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OccasionsautoErste Wahl aus zweiter Hand

Gebrauchtwagen sollte man nur bei schönem Wetter kaufen. Das und andere Kniffe erfährt, wer mit einem Fachmann einen Occasionshandel besucht.

Beim Kauf eines Occasionsauto zeigen sich manchmal versteckte Mängel. Umso wichtiger ist es, dass die Besichtigung bei schönem Wetter durchgeführt wird.
von aktualisiert am 05. September 2017

Occasion: Das sollten Sie sich genauer ansehen

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Beim Occasionskauf zuerst einen Überblick verschaffen

Auf einem riesigen Platz in Zürich mit Gebrauchtwagen stehen die Modelle dicht an dicht. Ein TCS-Experte zückt eine Mini-Taschenlampe: «Und jetzt, ein kleiner Trick». Er leuchtet zwischen die Speichen des algengrünen Mini Cooper. Die Bremsscheiben sind völlig verrostet. Der Experte runzelt die Stirn: «Das ist kein Flugrost, die Korrosion hat sich schon ins Metall gefressen.» Flugrost wäre harmlos und verschwindet nach der ersten scharfen Bremsung. Hat sich der Rost aber fest­gesetzt, neigt das Lenkrad beim Bremsen zum «Wackeln», die Bremsleistung leidet, im schlimmsten Fall blockiert das Rad. Glänzt die Scheibe, ist alles in Ordnung.

«Beim Kauf einer Occasion ist es wichtig, sich erst einen Überblick zu verschaffen und das Auto auf sich wirken zu lassen», rät der TCS-Experte. Der algengrüne Mini ist zehn Jahre alt, hat 75'000 Kilometer auf dem Tacho und soll 9200 Franken kosten. Die gräulichen Ablagerungen unter den Türgriffen kommen vom Regenwasser. Das weise darauf hin, dass der Vorbesitzer den Lack nicht gut gepflegt habe, so der Experte. Die Ablagerungen und die verrosteten Bremsscheiben lassen auch eine lange Standzeit vermuten. Umso dringender wird der Händler daran interessiert sein, das Fahrzeug loszuwerden. Das sollten Kunden beim Verhandeln im Hinterkopf behalten und zum eigenen Vorteil nutzen.

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Egal ob Sie einen Occasions- oder Neuwagen kaufen – es empfiehlt sich, auf einige Dinge zu achten. Guider erläutert seinen Mitgliedern mithilfe einer Checkliste, wie nach dem Kauf eines Gebrauchtwagens noch Mängel beanstandet werden können und zeigt anhand eines Beispiels, wie man einen Vertrag für den Privatverkauf aufsetzt.

Eine Probefahrt ist ein Muss

Und wie fährt sich der Mini? Ein Occa­sionskauf ohne Probefahrt ist für den Experten vom TCS undenkbar: «Keine Probefahrt, kein Deal», sagt er. Die Probefahrt muss natürlich gratis sein. Im Idealfall sollte sie in eines der TCS-Verkehrszentren führen. Dort entdecken Experten auch versteckte Mängel. Ein Occasionstest kostet 240 Franken, für TCS-Mitglieder ab 120 Franken, je nach Zentrum.

Zwei Reihen weiter steht dunkel funkelnd ein Audi A4. Die Limousine mit dem Zweiliter-Dieselmotor ist drei Jahre alt, 16'800 Kilometer gefahren und für 43'800 Franken zu haben. Ein Schnäppchen – 28'300 Franken unter Neuwert, präzisiert das knallgelbe Preisschild. Doch dem Experten stechen sofort die Kratzspuren am unteren Ende der Stossstange ins Auge. Das kann auf einen ernsthaften Schaden deuten.

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Occasionsauto nur bei Sonnenschein begutachten

Misstrauisch schaut der Experte genauer hin. Sein Blick bleibt an der vorderen Felge hängen. Grobe Kratzer ziehen sich rundherum, der schützende Gummiwulst der Reifen fehlt stellenweise ganz. Solche Schä­den entstehen beim Parkieren, wenn die Felge dem Randstein entlangschrammt. Beim Audi sind alle Felgen betroffen. Für den TCS-Experten ein Alarmzeichen: «Der Fahrer war offensichtlich ein Grobian.» Auch dass der Lack am hinteren Kotflügel unterschiedlich glänzt, lässt darauf schliessen. Bei trübem Wetter wären die Un­regelmässigkeiten in der Lackierung kaum aufgefallen. Occasionsausstellungen besucht man deshalb mit Vorteil, wenn die Sonne scheint. Das Fazit des TCS-Experten zum Audi: «Von dem würde ich die Finger lassen.»

Ein wahres Schnäppchen erweist sich später dann doch noch. Ein VW Touran, Kilometerstand 34'100, Jahrgang 2008, 29'800 Franken. An der Karosserie keine Schramme, die Zusatzausstattung umfangreich. Auch Parksensoren fehlen nicht, ein Vorteil gerade bei Kombis. Bei der Blickkontrolle am Heck fällt dem Experten die kratzfreie Ladeunterkante auf, was bei Kombis eher selten ist. Der Polsterbezug zeigt keine Flecken und kaum Abnutzungsspuren. «Das ist attraktiv. Kaufen!», rät der Mann vom TCS. Einen Nachteil hat das Angebot dennoch, und zwar gerade, weil es so attraktiv ist. Bei den Kaufverhandlungen gibt es kaum Argumente, um den Preis zu drücken. Deshalb der Rat: «Schlafen Sie erst darüber, bevor Sie das Portemonnaie zücken.»

Das sollten Sie vor dem Kauf einer Occasion bedenken

Kaum eine Investition ist streng wirtschaft­lich gesehen so fragwürdig wie der Kauf eines fabrikneuen Autos. Der Wertverlust ist dramatisch. Fährt der Neuwagen beim Händler vom Platz, hat er bereits einen Zehntel des Werts verloren. Viele Modelle sind nach vier Jahren noch die Hälfte wert.

Idealer Kaufzeitpunkt ist nach einem Jahr: Das Fahrzeug ist praktisch neuwertig, aber schon deutlich günstiger als beim Neukauf.

Mit dem Alter steigen auch die Reparaturkosten. Doch die Einsparung beim Kauf einer Occasion macht das meist mehr als wett. Wer den Zustand eines Wagens nicht beurteilen kann, sollte ihn von einem technischen Zentrum des TCS prüfen lassen.

Finanzierung: Wer bar zahlt, kann leichter einen Rabatt herausschlagen.

Für einen Kauf auf Kredit: Sprechen Sie mit Ihrer Hausbank und holen Sie auch mindestens eine Konkurrenzofferte ein.

Leasing empfiehlt sich bei Occasionen nicht, denn das Auto bleibt im Besitz der Leasingfirma. Zu den monatlichen Raten können hohe Reparaturkosten kommen. Ausserdem verlangen die meisten Leasingfirmen auch für Gebrauchtwagen eine Vollkaskoversicherung. Und bei der Rückgabe des Wagens kann es zu Streit wegen Abnützungsspuren kommen.

Modellwahl: Auch beim Gebrauchtwagen kann man der eigenen Wunschvorstellung nahekommen: Der Markt ist mit 775'000 verkauften Fahrzeugen (2010) mehr als doppelt so gross wie jener für Neufahrzeuge. Für den Arbeitsweg ist ein kleines, sparsames Modell viel günstiger.

Unterhaltskosten: Günstige ältere Occasionen mit ehemals hohem Neupreis sind oft teuer im Unterhalt. Im TCS-Autotest erfährt man mehr über die Kilometerkosten, Emissionen und Leistung der einzelnen Modelle, um eine ungefähre Ahnung über die Unterhaltskosten zu bekommen.

Suche: Den besten Überblick gibt es im Internet. ­Comparis.ch sammelt Angebote von Online-Autobörsen in einer detaillierten Datenbank. Klären Sie bei jedem Angebot ab, ob der verlangte Preis angemessen ist. Dazu lassen Sie am besten den effektiven Wert nach Eurotax berechnen, etwa direkt bei Eurotaxglass.ch (11 Franken pro Bewertung) oder beim TCS (Telefon 0900 900 047, CHF 4.23.– pro Minute).

Garantie: Seit 1. Januar 2013 darf die Garantie für gebrauchte Sachen nicht unter ein Jahr verkürzt werden, die Händler können sie aber ganz ausschliessen. Mündliche Zusicherungen des Verkäufers wie «unfallfrei», «nur ein Vorbesitzer» oder «Top-Zustand» sollten unbedingt schriftlich festgehalten werden.