Gleich zwei Mal beschlagnahm­ten Beamte des Hauptzollamts Frankfurt 2017 Pakete für einen Chemiestudenten aus Winterthur ZH. Der Inhalt: je ein Kilo Sildenafil in ­Pulverform, besser bekannt als Viagra.

Bei der zweiten Lieferung avisierten die deutschen Zöllner die Eidgenössische Zollverwaltung und diese letztlich die Heilmittelbehörde Swissmedic. Als deren Fahnder darauf die Wohnung des heute 27-Jährigen durchsuchten, stiessen sie auf ein Kilo Sildenafil, weitere, zum Teil illegale Medikamente und Dopingmittel, dazu leere Medikamentenkapseln und eine elektronische Waage.

Nun hat Swissmedic einen Straf­befehl ausgestellt, der dem Beobachter vorliegt. Darin liest man Erstaunliches: «Da der Beschuldigte den Import nur für den Eigenbedarf vorgenommen hat, ist die Schwere der Widerhandlung ­gering», heisst es. Dazu muss man ­wissen: Viagra wird in Dosen von ­maximal 100 Milligramm eingenommen. Ein Kilo der Substanz reicht also locker für eine tägliche Erektion während mehr als 27 Jahren.

Erst recht interessant sind die ­Gewinne, die man mit der Substanz ­erzielen kann. Der Kilopreis für Silde­nafil liegt auf dem Schwarzmarkt bei ­lediglich ein paar Hundert Franken, eine ­Dosis geht jedoch für sechs bis zehn Franken weg. Ein Kilo des Pulvers kann also locker Gewinne von mehreren Zehntausend Franken bringen.

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Mann kommt mit Busse davon

Man habe «bezüglich Herstellung und Verkauf in­tensiv ermittelt», sagt Swiss­medic-Sprecher Lukas Jaggi dazu. Der ­Beschuldigte habe jedoch glaubhaft darlegen können, «dass er den Wirkstoff anstelle von Tabletten aus finanziellen Gründen für den Eigengebrauch bestellt hatte». 

Offenbar war der Mann, der auch in Bodybuilder-­Kreisen verkehrt, derart glaubwürdig, dass man selbst auf eine Durchsuchung der Wohnung seiner Eltern und seines Arbeitsplatzes an der Hochschule verzichtete. Er kommt dementsprechend billig weg: mit einer Busse von 2000 Franken und Verfahrenskosten von rund 1900 Franken. 

Einzig den ­Vorrat an Viagra muss der Student, der nicht auf Anfragen des Beobachters reagierte, neu aufstocken. Swissmedic hat das Kilo Erektionsförderer beschlagnahmt und vernichtet.

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Thomas Angeli, Redaktor

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