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ParkierenRätselhafte Busse aus der Vergangenheit

Ein 92-Jähriger bekommt eine falsch datierte Parkbusse. Das lässt er nicht auf sich sitzen.

Trotz guten Aussichten hat der 92-Jährige die Busse bezahlt: «Wenn ich reich wäre, würde ich einen Advokaten einstellen.»
von aktualisiert am 22. Dezember 2017

Paolo Monteverdi* nimmts genau. Stets ist er darauf bedacht, dass alles seine Richtigkeit hat. Am 14. Oktober besucht er die Modellbau-Börse in der Stadthalle Dietikon ZH. Er löst um 10.49 Uhr ein Parkticket, das bis 12.49 Uhr gültig ist, platziert es auf der Ablage hinter der Windschutzscheibe. Dort liegen noch: ein Rega-Ausweis, das Kärtchen mit der Pannennummer von der Versicherung, ein gelber Zettel mit den medizinischen Anweisungen bei Schlaganfall.

Als Monteverdi um 12 Uhr zum Auto zurückkehrt, klemmt unter dem Scheibenwischer eine Busse. Ausgestellt um 11 Uhr, am 14. Oktober 2014. Fast zwei Stunden zu früh oder drei Jahre zu spät – auf jeden Fall ungerechtfertigt. «Ob da eventuell Drogen im Spiel sind?», fragt sich der Rentner. 

Zwei Tage später blitzt er auf dem Polizeiposten ab. Auf dem Foto, das der Kontrolleur gemacht habe, sehe man das Ticket nicht. Man empfiehlt Monteverdi, die Busse in einem ordentlichen Verfahren anzufechten.

Ärgerliche Busse: Vor dem Ende der Parkzeit ausgestellt und erst noch falsch datiert.

Monteverdi macht sich sogleich an die Produktion von Beweismaterial. Er stellt seinen Peugeot in die pralle Sonne vor dem Haus, um die Lichtverhältnisse des verhängnisvollen Tags zu simulieren, und legt das Originalticket in die Mulde hinter der Frontscheibe. Die Schwiegertochter macht mit dem Handy ein paar Fotos, die Monteverdi dem Beobachter schickt. Zusammen mit einem mit Schreibmaschine verfassten Begleitbrief. Darin heisst es: «Da meine Beweise eindeutig sind, kommt mir langsam der Verdacht, dass hier eine gesetzwidrige Handlung vorliegt.»

Trotz guten Aussichten in einem Verfahren hat Paolo Monteverdi die Busse von 40 Franken zähneknirschend bezahlt. Dem Beobachter schreibt er: «Wenn ich reich wäre, würde ich einen Advokaten einstellen.» Ihm sei bewusst geworden, dass er, der beidseitig Hörgeräte trage, in einer Verhandlung wenig Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Wenn er sich ärgere, reduziere sich sein Sprechen auf ein Stakkato.

Beim Stadtrichteramt Dietikon bedauert man den Entscheid Monteverdis. Man habe Verständnis für dessen Ärger, könne nun aber nichts mehr machen, da der Rentner mit dem Bezahlen die Busse akzeptiert habe. Die für die Kontrolle zuständige Firma Alphaplan schickt dem Beobachter das Foto vom 14. Oktober. Auf der Frontalaufnahme ist Monteverdis Ticket tatsächlich nicht sichtbar. Auf das falsche Datum angesprochen, heisst es lapidar: «Ein Verschreiber.»
 

*Name geändert

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