Die Weinverkäufer von «Dé­lices et vins de France» kennen wirklich keine Scheu. Obwohl die Firma nach einem Konkursverfahren diesen Sommer per 4. Juli im Handelsregister gelöscht worden war, geschäften sie munter weiter – unter leicht verändertem Namen.

Neu heissen sie «Délices et vins de France – I. D. Group SA». Gemäss Briefkopf soll die Firma ihren Sitz in der Waadtländer Gemeinde Villars-sous-Champvent haben. Doch das Schweizer Handelsregister weiss nichts davon. Hinter dem Ganzen steht – oder stand zumindest bis vergangenen Juli – ein mittlerweile in Brüssel wohnhafter Schweizer namens Jean-Marc Sermier. Er hat und hatte in unzähligen Firmen Einsitz, darunter alleine in 24 konkursiten Unternehmungen.

Wer sich wehrt, wird belästigt

Das Geschäftsmodell des angeblichen Weinhändlers: Leute zu Hause anrufen und hinterher Bestellbestätigungen für Wein über etliche hundert Franken verschicken. Wer sich wehrt, wird täglich mit mehreren Anrufen bombardiert.

Besonders clever geht die Firma, die den stolzen Rang 5 auf der «K-Tipp»-Warnliste belästigender Telefonanrufe belegt, bei der Suche nach potentiellen Kunden nicht vor. Auch Beobachter-Mitarbeiter bleiben nicht verschont. «Erst als ich nach einigen Tagen Telefonterror wirklich laut und sehr deutlich wurde, hörten die Anrufe auf», sagt Redaktor und Berater Michael Krampf.

Doch was tun, wenn wider Erwarten Wein geliefert wird? Die Firma per Einschreiben darum bitten, die Ware innert einer bestimmten Frist abzuholen. Tut sie das nicht, darf man den Wein trinken – sofern einem die Lust darauf noch nicht vergangen ist.