Der Schweizer Verein hat sich den Slogan gleich zum eigenen Namen gemacht: «E-Zigaretten retten Leben». Dahinter stehen einige Dutzend so genannter Dampfer und eine Handvoll E-Zigaretten-Händler. Die Gruppe sieht es als ihre Mission, die Unschädlichkeit ihrer Geräte zu propagieren, mit denen sie nikotinhaltige Flüssigkeiten (Liquids) inhalieren, aber dabei keinen Tabak verbrennen. Sie wollen mit ihrem letztes Jahr gegründeten Verein eine «Negativkampagne» bekämpfen, die von Schweizer Medien geführt werde, seit es in den USA zu tragischen Todesfällen gekommen ist.

Der kühne Slogan «E-Zigaretten retten Leben» ist Teil einer Kampagne von Anhängern der Nikotin-Verdampfungstechnik. Sowohl in der Schweiz auch als in Deutschland werben zahlreiche E-Zigaretten-Hersteller und Händler mit dem Slogan, verteilen Kleber und T-Shirts. Sie stellen sich auf den Standpunkt, Verdampfungsgeräte seien erheblich weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten. Ihre Theorie: Würden alle Raucher auf E-Zigaretten umstellen, könnten Millionen von Leben gerettet werden. Dass sie noch immer nikotinsüchtig wären und womöglich schädliche Inhaltsstoffe Rauchen Stoff in E-Zigaretten ist krebserregend einatmen, ist kein Thema.

Gericht verbietet Slogan

Nun kommt das deutsche Landgericht Trier zum Schluss, der Slogan verstosse gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Die Werbung enthalte täuschende und irreführende Werbung. Damit verbietet das deutsche Gericht einem E-Zigarettenhändler, mit besagtem Slogan zu werben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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Geklagt hatte der Verein «Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes» in Frankfurt am Main.  Der Werbespruch erwecke den Eindruck, E-Zigaretten seien unbedenklich und ein Umstieg von Rauchern auf E-Zigaretten würde ihr Leben retten.

Der Schweizer Verein will am Werbespruch festhalten, bestätigt Vereinspräsident Daniel Regli. «Wir sehen keine Probleme mit dem Slogan.» Man werbe ja nicht für E-Zigaretten-Geschäfte und wolle auch niemanden zum Umstieg animieren, der nicht schon rauche. Der Verein sei eine «Aufklärungsplattform».

Regli bezeichnet sich selber als ehemaligen Raucher und inzwischen langjährigen Dampfer. Aber als Minderheitsaktionär eines E-Zigaretten-Herstellers sei es ihm «natürlich ein grosses Anliegen, dass E-Zigaretten nicht verteufelt werden». Man solle besser die Chancen für die Gesundheitspolitik aktiv nutzen.

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Dampfen ist nicht harmlos

Gemäss Reto Auer, der als Professor für Hausarztmedizin an der Uni Bern zu E-Zigaretten forscht, könnten E-Zigaretten für Raucher sinnvoll sein, die erfolglos alle möglichen Rauchstopp-Methoden ausprobiert hätten. Aber die elektrischen Verdampfungsgeräte sind laut Auer alles andere als harmlos: «E-Dampfer sind ein Gesundheitsrisiko, zwar ein geringeres als normale Zigaretten, aber ebenfalls ein Risiko», sagte er vor Jahresfrist Nikotinsalze «Mit den neuen E-Zigaretten wird man schneller süchtig» im Beobachter. 

Bekannt sei, dass E-Dampfen bei gewissen Benutzern Asthmaanfälle auslösen kann. Zudem können Aromastoffe gesundheitlich bedenklich sein. Frankreich hat als eines der ersten Länder Inhaltsstoffe wie Vanille- und Zimtaromen verboten – weil sie krebserregend sind.

Womöglich kriegt der Schweizer Verein «E-Zigaretten retten Leben» aber schon bald trotzdem juristische Probleme. Die Arbeitsgemeinschaft für Tabakprävention prüft derzeit, bei der Lauterkeitskommission und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) Beschwerde einzureichen.

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Rauchstopp: 6 Methoden in der Übersicht

  • Professionelle Verhaltenstherapie und Medikamente
     
    • Wie?
      Ein Vierteljahr lang wöchentliche Verhaltenstherapie beim Arzt (individuell oder Gruppe), dazu Nikotinersatzpräparate oder Medikamente
    • Vor- und Nachteile
      + ärztliche Kontrolle
      + Motivationshelfer und Ansprech­person für Medikamente vorhanden
      + wird von der Krankenkasse bezahlt
      - hoher Aufwand an Zeit und Disziplin
    • Erfolgsquote*
      ca. 33 Prozent

 

  • Nur professionelle Verhaltenstherapie
     
    • Wie?
      Ein Vierteljahr lang wöchentliche Verhaltenstherapie beim Arzt (individuell oder Gruppe)
    • Vor- und Nachteile
      + Motivationshelfer vorhanden
      + wird meist von der Krankenkasse bezahlt
      - eventuell keine direkte Ansprechperson für Medikamente
    • Erfolgsquote*
      ca. 25 Prozent

 

  • Verhaltenstherapie in Eigenregie
     
    • Wie?
      Kauf und Lektüre von Fach­literatur und Rauchentwöhnungsratgebern
      Nachteile
    • - kein professioneller Motivationshelfer
      - kein direkter Ansprechpartner bei Wunsch nach Medikamenten
      - Krankenkasse zahlt nicht
    • Erfolgsquote*
      15 bis 20 Prozent

 

  • Nikotinersatzpräparate in Eigenregie
     
    • Wie?
      Ein Vierteljahr lang Nikotinersatzpräparate aus der Apotheke gegen die Entzugserscheinungen einnehmen
    • Nachteile
      - viel Disziplin erforderlich: Therapie muss ohne professionelle Motiva­tionshilfe durchgezogen werden
      - Krankenkasse zahlt nicht
    • Erfolgsquote*
      10 bis 15 Prozent

 

  • Spontanentschluss
     
    • Wie?
      Aufhören von heute auf morgen
    • Vor- und Nachteile
      + keine finanziellen und zeitlichen Aufwendungen für die Therapie
      - sehr hohe Motivation und geringe Abhängigkeit vom Rauchen nötig
      - meist mehrere Anläufe nötig
    • Erfolgsquote*
      1 bis 5 Prozent

 

  • Alternative Therapien
     
    • Wie?
      Akupunktur, Hypnose
    • Nachteile
      - bislang kein wissenschaftlicher Wirkungsnachweis vorhanden
      - wird nicht von der Krankenkasse bezahlt
    • Erfolgsquote*
      keine Angabe 

*Anteil der Aufhörwilligen, die ein Jahr nach einem Rauchstoppversuch noch rauchfrei sind

«Für dumm verkauft»

Etikettenschwindel, falsche Preisangaben, haarsträubende Werbung oder sonst ein Reinfall: Für Ärger beim Shoppen ist leider nur allzu häufig gesorgt. Auch Beobachter-Redaktorinnen und -Redaktoren fühlen sich öfters für dumm verkauft. Was sie dabei erleben, lesen Sie jede Woche unter dieser Rubrik.

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