1. Home
  2. Umwelt
  3. Flora & Fauna
  4. «Natürli»: Bei den Schweinen hört die Liebe auf

«Natürli»Bei den Schweinen hört die Liebe auf

Das «natürli»-Label steht für naturnah produzierten Käse. Dabei fällt Molke an, die an Schweine verfuttert wird. Deren Haltung ist alles andere als tierfreundlich.

Ohne Einstreu oder Chance zur Beschäftigung: Schweinehaltung eines «natürli»-Käsers
Von

«Naturnah mit viel Liebe zum Detail», aus qualitativ hochstehenden Rohstoffen pro­duziert: So werben die Hersteller der Zürcher Oberländer Marke «natürli» für ihre Käsereiprodukte aus Rohmilch. Die Käser setzen nur auf Milch von Kühen, die kein Silofutter fressen, und verlangen von den Bauern eine vernünftige Tier­haltung. Das hat Erfolg. Die Spezialitäten der 17 gewerblichen Käsereien sind ein Begriff über die Region hinaus.

Was jedoch die wenigsten wissen: Die Molke, die bei der Käseherstellung übrigbleibt, wird Schweinen verfüttert. Daher betreiben viele Käser auch eine Schweine­mast. Und bei einigen «natürli»-Käsern siehts in den Ställen alles ­andere als natur­nah aus: teils arg verschmutz­te Schweine, die in engen Verhältnissen auf hartem Boden ohne Einstreu leben. Auslauf und Beschäftigungsmöglichkei­t fehlen oft.  

Gesetzeskonform ja, tierfreundlich nein

Rund 40 Prozent der Schweizer Schwei­ne werden laut dem Schweizer Tierschutz (STS) so gehalten. Diese konventionelle Schweinemast erfüllt zwar die Gesetzes­auflagen, doch tierfreundlich ist sie nicht: «Eine tierfreundliche Haltung ist nur gewährleistet, wenn die Tiere Auslauf ins Freie, reiche Beschäftigung und Einstreu zum Liegen haben», sagt Hansuli Huber vom STS. Unter den «natürli»-Käsern gibt es solche, die tiergerechte Schweineställe mit Label führen. Doch nicht immer korrekt. Die Labelvereinigung IP-Suisse hat einen der Stallbesitzer jüngst gebüsst: Die erforderliche Einstreu hat gefehlt.

Die Besitzerin des «natürli»-Labels, die Vereinigung Pro Zürcher Berggebiete, wehrt sich gegen eine Verknüpfung von Label und Schweinemast: «Das Label steht für die Käsereiprodukte, für diese garantieren wir. Die Schweinemast hat nichts mit der Marke zu tun. Wir verkaufen kein ‹natürli›-Fleisch», sagt Geschäftsleiter Alfred Gerber.

Veröffentlicht am 13. Oktober 2009

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

6 Kommentare

Sortieren nach:
Vladimir
weniger Fleischkonsum wäre eine realistische Lösung, d.h beim Einkauf kurz darüber nachdenken was kaufe ich da?! Massentierhaltung gibt es ja aus diesem Grund: weil jeder wenn er will halt Fleisch kauft... So wie jetzt produziert wird werden Tiere eben nicht wie Lebewesen behandelt sondern wie Ware... Ich bin der Meinung das alles auf uns zurückkommt.. Zum Glück denn nur so kann sich wieder ein Gleichgewicht zwischen Tier und Mensch einstellen... So genug Moralpredigt für Heute! En guete miteinander :-) / :-( ?

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

Sabrina
Hallo an alle! Nun, hier steht wohl wieder einmal die Macht der Medien im Verwirrspiel zuoberst. Eine Marke anzuprangern und deren Image zu schädigen ist eine schweinische Sache. Wie die Tatsachen dahinter wirklich stehen, glaube ich erst, wenn ich es selber sehe. Überhaupt, liebe Leserinnen und Leser, glaubt nicht immer gleich, was die Medien schreiben. Ich weiss um das Elend auf dieser Welt nur zu gut. Leider, leider ist der Mensch ein Schwein, vielleicht bekommt er ja auch darum die Schweinegrippe. Der Mensch hat sich leider schon zu lange vom Leben mit der Natur verabschiedet und beutet nur noch aus. Dieser lineare Prozess schlägt irgendwann gnadenlos rückwärts, der Spiess wird umgedreht. Es gibt nur ein Ziel für die Menschen: zirkular denken, leben und handeln.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

Tobias
Liebe Sybille Weiss: Ist es ihrer Meinung nach denn keine Tierquälerei wenn Millionen von jungen Küken nach dem Schlüpfen vergast werden? Oder wenn Kühe Jahr für Jahr künstlich befruchtet werden, damit sie auch ja genug Milch produzieren. Ihre Kälber werden ihnen dann weg genommen und landen im Schlachthof. Ovo/Lacto Vegetarismus löst das Problem nicht. Auch sie sind verantwortlich für Tierquälerei. Nur konsequente VeganerInnen vermindern das Tierleid tatsächlich. Sie lösen sich von sämtlichen Tierprodukteindustrien und von der Geldmacherei mit Tierleid in welcher Form auch immer. Und einen Vitaminmangel haben auch sie nicht.... das ist ein unbegründetes Vorurteil! Das Problem sind nicht die zu kleinen Käfige, sondern die Käfige an sich!

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

Eva-Lynn
Dieser Bericht zeigt einmal mehr auf, dass es uns Menschen nicht ums Wohl der Tiere geht, sondern nur um die Vermarktung von Produkten. Mit dem Slogan"aus tierfreundlicher Produktion" lässt sich gutes Geld verdienen. Der Konsument kauft die Ware dann mit einem vermeintlich guten Gewissen umso lieber. Tatsache aber ist, dass auch in der Gewinnung und Herstellung von Milch, Milchprodukten, Käse und Eier Tiere leiden. Auch in "tierfreundlichen" Betrieben, werden sie zu Produktionsmaschinen degradiert und können niemals so gehalten werden wie es ihrer wahren Natur entsprechen würde. Weit unter ihrer natürlichen Lebenserwartung sind sie "verbraucht" und werden dann geschlachtet. Tiere sind lebende, fühlende Wesen wie wir. Durch eine vegane Lebensweise verhindern wir direkt Tierleid!

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.