Den richtigen Partner finden

Allein, mit einem Freund oder dem Partner? Die Wahl des Reisebegleiters ist essentiell. Wer nicht allein unterwegs sein möchte, aber keine Reisewilligen im Freundeskreis findet, kann über verschiedene Foren und Communitys Gleichgesinnte suchen. Früher lernte man solche vielleicht auch erst während der Reise kennen und konnte dann weitere Ausflüge gemeinsam planen. Auch das findet heute schon vom heimischen Computer aus statt. Allerdings: Internet hin oder her – ein reales Treffen vor Reiseantritt empfiehlt sich dennoch, damit man sich erst einmal beschnuppern kann.

Freunde für einen Flug

Für Social Seating können Passagiere beim Buchen ihre Daten aus Facebook oder Linkedin hinter­legen. Das System sucht dann einen Sitznachbarn aus, mit dem es möglichst viele potentielle Gesprächsthemen gibt. Der Service ist bei Malaysia Airlines («MHbuddy») und Air Baltic («SeatBuddy») verfügbar. KLM macht es mit «Meet & Seat» möglich, das Profil anderer anzusehen und sich so einen Sitznachbarn auszusuchen. Und: Wer es verpasst hat, seine Kontaktdaten über den Wolken auszutauschen, kann dies auf «We met on a plane» nachholen.

Die besten Insider-Tipps

Bewertungsplattformen und Reise-Communitys ersetzen allmählich die Tipps in klassischen Reiseführern. Tripadvisor – das Urgestein der Ferien-Bewertungsplattformen – dürfte vielen Reisenden zwar vor allem für Hotelvergleiche dienen, bietet aber auch eine riesige Menge an Tipps für Restaurants. Hier setzen auch Sites wie Yelp an, die zusätzlich Vorschläge zu Sightseeing, Freizeit, Shopping und Nachtleben bieten. Websites wie Spotted by locals zielen hingegen sehr viel stärker auf Insiderwissen von Einheimischen und weniger auf rein touristische Attraktionen. Diese Plattformen haben eins gemeinsam: das Motto «Die Menge weiss mehr als das Individuum».

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Günstig und originell übernachten

Warum nicht bei jemandem zu Hause übernachten: Der Erfolg von Couchsurfing läutete das Social Travelling ein. Plattformen wie Airbnb, Wimdu oder Housetrip sind globale Marktplätze für Privatwohnungen, Zimmer sowie Massenunterkünfte, die tage-, wochen- oder monateweise gemietet werden können. Rund zehn Prozent des Preises gehen an die Plattform, die sichere Zahlungsmodalitäten bietet. Immer häufiger gibts auch Aus­gefallenes wie Boote, Tipis, Iglus oder Leuchttürme zu mieten. Der Reiz daran: jenseits von unpersönlichen Bettenburgen nächtigen – und zu einem meist günstigeren Preis.

Der persönliche Fremdenführer

Wer nicht bloss Sehenswürdigkeiten abklappern, sondern auch die versteckten Winkel einer Stadt entdecken möchte, schnappt sich am besten einen Einheimischen als Fremdenführer. Plattformen wie Guided by a local, Rent a local friend oder Tours by locals bringen (Hobby-)Guides und Reisende für private Stadtrundgänge zusammen. Online-Anbieter wie Viator, Isango oder die Schweizer Firma Get your Guide bieten zudem in den meisten grossen Städten Tickets für verschiedene Aktivitäten.

Bekanntschaften in der Ferne

Virtualtourist, Nomadsconnected oder Where are you now sind bestens geeignet, um Reisende virtuell zusammenzubringen. Dazu muss man lediglich seinen aktuellen Standort eingeben, schauen, wer sich in der Nähe aufhält, und sich dann in der realen Welt verabreden. Wer lieber gleich ganz viele neue Menschen kennenlernt, für den bietet sich Meetup an. Damit lassen sich verschiedenste Gruppen finden, geordnet nach Sportarten, Kunst, Musik oder anderen Interessen – von Volleyball in Bangkok bis Salsa in New York.

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Die Reiseerlebnisse teilen

Fotoalben von Reisen sind zwar nett, digitale Reisetagebücher oder Reiseblogs bieten allerdings eine Fülle an zusätzlichen Möglichkeiten, die Reise zu dokumentieren und mit Freunden zu teilen. Eigens für Reisende kreierte Blogs wie Travelpod oder Travelblog ermöglichen es Weltenbummlern, Ferien mit Text, Bild und Filmen festzuhalten. Etwas simpler gestalten sich Apps wie Tripjournal oder Trip Color, mit denen sich via Handy gleich sämtliche Informationen auf die eigene Usersite einspeisen und mit der Online-Community teilen lassen. Dank Geotagging – also dem geografischen Zuordnen von Bildern und Einträgen – kann man sich zusätzlich von Reisen anderer inspirieren lassen.

Interview

«Schweizer sind nicht sehr experimentierfreudig»

Wer spezielle Reiseangebote im Internet nutzt, muss sich auch mal mit einer Enttäuschung abfinden, sagt Stefan Jäggi, Redaktor bei der Branchenzeitung «Travel Inside».

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Reisefachmann Stefan Jäggi

Quelle: Thinkstock Kollektion
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Beobachter: Für wen eignen sich interaktive Reiseplattformen?
Stefan Jäggi: Wer aufs Budget achten muss, dem eröffnen sich durch neue Kanäle wie etwa Social Travelling sehr viele Möglichkeiten. Allerdings sollten die Nutzer flexibel und unkompliziert sein, denn manchmal muss man sich eben auch mit einer Enttäuschung abfinden. Davon sollte man sich die Ferien aber nicht vermiesen lassen.

Beobachter: Im Netz gibt es also überhaupt keine Qualitätssicherung?
Jäggi: Doch, aber sie funktioniert etwas anders. Bei solchen Angeboten ist es vor allem die Community, die mit ihren Bewertungen die schwarzen Schafe aussortiert. Bei der Buchung von Leistungen wie Unterkunft oder Touristenführer sollte man deshalb immer auf die Gesamtzahl Bewertungen achten und die Kommentare genau lesen.

Beobachter: Sind denn die Zahlungen bei solchen Plattformen sicher?
Jäggi: Die meisten namhaften Websites wie Airbnb oder Get your Guide haben mittlerweile gute Bezahlsysteme, die Kunden und auch Anbieter vernünftig absichern.

Beobachter: Worauf muss man bei der Internetbuchung von Touristenführern achten?
Jäggi: Die meisten spezialisierten Plattformen vermitteln Privatleute, die sich als Touristenführer versuchen. Das kann gutgehen und interessant sein, ist aber etwas riskant. Daher arbeitet etwa die Schweizer Firma Get your Guide nur noch mit professionellen Anbietern zusammen. Das ist zwar etwas teurer, im Endeffekt lohnt es sich wohl aber meistens.

Beobachter: Viel grösser ist das Angebot bei Touren und Aktivitäten.
Jäggi: Da wurde tatsächlich eine Marktlücke entdeckt. Diesen Sites sind teils Tausende von Leistungsträgern weltweit angeschlossen. Ein empfehlenswerter Service, den allerdings auch klassische Reiseveranstalter immer häufiger anbieten.

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Beobachter: Wie experimentierfreudig sind Schweizer Reisende überhaupt?
Jäggi: Noch nicht sehr. Anders als Holländer und Engländer, die das Web 2.0 beim Reisen stark nutzen und auch für Spielereien wie Social Seating offen sind, setzen Schweizer lieber auf Sicherheit. Eine Ausnahme: Beim Bewerten und Kommentieren von Leistungen sind Schweizer ganz vorne.