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army-store.chAuf seinen Waren darf nicht mehr «Swiss Army» stehen

Ein Thuner Händler verkauft in seinem Shop seit Jahren Material der Schweizer Armee. Jetzt darf er die Ware nicht mehr mit «Swiss Army» anpreisen.

«Schweizer Armee» statt «Swiss Army»: Auf Google findet man Oskar Landolts Güter nicht mehr.

Von Veröffentlicht am 15. März 2019, aktualisiert am 14. März 2019

Er hat 43 Nationen mit Notkochern, Drahteseln und Gasrüsseln der Schweizer Armee bestückt. Er hat den Film «Achtung, fertig, WK!» mit Vierfruchtpyjamas und Dutzenden von «Gnägis» ausgestattet, dem legendären olivgrünen Rollkragenpulli. Zu seinen Kunden zählen Polizeikorps, Museen, die Schweizer Botschaft in Tokio und die Schweizergarde im Vatikan. Und nun das. 

Landolt Oskar, Jahrgang 1971, Händler von Material, das er der Schweizer Armee abgekauft hat, darf den Namen der Schweizer Armee Schweizer Armee Wie die Armee diskret Milliarden verpulvert nicht mehr nutzen, wenn er ihn auf Englisch – «Swiss Army» – schreibt. Wenn auf seiner Website army-store.ch oder auf seiner Visitenkarte der Begriff «Swiss Army» auftaucht, riskiert er eine Busse von 5000 Franken. Zahlen müsste er an die Armasuisse, die Materialbeschafferin der Schweizer Armee. Landolt wirft die Arme hoch. «Das verriisst mi.»

Markenbotschafter für Victorinox

In seinen Räumen an der Militärstrasse in Thun packt er eine Gamelle, das Koch- und Essgeschirr, in dem Tausende von Schweizer Soldaten einen sogenannten Spatz, einen Fleischvogel, zerlegt und gelöffelt haben. «Original Swiss Army», sagt Landolt. Dann hält er das Parfüm «Forest», Wald, der Schwyzer Messerschmiede Victorinox hoch. Das darf er als «Swiss Army» verkaufen. Für die Nutzung des Namens zahlte Victorinox bislang über 15 Millionen Franken. 

Wobei: Wer schon einmal in Originaluniform mit «Kopfwehgamelle» (Helm) und Pellerine im Wald ausharrte, denkt bei «Forest» weniger an den Duft von Tannen als an Schweissfüsse in Swiss-Army-Militärschuhen.

Die Firmen Victorinox und Wenger setzten die Bezeichnung «Swiss Army» jahrzehntelang ein. So schufen sie eine weltweit strahlende Marke für eine weltweit wenig strahlende Truppe. 2013 übernahm Victorinox aus Ibach SZ den viel kleineren Konkurrenten aus Delémont im Jura. Wenger war in finanzielle Schwierigkeiten geraten nach den Terroranschlägen 2001 auf die Zwillingstürme in New York. Als Folge nahm man den Fluggästen kleinste Messer ab. Keiner mit einem Funken Verstand kauft am Flughafen mehr einen Soldatenhegel, damit ein Beamter ihn ein paar Minuten danach in eine Plexiglasbox wirft.

Armasuisse und Victorinox bremsen Landolt aus

Landolts Problem hat seinen Ursprung in der Motion Minder. Der Schaffhauser Unternehmer und heutige Ständerat Thomas Minder hatte 2012 angeregt, man solle die Marken «Swiss Army», «Swiss Military» und «Swiss Air Force» schützen. So können sich Schweizer Hersteller wehren, wenn unter «Swiss Army» so abstruse Dinge auftauchen wie Zauberkarten, von Hand aufziehbare «Quality»-Taschenuhren für 12 Franken oder gefälschte «Swiss Army»-Messer. 

2016 meldete sich Victorinox Victorinox Happy Birthday, Sackmesser! bei Landolt. Zusammen mit der Armasuisse rang man Landolt eine Unterlassungserklärung ab. «Würde die Armasuisse die missbräuchliche Verwendung der Marke Swiss Army dulden, würde dies die Marke verwässern und schwächen», schrieb Victorinox dem Beobachter.

Auch die Armasuisse fühlt sich im Recht: «Swiss Army» sei kein offizieller Name der Schweizer Armee, sondern eine Marke.

Umsatz um 90 Prozent eingebrochen

Landolt musste daraufhin 19'000 Datensätze kontrollieren, 6000 Mal «Swiss Army» in «Schweizer Armee» ändern und Tausende von Prospekten einstampfen. Sein Umsatz sei um 90 Prozent eingebrochen, denn er verkaufe die Armeegüter vor allem in englischsprachige Länder. Dort finde ihn Google nicht mehr, weil keiner nach «Schweizer Armee» suche.

Das Vorgehen der Armasuisse Schweizer Armee Wo es um viel Geld geht und an Transparenz fehlt ist nicht im Sinne des Erfinders. Es werde «etwas gar pingelig» auf der Marke beharrt, wenn nicht einmal echte Ware der Schweizer Armee als solche angepriesen werden dürfe, findet Ständerat Minder. Man solle sich auf Fälle mit fetten Margen konzentrieren und auf «Swiss Army»-Material aus dem Ausland. 

Landolt hofft, dass er seine Ware künftig wieder mit «Swiss Army» anpreisen darf und dass der Umsatz nicht ins Bodenlose sinkt. Er stottert die Kosten für seinen Anwalt ab, rückt sein Armeekäppi zurecht und sagt: «Es gibt nichts Schönes an einem Krieg.» 

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René Ammann, Redaktor

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