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SportgepäckDie Swiss schröpft Sportler

Die Fluggesellschaft Swiss verlangt neu mehr als das Doppelte für den Transport eines Surfboards. Kommuniziert hat die Airline den Preisaufschlag nie.

Surfen in den USA wird teurer – zumindest wenn man sein Board mit der Swiss transportieren will.
von aktualisiert am 19. Juli 2018

Die Swiss hat ein Herz für Sportler. Wenn sie Lichtsteiner oder Shaqiri heissen. Als «offizielle Fluggesellschaft der Nationalmannschaft» brachte die Swiss die Fussballprofis im Juni an die WM in Russland. Und früh wieder zurück.

Wenn die Passagiere Hobbysportler sind, zeigt sich die Airline jedoch weit weniger grosszügig. Sie bezahlen seit April für ihr Sportgerät auf gewissen Flügen mehr als das Doppelte des bisherigen Preises. So kostet der Transport eines Surfboards oder Velos von Zürich nach Los Angeles neu 287 Franken pro Strecke. Früher waren es 120 Franken.

Auf Europaflügen hat sich der Preis für Velos, Golfausrüstungen und Surfboards um 32 Franken auf 92 Franken verteuert. Da fragt man sich: Hat die Swiss bis jetzt schlecht kalkuliert und für Spezialgepäck viel zu wenig verlangt?
 

«Die neue Preispolitik der Swiss passt zu einem Phänomen, das man in der Luftfahrt seit längerem beobachtet.»

André Bähler, Stiftung für Konsumentenschutz


Kommuniziert hat die Airline den happigen Preisaufschlag nie. Bei der Pressestelle heisst es: «Die Anpassung ist im Zuge einer Harmonisierung der Preise für Übergepäck und Spezialgepäck innerhalb der Lufthansa Group (Swiss, Lufthansa, Austrian Airlines) erfolgt. Dabei sind die Preise für manche Leistungen gestiegen, die Preise für andere gesunken.» Nach tieferen Preisen muss man allerdings lange suchen. Aber es stimmt: Der Transport eines Velos nach Marrakesch ist 5 Franken günstiger geworden, er kostet neu 115 Franken.

Überall Aufpreise

«Die neue Preispolitik der Swiss passt zu einem Phänomen, das man in der Luftfahrt seit längerem beobachtet», sagt André Bähler von der Stiftung für Konsumentenschutz. «Damit Airlines mit tiefen Preisen Werbung machen können, versuchen sie einen möglichst günstigen Basispreis für bestimmte Verbindungen anzubieten.» Im Gegenzug schlagen sie aus jeder noch so kleinen Zusatzleistung Profit: Aufpreise für Kreditkartenzahlung, für die Sitzplatzwahl, fürs Spezialgepäck. «Damit wird für Konsumenten das Buchen immer schwieriger. Einerseits können sie sich nicht mehr auf den Basispreis verlassen, weil zum Teil noch Zuschläge dazukommen, andererseits müssen sie bei jeder Airline studieren, welche Leistungen nun inbegriffen sind und welche Zusatzleistungen wie viel kosten.»

Air France, Delta oder United fliegen – mit Zwischenstopps – ebenfalls von Zürich nach Los Angeles. Bei ihnen kosten Surfboards im Gepäck zwischen 100 und 200 Franken.

Wer Surfferien in Malibu plant, wird sich künftig zweimal überlegen, ob er insgesamt 574 Franken für den Transport seines Boards im Bauch einer Swiss-Maschine bezahlen will. Ein Mietboard für zwei Wochen gibts für rund 230 Franken.

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