Zahnstocher liegen im Trend – warum das problematisch ist
Immer mehr Jugendliche kauen auf Zahnstochern herum. Doch neue Varianten mit Nikotin alarmieren Suchtexperten. Eine deutsche Schule hat die Stäbchen bereits aus dem Klassenzimmer verbannt.

Veröffentlicht am 23. Januar 2026 - 13:58 Uhr

Zahnstocher im Mundwinkel: Auf sozialen Medien ist der Cowboy-Move das neuste Ding.
Kaugummis, Vapes und Snus sind von gestern. Heute kaut die Jugend am Zahnstocher. Auf Tiktok ist der Cowboy-Move das neuste Ding. Influencer und Promis zeigen sich mit Hölzern statt Zigarette oder Vapes im Mundwinkel. So etwa die Rapperin Doja Cat, die ihren Zahnstocher sogar zu den Grammy Awards trug.
Der Sänger Usher zeigt auf sozialen Medien seine diamantenbesetzte Variante. Und wie bei Vapes sind besonders aromatisierte Varianten beliebt – Zahnstocher mit Aromen wie Minze, Zitrone, Blaubeere oder sogar mit Koffein versetzt. Der deutsche Rapper Massiv hat eine eigene Linie mit Namen wie «Nightkiller» oder «Blaulicht» herausgebracht. Grosse Worte für ein kleines Stück Holz.
Zur Raucherentwöhnung?
Ganz unproblematisch ist der Trend nicht. Denn mittlerweile werden auch Zahnstocher mit Nikotin verkauft. Die Produkte enthalten zwischen zwei und sechs Milligramm davon. Beim Rauchen einer Zigarette nimmt der Körper etwa zwei Milligramm Nikotin auf.
Anbieter preisen die Stäbchen als Mittel zur Raucherentwöhnung an. Und auch Prominente sprechen auf sozialen Medien darüber, sie für diesen Zweck zu nutzen. Nur können solche Produkte Jugendlichen auch als Einstieg in die Raucherkarriere dienen.
Zusatz von Nikotin verboten
In der Schweiz werden aktuell nur aromatisierte Zahnstocher verkauft – ohne Nikotin. Der grösste Anbieter ist das Zürcher Unternehmen Zunder mit Produktion im Thurgau. Geschäftsführer Daniel Wuffli spricht gegenüber «20 Minuten» von einem starken Wachstum in den letzten Jahren. Er bewirbt seine Produkte stark über Social Media. Besonders beliebt seien Zahnstocher in den Rekrutenschulen: «Viele berichten, dass sie bei Märschen oder Pausen lieber zum Zahnstocher greifen, als zu rauchen.»
Auch der Onlinehändler Galaxus verkauft verschiedene Sorten aromatisierter Zahnstocher. Zwischen 2023 und 2024 seien die Verkäufe um 600 Prozent gestiegen.
«Bei Gegenständen, die mit den Schleimhäuten des Mundes in Berührung geraten – wie Zahnstocher oder Zahnseide –, ist der Zusatz von Nikotin verboten.»
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)
In der Schweiz ist der Verkauf nikotinhaltiger Zahnstocher zwar nicht erlaubt. «Bei Gegenständen, die bei bestimmungsgemässem oder üblicherweise zu erwartendem Gebrauch mit den Schleimhäuten des Mundes in Berührung geraten – wie Zahnstocher oder Zahnseide –, ist der Zusatz von Nikotin verboten», teilt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gegenüber dem Beobachter mit. Dennoch können nikotinhaltige Produkte leicht im Internet bestellt werden.
Meist Jugendliche angesprochen
«Für Menschen, die vom Rauchen wegkommen wollen, wäre der Umstieg auf nikotinhaltige Zahnstocher ein guter Schritt», sagt Markus Meury von Sucht Schweiz zum Beobachter. «Am besten aber als Schritt auf dem Weg zum völligen Ausstieg aus dem Nikotinkonsum.»
«Es müsste sichergestellt werden, dass solche Nikotinzahnstocher nicht in die Hände von Jugendlichen geraten.»
Markus Meury, Sucht Schweiz
Aber der Trend geht in eine andere Richtung. Bei solchen «neueren» Nikotinprodukten seien es meist jüngere Leute und zu einem beträchtlichen Teil Jugendliche, die sich dafür interessierten und auch angeworben würden. «Es müsste sichergestellt werden, dass solche Nikotinzahnstocher nicht in die Hände von Jugendlichen geraten», so Meury.
Schule spricht Zahnstocher-Verbot aus
Da Nikotin eine der am stärksten abhängig machenden Substanzen ist, ähnlich wie Heroin, ist die Suchtgefahr gross und bei regelmässigem Konsum wahrscheinlich. «Besonders Jugendliche sollten kein Nikotin konsumieren, da dieses einen negativen Effekt auf die Hirnentwicklung hat», so Meury.
Auch in Deutschland ist der Trend Thema. Und zwar in einem Ausmass, dass eine Schule sich gezwungen sah, Zahnstocher aus dem Unterricht zu verbannen. Ein Rektoratsmitglied der Münchner Carl-von-Linde-Realschule sagte der ARD, im Herbst hätten mehrere Schüler wie kleine Cowboys im Unterricht gesessen und auf Zahnstochern herumgekaut. Einige der Hölzchen seien mit Nikotin getränkt gewesen.




