Perfektes Wetter, herrliche Fernsicht: Das erste stabile Hochdruckgebiet dieses Sommers zieht viele Berggänger in die ­Höhe. Und führt leider auch zu vielen Unfällen. 17 Menschen starben allein im August in den Bergen, 13 davon im Wallis, dem Kanton mit den meisten Viertausendern. Letztens stürzten beispielsweise drei Berg­steiger im Monte-Rosa-Massiv 800 Meter tief in den Tod. Mit über 80 Prozent sind Abstürze gemäss der Bergnotfallstatistik des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) die häufigste Todesursache.

Plötzlich schlägt das Wetter um

Laut Ueli Mosimann, Verantwortlicher für Sicherheit im Bergsport beim SAC, hat das Wetter einen sehr grossen Einfluss aufs Unfallgeschehen. Je besser die Verhältnisse, desto mehr Tourenaktivitäten, was fast zwangsläufig zu mehr Unfällen mit Not­situationen führt. «Hitze ist die grösste Gefahr», so Mosimann, «die Touren sind anstrengender, und die Wärme verursacht aufgeweichten Firn und Steinschlag.» Auch Gewitter seien sehr gefährlich, nicht nur wegen des Blitzschlags, sondern wegen der sich schlagartig zum Schlechten verändernden Wetterverhältnisse (Graupelschauer, Vereisung).

Letztes Jahr forderte der ­heis­se Sommer 142 Bergtote – ein Rekordwert. «Ich gehe davon aus, dass dieses Jahr nicht ganz so schlimm wird wie 2015», sagt Mosimann. Die Tourenverhältnisse waren vor einem Jahr sehr speziell: Ein gefährlicher Winter mit häufig erhöhter Lawinen­gefahr, ein schöner Sommer mit hohen Tourenaktivitäten und schliesslich ein sehr schöner Herbst und Vorwinter ohne Schnee, so dass auch im De­zember noch Bergwanderungen möglich waren.

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Grund für die Unfälle ist oft schlechte Planung. «Die Leute sind viel zu spät unterwegs, und die Tour entspricht nicht ihrem Können», sagt Experte Mosimann. Für eine Hochtour muss in der Nacht mit Stirnlampe gestartet werden, damit man möglichst am Mittag wieder unten ist. Je wärmer, desto weicher und instabiler der Schnee, was wiede­rum die Absturzgefahr fördert, weil in weichem Schnee die Steigeisen schlechter greifen und der Schnee schneller abrutscht.

Am meisten Menschen ver­unfallen und sterben beim Wandern, gefolgt von Hochtourengängern und Skitourenfahrern. Die grösste Gefahrengruppe bilden Alleingänger und Männer über 50 Jahre.