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ComputerGebraucht ist nicht immer günstig

Patrick Katzensteiner, Informatiker bei Gewa Multimedia, inspiziert gebrauchte Hardware. Bild: Fabian Unternährer

Geld sparen und dabei die Umwelt schonen: Der Kauf eines Occasions-Computers lohnt sich. Wenn man weiss, worauf man achten muss.

von Andreas Grote

Wenn man der Werbung glauben will, genügen nur die allerneusten PCs, Notebooks und Smartphones. In Wirklichkeit weisen aber die meisten neuen Gerätegenerationen bloss bei Details Verbesserungen auf. Ein wenige Jahre altes Gerät, vom Profi aufbereitet, ist immer noch fit – und oft nur halb so teuer wie das neue Nachfolgeprodukt. Nicht zuletzt profitiert die Umwelt, wenn ein Gerät länger genutzt wird.

Das wissen immer mehr Nutzer, und das Geschäft mit den Secondhandgeräten wächst. Sparen lasse sich besonders bei höherwertigen Geräten, bei Standardgeräten liege der Gebrauchtpreis oft nur wenig unter dem Neupreis des Nachfolgemodells, lautet das Fazit der Experten des Computerfachblatts «c’t». Sie haben kürzlich den Hardware-Occasionsmarkt genauer unter die Lupe genommen.

Das Occasionsgeschäft floriert

Bereits gibt es viele Firmen, die IT-Geräte neu aufbereiten. Utilis Computer in St. Gallen etwa handelt seit 20 Jahren mit gebrauchter Hardware. Bei der Gewa Multimedia bereiten Menschen mit Handicap die PCs wieder auf. Printerpiloten sind auf Drucker spezialisiert. Thinkpads.ch bereitet PCs, Notebooks, Tablets und Monitore von Lenovo auf. Und Revendo verkauft gebrauchte Produkte von Apple. Auch AfB, in Deutschland eines der Branchenschwergewichte, verkauft in der Schweiz gebrauchte PCs, Notebooks, Monitore und Drucker. Alle Händler haben auch Onlineshops.

Im Vergleich zu den Händlern, die mit Kleinanzeigen oder auf Auktionsseiten werben, haben die professionellen Aufbereiter klare Vorteile. Viele geben auf ihre Gebrauchtgeräte ein Jahr Gewährleistung, Gewa Multimedia drei Monate. In dieser Zeit muss der Händler etwaige Fehler am Gerät kostenlos beseitigen. Das ist möglich, weil Aufbereiter keine durchgenudelten Geräte aus Privathaushalten einkaufen, sondern robuste, kratzfestere und besser ausgestattete Businessreihen renommierter PC-Hersteller wie Dell, Lenovo, Fujitsu oder HP, die nur zwei oder drei Jahre benutzt wurden.

Oft nur wenig teurer als bei E-Bay

Die Geräte werden gereinigt, geprüft und falls nötig mit mehr Speicher, neuem Akku oder neuer Festplatte aufgerüstet. Danach wird eine legale Windows-7- oder -8.1-Version auf die gelöschte Festplatte aufgespielt. Die Wiederaufbereiter erhalten dafür über Microsofts Refurbisher-Programm kostengünstige Versionen und können so die Gebrauchtgeräte auch inklusive Windows günstig anbieten. Oft liegen ihre Preise nur wenig über denen von Privatgeräten bei E-Bay und Co.

Private Verkäufer schliessen die Gewährleistung meist aus. Später auftretende Mängel muss man selbst beheben (lassen). Nur wenn der Verkäufer arglistig ihm bekannte Mängel verschweigt, hat der Käufer ein Rückgaberecht. Das ist aber meist schwer zu beweisen. Ebenso wenig gibt es ein Widerrufsrecht beim Kauf von Privaten. Auch ob die auf dem gebrauchten PC installierte Software tatsächlich legal ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht überprüfen. Im Zweifelsfall muss dann noch einmal zusätzlich in Software investiert werden.

PCs

Mögliche Schwächen: Wenig RAM-Speicher, gemächlicher Prozessor, moderne Schnittstellen wie USB 3.0 fehlen, aktuelle Betriebssystemversionen und Software laufen eher langsam, gebrauchte Festplatte könnte bald erste Defekte zeigen.

Das sollte der gebrauchte PC haben: Ein Jahr Händlergewährleistung, HDMI/DVI-Anschlüsse für den Monitor, 250-GB-Festplatte, freier SATA-Anschluss zum Nachrüsten einer schnellen SSD-Festplatte, 4GB-DDR3-RAM-Speicher, einen Core-i-Prozessor ab 2010 (Übersicht: Ark.intel.com).

Sparpotenzial: Ein einfacher gebrauchter PC inklusive Windows sollte maximal 200 Franken kosten, da Neugeräte meist nur wenig teurer sind. Er sollte zwei Jahre Garantie und neuste Software mitbringen. Sehr gut ausgestattete Occasionen haben viel RAM, einen schnellen Prozessor, eine gute Grafikkarte. USB 3.0 und eventuell eine schnelle SSD-Festplatte lassen sich für rund 100 Franken nachrüsten.

Monitore

Mögliche Schwächen: Häufig noch blickwinkelabhängige TN-Bildschirme verbaut, veraltete Hintergrundbeleuchtung lässt Displays dunkler werden, keine modernen Anschlüsse.

Das sollte der gebrauchte Monitor haben: Ein Jahr Gewährleistung, HDMI/DVI-Schnittstelle (besser noch Display-Port); modernes, blickwinkelstabiles IPS-Panel mit LED-Backlight (steht in den technischen Daten des Monitors).

Sparpotenzial: In der Standardklasse ist der Preisunterschied zwischen gebraucht und neu vernachlässigbar. Blickwinkelstabile Bildschirme mit guten Farben und guter Schärfe auch von der Seite bauen inzwischen immer mehr Hersteller schon in ihre Standardgeräte ein. Sparen kann man nur bei hochwertigen gebrauchten Profimonitoren. Sie haben eine hervorragende Bilddarstellung, kosten neu mehrere tausend Franken und funktionieren auch nach mehreren Jahren noch gut.

Notebooks

Mögliche Schwächen: Wenig RAM, eine durchgerüttelte Festplatte, Akku mit kurzer Betriebsdauer, nachlassende Displayhelligkeit, kleines Touchpad, kein USB 3.0, niedrige Displayauflösung.

Das sollte das gebrauchte Notebook haben: Ein Jahr Gewährleistung, Intel Core i5, 4-GB-RAM, 12 bis 14 Zoll Bildschirmdiagonale mit 1200 x 900 oder 1600 x 1200 Bildpunkten, Festplatte ab 160 GB oder kleine SSD, UMTS für Internetzugang unterwegs, grosses Touchpad. So gut ausgestattete Business-Notebooks sind jedoch schwerer als schlanke Notebooks.

Sparpotenzial: Der Kauf einfacher gebrauchter Notebooks lohnt sich meist nicht – einfache Neugeräte gibt es ab 250 Franken. Gebrauchte Notebooks lohnen sich erst ab hochwertiger Ausstattung mit mehr RAM, schnellem Prozessor, eventuell SSD-Festplatte, gutem Display. Sie kosten 350 bis 400 Franken, etwa halb so viel wie ein Neugerät dieser Leistungsklasse.

Drucker

Mögliche Schwächen: Die Mechanik eines Tintenstrahldruckers ist anfälliger als die eines Laserdruckers, sie lässt sich zum Teil nicht oder nur aufwendig austauschen. Ältere Geräte verfügen meist auch nicht über neuere Funktionen wie Cloud-Anbindung oder Touchscreen-Bedienung.

Das sollte der gebrauchte Drucker haben: Ein Jahr Gewährleistung. Wenn Farb-Tintenstrahldrucker, dann mit einzeln auswechselbaren Patronen.

Sparpotenzial: Tintenstrahldrucker kosten gebraucht nur marginal weniger als neu und sind oft mechanisch am Ende. Schon ab 90 Franken gibt es robuste Schwarzweiss-Bürolaserdrucker von einem Markenhersteller. Wenn man Glück hat, enthalten sie noch Toner für viele hundert Seiten. Professionelle Aufbereiter checken die Funktionen, wechseln bei Bedarf die Verschleissteile und geben ein Jahr Gewährleistung. Gegen Laserdrucker spricht hingegen immer noch die Feinstaubproblematik.

Tablets und Smartphones

Mögliche Schwächen: Schwerer als neue Modelle, altersschwächer, nicht austauschbarer Akku, beanspruchte Knöpfe/Anschlüsse, kleiner Bildschirm. Android: selten aktuelles Betriebssystem. iPhones: oft nur 8-GB-Speicher.

Das sollte das gebrauchte Tablet/Smartphone haben: Mindestens drei Monate Gewährleistung. iPhones erhalten ab Modell 4s noch die aktuellen Updates. Das iPad 2 leistet auch mit iOS 8 gute Dienste, erst ab iPad 3 gibt es Updates und bessere Displays. Akkus funktionieren auch nach drei Jahren noch gut. Bei Android erhalten nur die jüngeren Geräte aus Googles Nexus-Reihe Updates. Eventuell muss ein neuer Akku eingebaut werden.

Sparpotenzial: Android-Geräte kosten gebraucht nur etwas weniger als das Nachfolgemodell mit besserer Technik und aktuellem Betriebssystem. Sparen lässt sich bei Apple: Das gebrauchte iPhone 4s mit 16 GB kostet in gutem Zustand keine 200, das günstigste neue iPhone SE 479 Franken. Vorsicht bei gebrauchten iPads: Sie stammen fast immer aus Privathaushalten.

Veröffentlicht am 2016 M11 07