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Live-SportDie neue Qual der Wahl

Fan schaut Fussball am TV.
Ein Fussballfan ist sich Ärger gewohnt. Doch gehen UPC und Swisscom mit ihren Sportpaketen nun zu weit? Bild: Getty Images

UPC und Swisscom kämpfen erbittert um die Exklusiv-Rechte an Fussball- und Eishockeyspielen – zum Ärger der Fans. Nun steigt mit Sky noch ein weiterer Anbieter in den Schweizer Markt ein.

von Reto Stauffacheraktualisiert am 2017 M08 22

Video-on-Demand – Video auf Nachfrage – ist praktisch und funktioniert nach dem Motto: der Kunde ist König. Er wählt bei verschiedenen Anbietern jene Inhalte aus, die ihn interessieren. Bei Filmen und Serien klappt das gut. Wer beispielsweise die Hitserie «House of Cards» schauen will, kann die neuste Staffel für 36 Franken mieten. Und diese anschliessend zuhause oder unterwegs, auf dem TV oder dem Handy, anschauen. Der Kunde hat hier also die Wahl.

Beim Livesport allerdings funktioniert Video-on-Demand bislang noch überhaupt nicht. Anstatt die Angebote den Kundenbedürfnissen anzupassen, versuchen die TV-Anbieter ihre Pfründen zu verteidigen. Bis diesen Sommer kam niemand, der Fussball- oder Eishockeyspiele live schauen wollte, an Swisscom und Teleclub Sport vorbei. Seit einem Jahr mischt das britische Streaming-Portal Dazn im lukrativen Markt am Rande mit. Und nun fordert UPC mit dem Sportpaket MySports den Platzhirsch Teleclub heraus. Der Eintritt des Kabelnetzbetreibers führt dazu, dass ein Sportfan ab sofort sowohl Teleclub wie auch MySports abonnieren müsste, um Schweizer Spitzenfussball und Spitzeneishockey zu sehen.

Auch Sky mischt jetzt mit

Im August hat nun auch der internationale Grosskonzern Sky angekündigt, in der Schweiz mit einem eigenen Streaming-Angebot zu starten. Das bedeutet: Fans von Champions League und Bundesliga sind nicht mehr auf Teleclub oder UPC angewiesen, um die Spiele zu sehen. Die neue Streaming-Plattform, die von Sky Deutschland betrieben wird, lässt sich beim Start am 17. August über den Browser aufrufen oder über Apps auf Tablets und Mobiltelefone. Sky verspricht, dass die App zudem bei UPC, Swisscom TV oder in TVs der grossen Hersteller wie Samsung oder LG integriert wird. Wann das wo genau geschieht, ist unklar – bis spätestens Ende Jahr soll es aber überall so weit sein. Bei Sunrise-TV gibt es Sky schon: die ersten drei Monate sind gratis, danach kostet das Paket 19.90 Franken pro Monat.

Teleclub hält derweil stur an seinem Paket fest, das monatlich mindestens 48.90 Franken kostet (siehe Box: Was kostet wie viel?). Das bedeutet für Sportfans: Alles – selbst Sportarten wie Golf oder Beachvolleyball – oder nichts. Nur für Swisscom-Kunden ist das Sportpaket seit kurzem für 29.90 Franken pro Monat verfügbar. Nach dem Eintritt von Sky hat der Swisscom-Konzern für Fussballfans einzig noch die Super League exklusiv im Angebot.

UPC, das die Rechte am Schweizer Eishockey und der deutschen Fussball-Bundesliga von Teleclub abgekauft hat, verlangt für sein Sportpaket zwar nur 25 Franken pro Monat, liefert seine Inhalte aber explizit nur an UPC-Kunden sowie zugeneigte Partner.

Zusammengefasst heisst das:

  • Swisscom und UPC bieten Sportpakete klassisch über die TV-Box an, während Dazn und Sky auf Streaming via Internet setzen.
  • Wer kein Kunde von Swisscom ist, muss für Teleclub massiv mehr bezahlen. Dazu ist das Angebot nur eingeschränkt verfügbar.
  • Wer Kunde von Swisscom ist oder keinen Kabelanschluss hat, dem wird von UPC der Zugriff auf die MySports-Inhalte gänzlich verwehrt.

Immerhin starten die beiden Schweizer Anbieter einen Kanal im Free-TV: «Teleclub Zoom» startete schon vergangenen Juli, «MySports HD» im September. Beide wollen darauf ausgewählte «exklusive Inhalte» kostenlos im frei empfangbaren Netz ausstrahlen (siehe Box: Wer zeigt was?).

UPC schützt sein Signal, Swisscom nicht mehr

UPC dagegen gibt sich angriffslustig: «Wir haben uns das Ziel gesetzt, das langjährige Monopol von Swisscom/Teleclub im Sportbereich zu brechen und haben dafür einen hohen Millionenbetrag investiert», teilt Sprecher Bernhard Strapp mit. Und um diese Investition zu schützen, werde das MySports-Signal nicht an Swisscom weitergegeben. Dass mit diesem Vorgehen nicht die Swisscom selbst, sondern deren Kunden bestraft werden, scheint UPC zu ignorieren.

Gegen dieses Vorgehen reichte Swisscom bei der Wettbewerbskommission (Weko) eine Klage ein. Das Argument: UPC missbrauche seine Marktmacht und verweigere gewissen Zuschauern den Zugang zu Live-Spielen. Doch die Weko lehnte die Klage am 12. Juli mit der Begründung ab, dass «keine nachhaltige und irreversible Änderung der Marktstruktur» drohe. Die Swisscom könne die Kunden mit einem attraktiven Angebot jederzeit wieder zurückgewinnen.

UPC und Swisscom liegen seit Jahren im Streit: Während mehr als zehn Jahren war Swisscom mit Teleclub der einzige Anbieter von Live-Sport im Bezahlfernsehen. Doch der Konzern verteidigte seine Stellung mit unfairen Mitteln, wie die Weko im Mai 2016 in einem weiteren Urteil festhielt. Swisscom wurde damals «wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung» zu einer Busse von mehr als 70 Millionen Franken verdonnert.

Beide Fälle liegen nun beim Bundesverwaltungsgericht, sind also noch nicht rechtskräftig. Teleclub meint dazu: «Wir sind nicht glücklich über diese Kämpfe neben dem Spielfeldrand. Aber leider gehören sie aktuell dazu.»

Das kostet Live-Sport:

Teleclub Sport

Neu auch im Free-TV:

 

UPC MySports

Auch im Free-TV:

 

Dazn (Streaming)

 

Sky Sports (Streaming)

«Rundum-Sorglos-Paket» noch zeitgemäss?

Der kundenfreundlichste Weg wäre, die einzelnen Pakete übergreifend zu einem bestimmten Preis anzubieten. Wieso soll ein Kunde, der explizit an der Bundesliga (Rechte bei UPC) und an der Super League (Rechte bei Teleclub) interessiert ist, diese Pakete nicht separat beim jeweiligen Anbieter buchen können? Warum hat er nur die Wahl zwischen alles oder nichts?

Die Antwort ist simpel: UPC und Swisscom wollen das nicht. Beide Anbieter verstehen sich nicht als «Content-Anbieter», wie es zum Beispiel Netflix ist, sondern als sogenannte «Content-Aggregatoren». Was damit gemeint ist: UPC und Swisscom bieten ein «Rundum-Sorglos-Paket» an, damit sich der Kunde um «nichts mehr kümmern» muss – so beschreibt es denn auch Teleclub-CEO Heinzelmann: «Wir wollen dem Kunden ein möglichst umfassendes und attraktives Angebot zur Verfügung zu stellen. Doch es ist verständlich, dass ein solches Angebot nie sämtliche Kundenbedürfnisse abdecken kann.»

Immerhin bietet UPC seinen Kunden für 9 Franken einen Tagespass an, der es erlaubt, Sportinhalte ohne Abo zu konsumieren. Dasselbe bietet Sky. Bei Swisscom können einzelne Spiele für 5 Franken gemietet werden – auch dieser Service funktioniert nur für Swisscom-Kunden. Doch wer jedes Wochenende Sport schaut, der kann diese Angebote ohnehin ignorieren, denn in der Summe aller Spiele einer langen Fussballsaison ist das Abo dann doch wieder günstiger.

Was nun? Dem Sportfan bleiben drei Optionen: Er entscheidet sich zwischen Teleclub, Sky, Dazn und MySports. Er abonniert zwei oder gar alle dieser Angebote und gibt dafür monatlich mindestens 45 Franken aus. Oder er macht es wie ein verärgerter Beobachter-Leser: «Ich kündige mein Teleclub-Abo und alle anderen Abos und gebe das Geld wieder für die Stadionwurst aus. Dieses Geld landet dann wenigstens dort, wo es hingehört: im Fussball.»

Teleclub oder MySports – Wer zeigt was?

Generell gilt: Wer live bei seinem Lieblingsteam oder Lieblingsliga dabei sein will, muss bezahlen. Immerhin kann man heute praktisch jede Sportart und jede Mannschaft live in die Stube holen. Fans müssen nur wissen, wo sie den entsprechenden Stream finden.
 

Saison 2017/2018 (ab August 2017)

Champions League

 

Europa League

 

Bundesliga

 

Premier League

 

Primera Division

 

Serie A

 

Ligue 1

 

Super League

 

Eishockey NLA

 

Ab Saison 2018/2019 (bereits bekannt)

Champions League

 

Europa League

 


Weitere ausgewählte Sportarten und Sportanlässe (ab Sommer 2017):
 

 

Live-Spiele
im Bezahlfernsehen

Live-Spiele frei empfangbar

Fussball: Nationalmannschaft Schweiz

SRF

Fussball: Schweizer Cup

Schweizerischer Fussballverband SFV
SRF

Eishockey: NHL

Teleclub/Swisscom (ausgewählte Spiele)
UPC MySports (via «Sport 1 US»)

American Football: NFL

Dazn

ProSieben MAXX/SAT.1

Basketball: NBA

Dazn
UPC MySports (via «Sport 1 US»)

Olympische Winterspiele 2018 in Südkorea

SRF
EUROSPORT (teilweise im Pay-TV)

Fussball: WM 2018 in Russland

SRF
ARD, ZDF

 

Die SRG wird mit ihren Sendern weiterhin breit über Sport berichten. Dazu werden die Fussball-WM, Olympische Spiele, Fussball- und Eishockey-Länderspiele der Schweiz, Tennismatches von Roger Federer und Stan Wawrinka sowie Ski- und Velorennen bis auf weiteres live im Free-TV bei SRF, RSI und RSR zu sehen sein. Auch die entscheidenden Spiele in Fussball- und Eishockey-Meisterschaft sind weiterhin im Programm.

    Beobachter-Tipp: Wann lohnt sich welches Abo?

    UPC MySports lohnt sich vor allem für Eishockey-Fans: NLA, NLB, NHL, Testspiele der Schweiz sowie die russische und schwedische Liga sind im Programm. Auch Fans der deutschen Bundesliga kommen für 25 Franken monatlich auf ihre Kosten, wenn gleich nicht alle Spiele gezeigt werden. Zum Vergleich: Das Sky-Sportpaket in Deutschland kostet umgerechnet rund 30 Franken pro Monat.


    Teleclub bietet mit Champions League, Super League, Eishockey-WM, Champions Hockey League oder Serie A noch immer das umfassendste Portfolio. Wer weiterhin ein «Rundum-Sorglos-Sportpaket» geniessen und unendlich viele Stunden Live-Sport sehen will, der wird auch weiterhin 42.80 Franken pro Monat bezahlen. Aufgrund des von Telelcub gewährten Rabattes kostet das Abo zumindest bis Sommer 2018 noch 29.90 Franken pro Monat.

    • Tipp: Auf der Seite von Swisscom TV Sport gibt es für Swisscom-Kunden die Möglichkeit, Spiele einzeln zu kaufen (Preis: 5 Franken).
    • Tipp: Ausgewählte Spiele werden auch im Free-TV auf dem neuen Sender «Teleclub Zoom» ausgestrahlt. Dieser startet am 22. Juli mit FC Basel - YB.


    Dazn funktionierte in seinem ersten Jahr mit wenigen Ausnahmen störungsfrei, die Streaming-Qualität ist gut, die Berichterstattung der Spiele zeitgemäss. Ein «Must» für Fans von englischem und spanischem Fussball. Das Abo kostet 12.90 Franken pro Monat.

    • Tipp: Der Dazn-Zugang kann mit einem Freund geteilt werden, dann kostet es nur noch 6.45 Franken pro Monat. Ausserdem ist das Abo monatlich kündbar.


     

    Sky Sport kommt nun also mit einem eigenen Angebot in die Schweiz. Für Fans der Bundesliga oder der Champions League sehr zu empfehlen. Ein weiterer Pluspunkt: Sky lässt sich ohne TV-Anbieter und auf verschiedensten Plattformen nützen (Smartphone, Tablet, PC, TV). Das Abo kostet 19.90 Franken pro Monat, ein Tagespass 9.90 Franken.

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    Reto Stauffacher, Online-Redaktor

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