Eine neue Datenbank soll erstmals Ärzte in der Schweiz aufzeigen, die kein Geld von der Pharmaindustrie annehmen. Bild: Getty Images

TransparenzWelche Ärzte und Spitäler lehnen Pharmagelder ab?

Ärzte können offenlegen, wie viel Geld sie von Pharmafirmen bekommen. Wer nichts erhält, ist aber nicht klar. «Correctiv», «Spiegel online» und der Beobachter ermöglichen es Ärzten jetzt, sich in eine «Null-Franken-Ärzte»-Datenbank einzutragen.

von Markus Grill/Correctiv, Sylke Gruhnwald, Otto Hostettler und Stefan Wehrmeyer/Correctivaktualisiert am June 06, 2017

Pharmakonzerne in der Schweiz haben im Jahr 2015 138 Millionen Franken an Ärzte, Spitäler und Organisationen des Gesundheitswesens gezahlt. Das Geld floss für Vortragshonorare, Spesen oder Beratungsleistungen. Vor einem Jahr veröffentlichten Pharmafirmen erstmals Namen all jener, die Geld oder geldwerte Vorteile erhalten hatten. Das Problem: Ärzte in Europa müssen zustimmen, dass ihr Name in diesem Zusammenhang veröffentlicht wird. Sonst bleiben Zuwendungen an sie geheim.

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Transparenz schaffen

Nicht erkennbar ist auch, wenn Ärzte gar keine Verbindungen zur Pharma unterhalten. Falls ein Arzt also nicht auf der Liste auftaucht, heisst das: Entweder hat er kein Geld erhalten, oder er will nicht, dass seine Pharmahonorare bekanntwerden. 

Der Beobachter will nun zusammen mit dem deutschen Recherchezentrum Correctiv und «Spiegel online» Transparenz in die Sache bringen. Beim Projekt «Null-Franken-Ärzte» können Mediziner und medizinische Fachleute in einer Datenbank selbst erklären, dass sie im zurückliegenden Jahr keine Gelder von der Pharmaindustrie angenommen haben. Sie erscheinen in der Datenbank mit dem Betrag «0 Franken» – für alle einsehbar. 

So registrieren Sie sich als «Null-Franken-Arzt»

Im Jahr 2016 haben die grossen Pharmaunternehmen in Europa erstmals die Namen von Ärzten und Spitälern veröffentlicht, die Geld von Pharmafirmen erhalten hatten.

Das Problem: Keiner weiss, ob jene Ärzte, deren Namen nicht veröffentlicht wurden, tatsächlich keine geldwerten Leistungen erhalten – oder ob sie nur gegen die Veröffentlichung ihrer Daten waren.

Wenn Sie im vergangenen Jahr keine geldwerten Leistungen von Pharmafirmen erhalten haben, können Sie das bei unserem Partner Correctiv angeben.

FAQ: Die wichtigsten Fragen für interessierte Ärztinnen und Ärzte

  • Ich bin Arzt, wie überprüfen Sie, ob mein Name und meine Adresse stimmen?
    Zunächst müssen wir überprüfen, ob Sie tatsächlich der sind, für den Sie sich ausgeben. Dazu müssen Sie Ihre Anschrift und eine E-Mail-Adresse angeben. An diese E-Mail-Adresse bekommen Sie ein PDF-Dokument zugeschickt, das Sie bitte ausdrucken und unterschreiben. Wenn Sie eine eigene Arztpraxis haben, versehen Sie es bitte mit Ihrem Praxisstempel. Dieses Dokument senden Sie an uns per Post oder E-Mail an den Beobachter zurück.
     
  • Wie überprüft der Beobachter, ob meine Angaben richtig sind?
    Wir nehmen Sie beim Wort. Sie versichern, dass Sie im Jahr 2015 oder 2016 keine finanziellen Zuwendungen bekommen haben von einem Pharmaunternehmen, der den Pharma-Kooperations-Kodex (PKK) unterzeichnet hat. Gemäss dem aktuell gültigen Pharma-Kooperations-Kodex können nur Honorare für Vorträge, Spesen und Fortbildungen veröffentlicht werden. Wenn Sie ankreuzen, in diesen Bereichen keine Zuwendungen erhalten zu haben, überprüfen wir, ob Ihr Name in den Veröffentlichungen der Pharmaunternehmen auftaucht. Wenn Sie zum Beispiel für das Jahr 2016 doch aufgeführt werden, können Sie nicht gleichzeitig in der Liste der «Null-Franken-Ärzte» auftauchen. Denkbar ist, dass Sie 2015 als Arzt geführt werden, der Gelder der Pharmaindustrie erhalten hat, 2016 aber in der Null-Franken-Liste registiert sind – weil Sie keine geldwerten Vorteile erhalten haben.
     
  • Ich habe nur an einer Fortbildungsmassnahme teilgenommen, bei der die Referenten von einer Pharmafirma bezahlt wurden. Zählt das als Zuwendung bei mir?
    Grundsätzlich zählen pharmagesponserte Fortbildungsveranstaltungen dazu. Ob das Unternehmen dies als Zuwendung für Sie persönlich wertet, erkennen Sie daran, ob das Unternehmen (sofern es den PKK unterzeichnet hat) Sie gefragt hat, ob es diese Zuwendung (geldwerten Vorteil) mit der Nennung Ihres Namens individualisiert veröffentlichen darf.
     
  • Ich bin kein Arzt, sondern Krankenschwester oder Apotheker. Kann ich mich auch eintragen in Ihre Liste?
    Ja, die Pharmafirmen schliessen in ihr Transparenzprojekt ausdrücklich Pflegekräfte, Apotheker und sogar Mitarbeiter von Krankenkassen ein.
     
  • Ab wann wird der Beobachter die Daten veröffentlichen?
    Wir arbeiten zusammen mit der Rechercheplattform Correctiv in Deutschland. Correctiv hat mit der Veröffentlichung der Namen der «Null-Euro-Ärzte» bereits begonnen und wird die Liste fortlaufend aktualisieren. Wir handhaben das ebenso.

    Hier können Sie beim Projekt «Null-Franken-Ärzte» mitmachen.