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Partnerpool GmbHAmors Pfeil auf Abwegen

Marc und Angela Hiltbrand versprechen die grosse Liebe. Doch ihre Partnervermittlung verärgert immer wieder Kunden, statt sie zu verbinden.

Name, Augenfarbe, Handynummer: Was an vertraulichen Infos in ihrem Maileingang landete, entsetzte Anne Devalier*.
von aktualisiert am 07. Dezember 2017

Anne Devalier* hatte Pech. Sie googelte «seriöse Partnervermittlung» und stiess auf Angela und Marc Hiltbrand. Seit Jahren bietet das Ehepaar aus Basel Liebessuchenden Hilfe an – seit Jahren häufen sich beim Beobachter aber auch Klagen unzufriedener Kunden.

Devalier, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, legte bei der Suche nach dem Mann der Träume besonderen Wert auf Diskretion. Onlineportale kamen deshalb für sie nicht in Frage. Von Versprechungen auf der Website der Hiltbrands überzeugt, füllte sie im Oktober ein Kontaktformular aus, traf sich ein paar Tage später mit Marc Hiltbrand in einem Café und unterschrieb schon bald den 5400 Franken teuren Vertrag mit Hiltbrands Partnerpool GmbH.

Sie wollten doch diskret sein

«5400 Franken sind eine Menge Geld. Aber Marc Hiltbrand gab mir das Gefühl, er verstehe genau, welche Werte mir bei einer Partnerschaft wichtig sind. Und er versicherte, dass alles diskret erfolge.» Im Verkaufsgespräch war auch die Art der Kontaktaufnahme ein Thema. Laut Devalier hat ihr Hiltbrand versichert, dass das von ihr erstellte Profil nur für die interne Kartei genutzt wird. Für die Kontaktaufnahme würde den geeigneten Kandidaten – den sogenannten Matches – nur die jeweilige Telefonnummer weitergeleitet. 

Was aber ein paar Wochen später an vertraulichen Informationen in ihrem Maileingang landete, entsetzte Anne Devalier. Der empfohlene Mann war auf dem zugesandten Dokument komplett kenntlich gemacht. Neben Augenfarbe, Grösse und Zivilstand kennt Devalier nun auch Namen, Adresse, Handynummer, Mailadresse. Bevor sich die beiden überhaupt für eine Kontaktaufnahme entschliessen.

Dass auch ihre Kontaktdaten in elektronischer Form in fremden Postfächern liegen und mit einem Mausklick weiterversandt werden könnten, bereitete Anne Devalier schlaflose Nächte: «So öffnet man auch Stalkern die Tür.» Doch Hiltbrand habe ihre Bedenken in den Wind geschlagen. Er nehme nur seriöse Kandidaten in seine Kartei auf. 

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Eine Woche nach dem ersten und einzigen Kandidatenvorschlag hat Anne Devalier den Vertrag mit Hiltbrands Partnerpool GmbH gekündigt. Mit Hilfe eines Anwalts kämpft sie jetzt um die 5400 Franken.

Gegenüber dem Beobachter sagte Marc Hiltbrand, dass seine Klienten ausführliche Informationen über den jeweiligen Matching-Partner sogar wünschten. Im Internet würden sie das Risiko eingehen, mit Fakeprofilen getäuscht zu werden. «Bei uns wissen die Kunden von Anfang an, mit wem sie es zu tun haben.» Für Anne Devalier hingegen ist klar: «Wenn ich von dieser entblössenden Geschäftspraxis gewusst hätte, dann hätte ich den teuren Vertrag nie unterschrieben.»

«Heikle Praxis»

«Ein Personalblatt mit identifizierenden Informationen zu versenden, ist heikel», sagt auch Beobachter-Expertin Doris Huber. «Aus Sicht des Datenschutzes wie auch des Partnervermittlungsgesetzes. Es braucht dazu eine ausdrückliche Einwilligung.» Im dürftig gehaltenen Vertrag sucht man diese aber vergebens. 

Der Partnervermittler Marc Hiltbrand beschäftigt das Beobachter-Beratungszentrum seit Jahren. Immer wieder melden sich von leeren Versprechungen enttäuschte Kunden.

Jüngst auch Marlies Widmer*. Seit bald zwei Jahren ist sie bei der Basler Partnervermittlung unter Vertrag. Bis jetzt habe sie sieben Matches zugeschickt erhalten. «Doch entweder waren alle älter als mit Partnerpool abgemacht. Oder sie wohnten zu weit entfernt.» Seit acht Monaten herrscht nun Funkstille. Dabei habe ihr Hiltbrand vor der Vertragsunterzeichnung von drei oder vier Kandidaten vorgeschwärmt, die exakt ihren Vorstellungen entsprechen würden. Auf den Traummann wartet sie bis heute.

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