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Digitales FernsehenTV-, Serien- und Sport-Angebote im Vergleich

Egal ob Fernsehjunkie, Serien- oder Sportfan: Für jeden gibt es heute das passende TV-Angebot. Man muss es nur finden. Bild: Felice Bruno

Fernsehen heisst heute: Ich stelle mir mein Programm selber zusammen. Doch wie macht man das am besten? Ein Leitfaden zu digitalem Fernsehen, Streaming-Angeboten und Live-Sport.

von Reto Stauffacheraktualisiert am 2017 M07 11

Vorbei sind die Zeiten, in denen wir uns mit jenem TV-Programm begnügen mussten, das uns SRF vorgesetzt hat. Heute ist jeder sein eigener Programm-Direktor. Alles, was es dazu braucht: Einen internetfähigen Fernseher (Smart TV) und den passenden Fernsehanbieter.

Noch immer schauen Deutschschweizer im Schnitt 118 Minuten fern pro Tag – das ist nur leicht weniger als noch vor 30 Jahren. Verändert haben sich allerdings die Sehgewohnheiten: Zeitversetztes Fernsehen und Streaming verdrängen das lineare, klassische Fernsehen zusehends vom Markt. «Wer jeden Abend um 19.30 Uhr vor dem Fernseher sitzt, um die Tagesschau zu schauen, gehört einer aussterbenden Spezies an», sagt Dominik Schmid, TV-Experte und selbständiger Berater für digitale Technologien. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis das lineare Fernsehen, so wie wir es kennen, der Vergangenheit angehöre. «Ein Umdenken lohnt sich hier wie in kaum einer Branche», sagt Schmid. «Es ist allerhöchste Zeit, sich mit Angeboten wie Netflix oder Dazn zu befassen.»

«Wenn Werbung kommt, schalten die Leute um, weg – oder sie spulen nach vorne.»

Dominik Schmid, TV-Experte

Die Konsumenten haben die Qual der Wahl: Welcher TV-Anbieter ist der richtige? Wo finde ich meine Lieblingsfilme? Und wer überträgt die Fussballspiele meiner Lieblingsmannschaft?

Wer digitales Fernsehen installiert, hat Zugriff auf mehr als 150 Sender – davon über die Hälfte auf deutsch – und Tausende von Filmen, Dokumentationen und Serien. Man hat ausserdem die Möglichkeit, zu spulen, zu pausieren oder aufzunehmen. Dazu gibt es für jedes Spezialinteresse ein Bezahlangebot, sei es für Sport, Kultur oder Unterhaltung.

Als Beispiel für dieses neue Konsumverhalten nennt Schmid seine beiden Töchter, die stundenlang Videos auf Netflix und YouTube schauen würden, aber niemals auf die Idee kämen, normales lineares Fernsehen zu schauen. Diesen Eindruck bestätigt auch die JAMES-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die alle zwei Jahre das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen untersucht: Demnach besuchten 79 Prozent der 12- bis 19-Jährigen Videoportale wie YouTube praktisch täglich, 32 Prozent nutzten Videostreaming wie Netflix. Nur 21 Prozent sahen sich TV-Sendungen live oder zeitversetzt an.

«Immerhin haben die TV-Macher diese neue Realität langsam begriffen», sagt Schmid mit Blick auf die zahlreichen Angebote im Internet. In der Werbeindustrie sei das allerdings noch nicht angekommen: «Da werden noch immer Millionen von Franken für Werbung ausgegeben, obwohl das nachweislich kaum mehr jemand anschaut. Wenn Werbung kommt, schalten die Leute um, weg – oder sie spulen.» Sofern sie denn überhaupt noch einschalten.

Welche TV-Angebote wie kombiniert werden können, zeigt die folgende Übersicht: Sie beschreibt die drei wichtigsten Trends und vergleicht die unterschiedlichen Angebote der verschiedenen Anbieter.

1. Digitales und Internet-Fernsehen

Ein «Rundum-Sorglos-Paket» bieten UPC, Swisscom und Sunrise. Nur schon die jeweiligen Basispakete umfassen mehr als 100 TV-Sender und eine grosse Auswahl an mietbaren Filmen und Serien – alles mit Replay- und Aufnahme-Funktion. «Um diese drei Anbieter kommt man fast nicht herum, obwohl sie natürlich viel zu teuer sind», sagt TV-Experte Dominik Schmid. Oft günstiger sind regionale Anbieter, von denen es Dutzende gibt.

Wer es noch kostengünstiger mag, kann einen Internet-Streamingdienst abonnieren: Wilmaa, Zattoo oder Teleboy. Auch diese haben mehr als 100 Sender im Angebot, die meisten davon in hochauflösender Qualität. Die Kosten für Streaming ohne Werbeunterbrechungen betragen zwischen CHF 8.50 und Fr. 10.– im Monat. Bedingung ist ein schneller Internetanschluss von 50 Megabits pro Sekunde (Mbit/s), besser sind 100. Das ist bei Internetprovidern relativ günstig zu haben. Mit einem Smart TV kann dann alles direkt über den Fernseher konsumiert werden. Sonst braucht es einen Laptop, ein Tablet oder mindestens ein Smartphone. Natürlich muss die Billag-Gebühr von jährlich CHF 451.10 bezahlt werden.

Übersicht: Die beliebtesten Basis-Pakete im Direktvergleich

 

Swisscom
inOne M

UPC Cablecom
Connect & Play 200

Sunrise
Sunrise Home

green.ch
MultiComfort

Quickline
All-in-One S

Anzahl Sender

270+

140+ 230+ 225+ 190+

HD-Sender

120+ 85+ 50+ 80+ 75+

Replay

7 Tage 7 Tage 30 Stunden 7 Tage Nein

On-Demand-Angebot

Ja, teilweise inbegriffen Ja Ja, auf Abruf Nein Ja

Aufnahme möglich

Ja Ja Ja Ja Ja

Internet-Geschwindigkeit

40 Mbit/s 50 Mbit/s 40 Mbit/s 40 Mbit/s 80 Mbit/s

Preis pro Monat
Paket TV und Internet

85.– CHF 89.– CHF 70.– CHF 69.– CHF 70.– CHF

Preis pro Monat
Nur Internet

60.– CHF 69.– CHF 45.– CHF 49.– CHF 50.– CHF


Bemerkungen zur Tabelle: Es werden fünf beliebte TV-Angebote der Deutschschweiz verglichen. Als Basis diente jeweils ein Kombi-Paket aus digitalem Fernsehen und einer Internetverbindung von mindestens 100 Mbit/s.


Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Neben den oben aufgelisteten Anbietern gibt es noch Firmen wie die Swisscom-Tochter WingoM-Budget oder Teleboy Home, die ebenfalls solche Pakete anbieten. Dazu kommen unzählige kleine regionale Anbieter.

  • Wingo (digitales TV + 500 Mbit/s): 89.– CHF
  • M-Budget (digitales TV + 50 Mbit/s): 79.80 CHF
  • Teleboy Home (digitales TV + 100 Mbit/s): 69.– CHF

Übersicht: Die beliebtesten Live-TV-Streamingdienste im Direktvergleich

 

Wilmaa

Zattoo

Teleboy

Anzahl Sender

140+

180+ 120

HD-Sender

50+ 60+ 50+

Replay

7 Tage 7 Tage 7 Tage

On-Demand-Angebot

Nein Nein Ja, auf Abruf

Aufnahme möglich

Nein Ja Ja

Preis pro Monat

9.90 CHF 10.– CHF 8.50 CHF

Auch die Fernsehsender beginnen, Streaming häufiger zu nutzen: SRF beispielsweise lässt sein ganzes Programm als Livestream über seine Internetseite laufen. Zudem werden ausgewählte Sendungen wie «#SRF global» oder «Müslüm TV» zuerst auf YouTube oder srf.ch ausgestrahlt, ehe sie später im linearen Fernsehen zu sehen sind. In einem Pilotversuch wurde ausserdem die Arena am 6. Januar 2017 erstmals live auf Facebook gestreamt. Auf diese Weise erhoffen sich die TV-Macher, junge Menschen zu erreichen.

2. Video on Demand / Flatrate

Früher mussten sich Film- und Serienfans ihren Stoff auf verschlungenen Wegen beschaffen oder auf die TV-Ausstrahlung warten. Heute gibt es ihn auf immer mehr Video-on-Demand- und Flatrate-Portalen.

Das bekannteste ist Netflix: Ab CHF 11.90 pro Monat kann man so viele Serien, Dokumentationen und Filme schauen, wie man will (Flatrate). Das Problem: Nicht alles, was der Markt hergibt, ist auf Netflix zu sehen. Der Dienst zeichnet sich vor allem durch hochwertige Eigenproduktionen und Arthouse-Kino aus. Aktuelle Hollywood-Blockbuster sucht man dort vergebens. Wer an den neusten Serien- und Filmhits aus den USA interessiert ist, dem sei Amazon Prime oder vor allem Hollystar empfohlen: Ab monatlich CHF 9.90 profitieren Hollystar-Kunden von Rabatten auf alle Serien und Filme. Der Dienst, der dem deutschen Medienkonzern Sky gehört, beliefert auch den Katalog von Sunrise TV. Die meisten neuen Filme finden sich ausserdem auch auf den Video-on-Demand-Angeboten von Swisscom und UPC, die allerdings den eigenen Kunden vorbehalten sind.

Einen anderen Ansatz verfolgen die Internetgiganten Google und Apple. Auf ihren Portalen Play und iTunes lassen sich Filme und Serien per Knopfdruck mieten. Abgerechnet wird per Kreditkarte. Ein Flatrate-Abonnement gibt es bei diesen Anbietern allerdings nicht. Für Liebhaber von Dokumentationen aller Art ist Youtube die ideale Plattform – und ausserdem gratis. Swisscom oder UPC bieten zudem «Special Interest»-Pakete an: Bei Teleclub (Swisscom) etwa kann ein «Family»-Paket mit «Discovery Channel» oder «National Geographic» für CHF 9.90 zusätzlich gebucht werden. Fast überall sind die Filme und Serien auf Deutsch zu sehen – oder mit deutschen Untertiteln.

Um für sich herauszufinden, welcher Anbieter am besten geeignet ist, lohnt es sich, einen Gratis-Probemonat abzuschliessen und im Angebot der jeweiligen Anbieter zu stöbern.

Übersicht: Die beliebtesten Streamingdienste für Filme & Serien im Direktvergleich

 

Netflix

Amazon Prime

Hollystar

Teleclub Play
(Swisscom)

MyPrime
(UPC)

iTunes

Google Play

Flatrate

Ja

Ja Nein, aber Abo-Gebühr Ja Ja Nein Nein

Pay-per-View

Nein Ja Ja Ja Ja Ja Ja

Anzahl Titel*
(Filme & Serien)

~5000 ~12'000 ~8000 ~11'000 ~6000 ~25'000 ~10'000

Abo-Preis pro Monat

11.90 CHF 4.38 CHF*** 9.90 CHF 12.90 CHF 9.95 CHF

Preis für Miete Einzelfilm**

5.35 CHF*** 8.40 CHF
(4.– für Abonnenten)
7.50 CHF 9.– CHF 7.50 CHF 7.50 CHF

Preis für Kauf Einzelfilm**

15.01 CHF*** 28.90 CHF 22.– CHF 21.– CHF

Bemerkung

Angebot in der Schweiz (noch) eingeschränkt Beliefert auch ExLibris, Teleboy, Sunrise Nur für Swisscom-Kunden Nur für UPC-Kunden

* Angaben der jeweiligen Dienstleister.
** Preis für Film-Neuheit und für HD-Qualität. 
*** Die Abrechnung erfolgt in Euro, Wechselkurs 1.07 vom 10.01.2017 verwendet.

3. Live-Sport geht ins Pay-TV

Auch der Live-Sport ist im Umbruch: Populäre Sportarten wie Fussball oder Eishockey werden zusehends ins Bezahlfernsehen gedrängt – weil die Übertragungsrechte immer teurer werden und weil immer mehr Anbieter auf den lukrativen Deutschschweizer Markt drängen.

Das neuste Beispiel ist UPC, das mit seinem neuen Sender MySports in den Vordergrund drängt und die Rechte an der deutschen Fussball-Bundesliga und dem Schweizer Eishockey gesichert hat. Letztes Jahr trat das Streamingportal Dazn in den Schweizer Markt, das dem Platzhirsch Teleclub die Rechte am spanischen und englischen Fussball abnahm und diesen seither exklusiv über die eigene Website streamt.

Der von Dazn vorgezeichnete Weg wird künftig häufiger begangen: Der Schweizerische Fussballverband streamt alle Cupspiele auf seiner Website cupplay.ch. Die Spiele der Eishockey-WM 2016 waren live auf Youtube zu sehen. Ein weiteres Beispiel für exklusives Livestreaming war die Handball-WM 2017, die in Deutschland und der Schweiz nicht im klassischen TV zu sehen war – sondern auf der Website eines Sponsors.

Teleclub oder MySports – Wer zeigt was?

Generell gilt: Wer live bei seinem Lieblingsteam oder Lieblingsliga dabei sein will, muss bezahlen. Immerhin kann man heute praktisch jede Sportart und jede Mannschaft live in die Stube holen. Fans müssen nur wissen, wo sie den entsprechenden Stream finden.
 

Saison 2017/2018 (ab August 2017)

Champions League

  • Alle Spiele live bei Teleclub/Swisscom
  • Alle Spiele live bei Sky Sport
  • Ein Spiel pro Spieltag live bei SRF (Dienstag + Mittwoch)
  • Ein Spiel pro Mittwoch bei ZDF und ORF 1
  • Alle Zusammenfassungen nach Spielschluss bei SRF

 

Europa League

  • Alle Spiele live bei Teleclub/Swisscom
  • Alle Spiele live bei Sky Sport
  • Top-Spiele und Spiele der Schweizer Mannschaften live bei SRF

 

Bundesliga

  • 266 Spiele live bei UPC MySports (darunter alle Samstagsspiele)
  • 266 Spiele live bei Sky (darunter alle Samstagsspiele)
  • 40 Spiele live bei Teleclub/Eurosport (30 am Freitag, jeweils 5 an Sonntag und Montag)
  • 2 Spiele live bei ARD (Eröffnungsspiele Hin- und Rückrunde)
  • Alle Zusammenfassungen 40 Minuten nach Spielschluss bei Dazn
     
  • Hinweis: Da die Sky Sport App bei Teleclub integriert werden soll, haben Kunden (womöglich gegen Mehrkosten) auch Zugriff auf diese Spiele. Das ist aber erst gegen Ende des Jahres möglich.

 

Premier League

  • Bis zu 6 Partien pro Spieltag mit deutschem Kommentar live bei Dazn
  • Top-Spiele mit französischem Kommentar live bei Teleclub/Swisscom

 

Primera Division

  • Alle Spiele live bei Dazn

 

Serie A

  • Alle Spiele live bei Teleclub/Swisscom/Sky

 

Ligue 1

  • Top-Spiele live bei Teleclub/Swisscom/Sky

 

Super League

  • Alle Spiele live bei Teleclub/Swisscom
  • Ein Spiel pro Spieltag bei SRF
  • Alle Zusammenfassungen bei SRF

 

Eishockey NLA

  • Alle Spiele bei UPC MySports
  • Ab Playoffs: Ein Spiel pro Spieltag bei SRF
  • Alle Zusammenfassungen bei SRF

 

Ab Saison 2018/2019 (bereits bekannt)

Champions League

  • Alle Spiele + Final live bei Teleclub/Swisscom
  • Alle Spiele + Final live bei Sky
  • Ein Spiel pro Mittwochabend bei SRF (ohne Final)
  • Alle Zusammenfassungen nach Spielschluss bei SRF

 

Europa League

  • Alle Spiele live bei Teleclub/Swisscom
  • Alle Spiele live bei Sky
  • Ein Spiel pro Spieltag + Final live bei SRF

 


Weitere ausgewählte Sportarten und Sportanlässe (ab Sommer 2017):
 

 

Live-Spiele
im Bezahlfernsehen

Live-Spiele frei empfangbar

Fussball: Nationalmannschaft Schweiz

SRF

Fussball: Schweizer Cup

Schweizerischer Fussballverband SFV
SRF

Eishockey: NHL

Teleclub/Swisscom (ausgewählte Spiele)
UPC MySports (via «Sport 1 US»)

American Football: NFL

Dazn

ProSieben MAXX/SAT.1

Basketball: NBA

Dazn
UPC MySports (via «Sport 1 US»)

Olympische Winterspiele 2018 in Südkorea

SRF
EUROSPORT (teilweise im Pay-TV)

Fussball: WM 2018 in Russland

SRF
ARD, ZDF

 

Die SRG wird mit ihren Sendern weiterhin breit über Sport berichten. Dazu werden die Fussball-WM, Olympische Spiele, Fussball- und Eishockey-Länderspiele der Schweiz, Tennismatches von Roger Federer und Stan Wawrinka sowie Ski- und Velorennen bis auf weiteres live im Free-TV bei SRF, RSI und RSR zu sehen sein. Auch die entscheidenden Spiele in Fussball- und Eishockey-Meisterschaft sind weiterhin im Programm.