyengar-Yoga wird mit Hilfsmitteln wie Stühlen, Klötzen, Decken und Gewichten ausgeübt. Dies ermöglicht es fast allen Menschen, die jeweiligen Stellungen einzunehmen. Viele Sportler regenerieren damit ihre zerschundenen Körper.

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Iyengar-Yoga benötigt Geduld und Ausdauer, schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten. Es war übrigens der Geiger Yehudi Menuhin, der B. K. S. Iyengar in der 1950er-Jahren dazu bewegte, in Europa zu lehren.

Der richtige Yogalehrer

Die Lehrperson sollte über eine gute Ausbildung und über einige Lebenserfahrung verfügen. Yogalehrerausbildungen müssen mindestens zwei Jahre dauern, um eine gewisse Qualität zu erreichen.

Falls Sie unter gesundheitlichen Problemem leiden, informieren Sie die Kursleitung vor dem Unterricht darüber.

Besuchen Sie eine Probelektion. Danach sollten Sie sich auf alle Fälle besser fühlen als vorher.

Geeignete Yogalehrer finden Sie bei folgenden ­Berufsverbänden:

Tipps für erfolgreiche Yoga-Stunden

Rhythmus: Ein fixer Kurs an einem bestimmten Wochentag, immer zur selben Zeit, eignet sich am besten. Der geordnete Ablauf garantiert einen baldigen Erfolg.

Ernährung: Die letzte grosse Mahlzeit sollte drei bis vier Stunden vor dem Kurs eingenommen werden. Ausser beim Bikram-Yoga wird ­während der Lektion nicht getrunken. Es ist zudem ratsam, erst rund 30 Minuten nach der Yogastunde zu ­essen. Das «Nachspüren» der Übungen ist so besser möglich.

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