Bauern protestieren gegen Milchpulver-Import für Toblerone
Über 2000 Franken weniger pro Monat: Schweizer Bauern leiden unter der Milchschwemme. Gleichzeitig importieren Schoggihersteller mehr Milchpulver und Butter.

Veröffentlicht am 20. Februar 2026 - 18:24 Uhr

Die Kühe geben mehr Milch. Doch die Bauern verdienen so weniger.
Schweizer Kühe geben so viel Milch, dass Verarbeiter wie Emmi oder Cremo nicht mehr wissen, wohin damit. Gleichzeitig importieren manche Schoggihersteller billiges Milchpulver und billige Butter. «Da stimmt doch etwas nicht mehr», sagt der Berner Jungbauer Niklaus Brönnimann. «Wegen des Preisverfalls bei der Milch verliere ich jeden Monat 2100 Franken», sagt der 28-Jährige. Das gehe an die Existenz. Noch arbeitet er auf dem Hof seiner Eltern mit. Nächstes Jahr will er den Betrieb mit 60 Kühen übernehmen.
Molkereien werten heute einen Teil der Milch pauschal zur sogenannten C-Milch ab, die zu Weltmarktpreisen von nur 10 bis 15 Rappen pro Kilo vergütet und dann exportiert wird. «Wir allein müssen das ausbaden», kritisiert Brönnimann und wirft den Verbänden vor, sich zu wenig für die Milchbauern einzusetzen.
Dass gleichzeitig internationale Konzerne über den sogenannten Veredelungsverkehr Rohstoffe aus dem Ausland in die Schweiz holen, um daraus Schoggi für den Export zu produzieren, hat das Fass zum Überlaufen gebracht: Am Donnerstag leerten Bauern ihre Milch vor dem Berner Sitz des US-Konzerns Mondelez auf die Strasse und überreichten ein Protestschreiben. Die Firma stellt mit Import-Milchprodukten Toblerone für den Export her.
Naturgemachte Milchschwemme
Der Grund für die aktuelle Milchschwemme sind nicht etwa mehr Kühe. Ein ungewöhnlich gutes Futterjahr hat vielmehr dazu geführt, dass im Dezember bis zu zehn Prozent mehr Milch gemolken wurde als im Vorjahr. «Dafür verantwortlich ist auch nicht das Kraftfutter. Das sehen wir bei der Biomilch. Dort hat die Produktion sogar überdurchschnittlich zugenommen», sagt Stephan Hagenbuch, Direktor von Swissmilk, der Organisation der Schweizer Milchproduzenten SMP. Der Hauptgrund sei gewissermassen die Natur.
Hagenbuch zeigt Verständnis für den Frust der Bauern, verweist aber auf harte politische Realitäten. So basiert der kritisierte Automatismus beim Veredelungsverkehr auf einem Deal von 2019, der Nachfolgelösung des «Schoggigesetzes». Die SMP hat schon damals diesen Automatismus bekämpft. Die Verbände haben rechtlich heute keine Handhabe, diese Importe einfach zu stoppen. Das liege in der Kompetenz des Bundesrats.
Praktisch unmöglich ist eine Reduktion des Käseimports aus der EU. Seit der vollständigen Marktliberalisierung im Jahr 2007 sind Zollkontingente oder Einfuhrzölle nicht mehr erlaubt, der Handel ist quasi schrankenlos. «Hier liegt es an uns, die Konsumenten vom Schweizer Käse zu überzeugen. Und dann an den Konsumenten selber, die heimische Produktion zu stützen.»
SVP will Importe unterbinden
Der Milchstreit ist in der Politik angekommen. So fordert die SVP, dass die Schweiz wegen des Überangebots die Grenzen für ausländische Milchprodukte vorübergehend schliesst, den Veredelungsverkehr unterbindet. Schokoladenherstellern soll es verboten werden, Milchpulver und Butter zu importieren, wenn genug in der Schweiz produziert wird.
SVP-Chef Marcel Dettling will aber auch den Import von Käse stoppen, wie er in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» betont. Wegen der bilateralen Abkommen wird diese Forderung allerdings einen schweren Stand haben.
Beim Veredelungsverkehr stehen die Chancen besser. Für den Import von Milchrohstoffen nach Art. 165a Zollverordnung gilt heute ein politisch vereinbartes und etwas kurioses Verfahren: Importgesuche von Unternehmen werden immer bewilligt, wenn sie diese innert zehn Tagen nicht selber wieder zurückziehen.
Die Branchenverbände werden über Gesuche zwar informiert, haben aber kein Vetorecht. Hier könnte der Bundesrat oder das Parlament die Regeln anpassen. Wenn man politisch will, kann das sehr schnell gehen, ist Hagenbuch überzeugt.
Bis dahin müssen Bauern mit weniger Einkommen auskommen und sich beim Drosseln der Milchproduktion selber helfen: Kraftfutter reduzieren, die Kälber mit Vollmilch tränken und ältere Kühe früher schlachten.
- SRF: Bauern machen Druck auf Toblerone
- «Neue Zürcher Zeitung»: Interview mit SVP-Chef Marcel Dettling
- Interview mit Jungbauer Niklaus Brönnimann
- Interview mit Swissmilk-Direktor Stephan Hagenbuch




