Kleine Schrift, mehrfach belegte Tasten, verwirrende Menüs und un­logische Bedienung: Auch moderne Handys, Fernseher, Kameras oder Waschmaschinen sind nicht wirklich benutzerfreundlich. Vor allem ältere Leute sind ohne Hilfe oft auf­geschmissen. «Wer mit mechanischen Geräten aufgewachsen ist, kann Mühe haben, sich in der Welt des Elektronischen zurechtzufinden», sagt Reto Eugster, Leiter des Kompetenzzentrums Generationen an der Fachhochschule St. Gallen.

Attraktiv für Jung und Alt

Spezielle Produkte für Ältere sind trotzdem keine Lösung. Hersteller fürchten, ihr jugendliches Image zu ramponieren. Und Umfragen zeigen, dass Ältere keine «Seniorenprodukte» wollen, weil diese ihre Schwächen herausstellen. «Auch Ältere wollen schicke Produkte kaufen», bestätigt Sebastian Glende, der an der Technischen Universität Berlin die Senior Research Group leitet – eine Gruppe von 20 Senioren, die Produkte für Hersteller testen.

Es ist durchaus möglich, Produkte einfach handhabbar und hochfunktional auch für Senioren zu gestalten, ohne dass man es den Geräten ansieht. Die Hersteller haben das mittlerweile erkannt und versuchen sich in «Universal Design»: Geräte durch selbsterklärende Bedienung und Komfortfunktionen für Jung und Alt gleich attraktiv zu machen. «So ist ein iPad auch für Senioren gut nutzbar», sagt Eugster. Hier löst jedes App auf dem grossen Bildschirm ein spezifisches Problem. Das ist übersichtlich.

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Noch ist dieses universelle Design aber nur bei wenigen Geräten zu finden. Experten ­raten beim Kauf deshalb, auf wichtige Details zu achten:

«Kaufen Sie keine komplexeren Geräte, die Sie nicht vorher selbst ausprobiert haben», rät Reto Eugster. Das macht man am besten beim Fachhändler. Er informiert, liefert grössere Geräte auch nach Hause, schliesst sie an und ist danach noch Ansprechpartner. Das ist den Aufpreis im Vergleich zu Internetangeboten oft wert.

Orientieren Sie sich an Einsteigergeräten oder «Klassik»-Editionen der etablierten Hersteller. Sie konzentrieren sich meist auf die Kernfunktionen. So braucht es nur wenige Handgriffe, bis die gewünschte Funktion eingestellt ist.

«Oft zeigt schon die Erläuterung auf der Verpackung, ob ein Produkt gut verständlich ist oder nicht», so Sebastian Glende. Sind auf der Verpackung nur technische Verklausulierungen, oder wird der Nutzen des Produkts klar erklärt?

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Lesen Sie vor dem Kauf Tests etablierter Institute – zum Beispiel Stiftung Warentest – und suchen Sie sich dort Ihren Favoriten in den Kategorien, die für Sie persönlich wichtig sind. Gute Tests untersuchen spe­ziell die Handhabung oder ­Bedienung. Und: «Fragen Sie auch im Bekanntenkreis nach, welche Geräte sich in der Nutzung bewährt haben», rät Reto Eugster. Auch im Internet ist zu erfahren, wie andere Nutzer die Produkte bewerten. «Und klären Sie vor einem Kauf ab, wer Sie im Familien- oder Bekanntenkreis unterstützt, falls Sie Hilfe brauchen.»

Telefon, Computer, Kamera

Telefon und Handy: Ein grosses, spiegelfreies Display und mechanische, grosse Tasten sind Merkmale leicht zu bedienender Telefone. Sie haben meist nur wenige Funktionen. Die Menüs sollten einfach sein, die Schriftgrösse auf dem Display veränderbar – und der Akku sollte eine lange Laufzeit haben. Geräte, die mit Hör­geräten kompatibel sind, lassen sich meist auch lauter stellen als normale Telefone. Nützlich ist auch eine Notruftaste, die auto­matisch mehrere Nummern anruft. Moderne Smart­phones lassen sich zwar auch durch Sprache und Gesten steuern, die Bedienung ist bei den vielen Funktionen aber kompliziert, und die Eingabe von Ziffern oder Buchstaben auf einem Touchscreen ist fehler­anfällig.

Computer: Beschränken Sie sich auf möglichst wenige Kompo­nenten. Meist reicht ein kompaktes Gerät, das Monitor und Computer in einem Gerät vereint. Computer von Apple sind stark auf einfache Bedienung ausgerichtet – allerdings auch teurer als Windows-PCs. Der Monitor sollte entspiegelt, Anschlüsse für USB und Speicherkarte sollten an der Front zugänglich sein.

Digitalkamera: Wichtig ist ein grosses Display, mindestens sieben Zentimeter Diagonale – und geringes Gewicht. Zu empfehlen sind wenige, grosse und nur einfach belegte Tasten, ein Verwacklungsschutz und einfache Menüs.

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Fernseher und Musikanlage

Fernseher: Wichtiger als 3-D-Fähigkeit und hohe Bildschirmauflösung ist ein ausreichend grosses Bild (mindestens 80 Zentimeter Bildschirmdiagonale) und eine dunkle Umrandung für besseren Kontrast. Der Standfuss sollte sich drehen und kippen lassen, damit der Blickwinkel leicht anzupassen ist. Je mehr ein TV-Gerät kann, umso unübersichtlicher sind Menü und Fernbedienung. Ist der Fernseher einmal richtig eingestellt, reicht eine als Zubehör erhältliche einfache Fernbedienung mit wenigen Knöpfen zur Weiterschaltung der Programme und für die Lautstärke. Neuste TV-Modelle verstehen auch Sprechen und Gesten. Das ist ungewohnt – und zuerst muss der Fernseher auf die zu erkennende Stimme «abgerichtet» werden.

Stereoanlage, CD- und DVD-Spieler: Gut sind Geräte mit grossen Tasten, die nur eine Funktion pro Taste haben. Das Display sollte spiegelfrei und gut ablesbar sein. Anschlüsse für Kopfhörer und andere Geräte sind am besten gut erreichbar an der Gerätevorderseite platziert. Ein CD-Wechsler erspart zudem häufiges Einlegen von CDs. Das Gerät sollte sich auch direkt und nicht nur über die Fernbedienung steuern lassen.

Wasch- und Spülmaschine, Kochherd

Waschmaschine: Ein Toplader – die Wäsche wird von oben in die ­Maschine gegeben – erspart das lästige Bücken. Die meisten Hersteller bieten Sockel für ihre Frontlader an. Damit ist die Luke auch ohne tiefes Bücken erreichbar. Übersichtlich sind abgeschrägte Bedienleisten mit Drehknopf oder mit wenigen, gut beschrifteten Tasten. Nur wenige Waschprogramme und ein Automatikprogramm minimieren Bedienfehler. Es sollte gut ­erkennbar sein, wie viel Zeit das Waschprogramm noch benötigt.

Spülmaschine: Reiniger und Glanzmittel werden meist in der Tür nachgefüllt. Praktisch ist es, wenn man auch das Salz ohne Bücken in der Tür nachfüllen kann. Eine übersichtliche Bedienleiste mit Drehknopf oder wenigen Tasten sowie wenige Spülprogramme und ein Automatikprogramm verringern das Risiko der Fehlbedienung.

Kochherd: Klassische Drehschalter zum Ein- und Ausschalten der Herdplatten sind exakter als Sensortasten und lassen keine Zweifel darüber, ob etwas aus- oder eingeschaltet ist. Ausserdem sind ­ältere Menschen diese Bedienung seit Jahrzehnten gewohnt. Zu empfehlen ist vor allem bei alleinstehenden Älteren ein sogenannter Herdwächter: Über dieses vom Elektroinstallateur zu bauende Kästchen können Benutzer oder Angehörige einstellen, nach wie vielen Minuten der Herd komplett vom Stromnetz getrennt wird, falls nicht der Schalter erneut betätigt wird.

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