Seit zwei Jahren kämpfen drei Schweizer Software-Entwickler gegen die Bequemlichkeit. Nicht gegen ihre eigene – sie haben ein erfolgreiches Start-up aufgebaut –, sondern gegen die von Millionen von Smartphone-Nutzern. Ihr Kurznachrichtendienst Threema ermöglicht das sichere SMS-Verschicken und Chatten. Die Nachrichten gehen anders als bei den meisten Diensten verschlüsselt vom Sender zum Empfänger.

Eigentlich weiss jeder seit über einem Jahr, dass viele mitlauschen, wenn man digital kommuniziert. Trotzdem boomen noch immer Dienste, die das Thema Privatsphäre komplett vernachlässigen. In der Schweiz hatte etwa der Messaging-Dienst Whatsapp im März laut einer Comparis-Umfrage einen Marktanteil von 91 Prozent. 600 Millionen Nutzer weltweit meldete er im August.

Beliebt ist der Dienst vor allem bei ­jungen Leuten. Seit auch die Generation 50 plus ein fester Bestandteil der Facebook-Gemeinschaft ist, meiden unter 25-Jährige Facebook und wickeln fast ihre gesamte Kommunikation über Whatsapp ab.

«Deutschland ist viel sensibler»

Der Alternativdienst Threema ist trotzdem stetig gewachsen. Inzwischen hat die App drei Millionen Nutzer, davon 80 Prozent in Deutschland. «Deutschland ist allgemein viel sensibler in Sachen Datenschutz», sagt Threema-Sprecher Roman Flepp. In der Schweiz hingegen sei der Marktanteil trotz guter Presse relativ gering. «Die Konsumenten sind bequem», sagt Telecom-Spezialist Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis. «Und sie wollen die App, die alle ihre Freunde schon haben.»

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Whatsapp macht immer wieder Schlagzeilen mit Datenlecks. Seit Februar gehört der Kurznachrichtendienst zudem Facebook, das für seinen laschen Umgang mit Nutzerdaten bekannt ist. Im September geriet Whatsapp erneut in die Kritik, weil es ständig vermeldet, ob ein Benutzer online ist, selbst wenn dieser die entsprechende Funktion abgeschaltet hat – das zeigte ein Test des IT-Spezialisten Heise Online. Es erleichtert das Erstellen von Nutzerprofilen.

Die Stiftung Warentest erteilte Whatsapp das Datenschutz-Prädikat «sehr kritisch», Threema hingegen bekam als ein­ziger Messenger das Urteil «unkritisch».

Die Threema-Macher setzen auf so­genannte asymmetrische Verschlüsselung: Jeder Teilnehmer hat in seiner App einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel wandelt den SMS-Klartext schon auf dem Handy des Absenders in Geheimtext um, aus dem der Empfänger den Klartext mit einem geheimen Schlüssel wieder gewinnen kann. Eine zusätzliche Verschlüsselungsschicht macht zudem die Metadaten – wer mit wem wann kommuniziert – für Dritte unlesbar. Die Nachrichten speichert Threema jeweils nur so kurz wie möglich auf eigenen Servern. Whatsapp hingegen verschlüsselt die Nachrichten nicht, kann also jederzeit mitlesen, was wer schreibt oder verschickt. Auch das Adressbuch der Nutzer überträgt Whatsapp, ebenfalls unverschlüsselt, und sogar an Dritte. So können selbst Daten von Nutzern, die die App niemals nützen, in fremde Hände geraten.

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Wie sicher ist Threema wirklich?

Threema verspricht, nichts zu speichern und alles zu verschlüsseln. Überprüfen können die Nutzer das nur bis zu einem gewissen Grad. Kritiker bemängeln, dass eine vollständige Überprüfung von Sendeverhalten und Sicherheit nur möglich wäre, wenn Threema das Herzstück der App, den Quellcode, öffentlich machen würde. «Aus unternehmerischer Sicht ist diese Offenlegung ein grosses Risiko», sagt Threema-Sprecher Flepp. Jeder könnte damit ähnliche Produkte anbieten. Das Start-up lebt nur vom Verkaufspreis der App, zwei Franken kostet sie.

Whatsapp ist zwar im ersten Jahr gratis. Doch wie man inzwischen weiss, sind Gratisangebote online nicht wirklich umsonst. Der Nutzer zahlt mit seinen Daten und der Privatsphäre. Die Threema-Macher wollen nun den US-Markt erobern und hoffen dort in der Post-Snowden-Ära auf möglichst viele datenschutzsensible Kunden.