Der klassische PC-Turm unterm Schreibtisch ist heute fast nur noch im Büro oder bei Spiele-Freaks zu sehen. Zu Hause bevorzugen die meisten mittlerweile platzsparende Notebooks. Wer jedoch hauptsächlich im Internet surft und nur ­gelegentlich einfache Büroarbeiten zu erledigen hat, kann sich überlegen, ob er auf den klassischen PC zu Hause nicht ganz verzichtet. Die schlanken Betriebssysteme der Smartphones sind viel einfacher zu bedienen und zu warten als Windows oder OS X. Und für die meisten der gewohnten Programme gibt es auf dem Smartphone vereinfachte App-Varianten.

Im Prinzip lässt sich jedes moderne Smartphone per Kabel mit dem TV-Gerät oder einem Monitor verbinden, um den Bildschirminhalt dorthin zu spiegeln. Uneinheitliche Standards ­erschweren das allerdings. Immerhin: Je moderner Smartphone und Bildschirm sind, umso besser stehen die Chancen, dass sie miteinander harmonieren. Beim Anschluss von Maus und Tastatur ist es dagegen meist ­andersrum: Je moderner das Smart­phone, umso weniger Anschlussmöglichkeiten gibt es, da die Hersteller die Handys immer kompakter und dünner machen. Übrig bleibt meist nur die Mikro-USB-Buchse. Wenn das Smartphone darüber mit einem Bildschirm verbunden wird, bleibt für Maus und Tastatur oft nur noch die Funkverbindung mit dem Handy.

Android hat die Nase vorn

Um einiges zuverlässiger funktioniert es bei Smartphones, die so konzipiert wurden, dass man mit ihnen auch (fast) wie an einem herkömmlichen Computer arbeiten kann. Dazu zählen die neuen Microsoft-, HP-, Acer- und einige Samsung-Modelle. Über eine zwischengeschaltete Dock­ingstation lassen sich alle notwendigen Geräte mit einem einzigen Kabel an die Mi­kro-USB-Buchse anschliessen.

Kein richtiges PC-Gefühl kommt hingegen beim iPhone auf. Neben ­einem TV/Monitor lässt sich allenfalls noch eine Tastatur per Funk mit dem Apple-Gerät verbinden. Eine Maus lässt sich nicht anschliessen. Hier muss umständlich weiterhin mit dem Touchscreen gearbeitet werden.

Tipp: Wer nicht unbedingt das ganz grosse Bild eines TVs/Monitors benötigt und ein Tablet besitzt, kann auch dieses als PC-Ersatz verwenden. Acht Zoll Bildschirmdiagonale sollte es ­allerdings haben, zehn Zoll sind ideal, so lässt sich ordentlich damit arbeiten. Über den Mikro-USB-Anschluss oder Bluetooth lassen sich Maus und Tastatur mit dem Tablet verbinden. Alternativ gibt es Tablethüllen mit eingebauter Tastatur, manche auch mit inte­griertem Trackpad, wie man es von Notebooks kennt. Das erspart eine separate Maus – und viel Kabelsalat.

Smartphone statt PC: Das sind die Möglichkeiten

Hersteller: Microsoft, HP, Acer
Modelle: Microsoft Lumia 950/950 XL, HP Elite X3, Acer Liquid Jade Primo
Betriebssystem: Windows 10 Mobile

In Sachen App-Auswahl und Verbreitung hinkt Microsofts Windows Mobile den anderen ­Betriebssystemen weiterhin deutlich hinterher. Aber mit der neuen Continuum-Funktion könnten die Windows-Smartphones punkten, denn damit sollen sie sich direkt als PC-Ersatz eignen. Nötig dafür ist die kleine Continuum-Docking­station (bei Acer im Lieferumfang, bei Microsoft kostet sie rund 100 Franken). Sie wird mit dem Mikro-USB-Anschluss des Smartphones ver­bunden und bietet Anschlussmöglichkeiten für TV/Monitor, drei USB-Schnittstellen für Tastatur und Maus, einen Klinkenstecker für den Sound und die Möglichkeit, den Akku des Smartphones gleichzeitig über ein separates Netzteil zu laden.

Wer an einen der USB-Ports einen USB-Hub anschliesst, schafft sich weitere Anschlüsse, etwa für eine externe Festplatte oder einen Karten­leser. Nach dem Anschliessen des Docks ­erscheint auf dem TV/Monitor eine Windows-Oberfläche, die sich mit Maus und Tastatur bedienen lässt. Allerdings mit eingeschränkter Funktion. So lässt sich auf dem Desktop nichts ablegen, und es kann immer nur ein Fenster ­geöffnet sein.

Noch funktionieren nicht alle Apps mit Continuum: Word, Excel, PowerPoint, OneNote, Outlook für Mails und Kalender, ­Facebook und Twitter sowie Edge als Internetbrowser laufen aber bereits gut und nutzen den gesamten Bildschirm. Weitere Apps werden ­sicher folgen. Dateien lassen sich im Handy, in der Cloud oder auf einer eventuell an der ­Dockingstation angeschlossenen externen Festplatte abspeichern oder von dort laden. Ältere Windows-Mobile-Smartphones lassen sich mit dem Continuum-Dock leider nicht nachrüsten.

Hersteller: Samsung
Modelle: Galaxy S3 und S4, Galaxy Note 2, 3, 4, Edge
Betriebssystem: Android

Vor Microsoft hat Samsung ­eine Reihe von Smartphones mit einer erweiterten Mikro-USB-Buchse ausgestattet – mit elf Kontakten statt der üblichen fünf. Die passende Docking­station EDD-S20E von Samsung kostet rund 80 Franken, es gibt auch günstigere Modelle von Dritt­anbietern. Über deren ­integrierten HDMI-Ausgang lässt sich ein TV/Monitor anschliessen, über die USB-Buchsen Tastatur und Maus. Ein externes Netzteil lädt gleich­zeitig den Akku des Smartphones.

Nicht alle Smartphones schalten nach dem Einsetzen in die ­Dockingstation automatisch in den horizontalen Modus. Mit der im App-Store von Android erhältlichen App Ultimate Rotation Control lässt sich die Bildausrichtung jedoch manuell umstellen. Wenn Smartphone und Bildschirm harmonieren, erscheint ein gutes, hochauflösendes Bild. Schaltflächen und Sym­bole erscheinen jedoch teilweise übergross. Für die neueren Galaxy-Modelle S5 und S6 bietet Samsung kein Dock mehr an. Nutzer müssen die Verbindung zum TV/Monitor mit Miracast oder einem Samsung-eigenen Funkstandard kabellos herstellen und Tastatur und Maus über Bluetooth oder Mikro-USB-Schnittstelle anbinden.

Hersteller: Apple
Modelle: iPhone, iPad
Betriebssystem: iOS

Mit einem AV-Adapter von Apple oder von einem Dritt­anbieter lässt sich der Bildschirminhalt des iPhones/iPads auf einen Monitor oder TV spiegeln. Eine ­Tastatur lässt sich nur über Bluetooth mit Apple-Geräten verbinden. Für das iPad gibt es Blue­tooth-Tasta­turen, die gleichzeitig als Schutzhülle und als Ständer dienen. Eine Maus­bedienung ist bei iPhones und iPads nicht vor­gesehen.

Hersteller: Sony, Huawei und andere
Modelle: diverse
Betriebssystem: Android

Die meisten anderen Smartphones lassen dem Nutzer keine grosse Wahl: Der grosse TV/Monitor muss über die Mikro-USB-Buchse angeschlossen werden. Ob das Bild dann tatsächlich eins zu eins und scharf auf dem Ausgabegerät erscheint, bleibt oft Glückssache. Manchmal gibt es nur eine niedrige Auflösung oder Balken oben und unten. Oder das Bild wird nur vertikal dargestellt. Es kann auch sein, dass es gar kein Bild gibt.

Von Miracast als kabellose Alternative wird ­wegen der starken Verzögerung abgeraten. Tastatur und Maus lassen sich daher nur über Bluetooth mit dem Smartphone verbinden. Das klappt in den meisten Fällen gut. Allerdings sind die Funkvarianten deutlich teurer und benötigen Batterien. Da der Mikro-USB-Anschluss mit dem TV/Monitor belegt ist, lässt sich das Smartphone nicht gleichzeitig aufladen.