Bitcoins hätten die Art und Weise, wie wir kaufen und verkaufen, völlig revolutionieren und Hunderten Millionen Menschen in naher Zukunft Zugang zu einem fairen, entwertungsgeschützten und zensurresistenten monetären Netzwerk bieten sollen. Das zumindest war die Idee des geheimnisumwobenen Bitcoin-Gründers Satoshi Nakamoto.

14 Jahre später macht die bekannteste und beliebteste Kryptowährung aber eher als Spekulationsobjekt von sich reden, als eine Art digitales Gold. Doch dieser Goldrausch hat einen Haken: Er verbraucht massiv Strom und hinterlässt einen nicht unerheblichen CO2-Fussabdruck.

Im Jahr 2022 verbrauchten Bitcoin-Transaktionen fast 115 Milliarden Kilowattstunden Strom. (Die Schweiz etwa verbrauchte 2021 58 Milliarden Kilowattstunden Strom.) Und bei jeder einzelnen Bitcoin-Transaktion entstanden Emissionen von fast 887 Kilogramm CO2. Pro Jahr sind das mehr als 86 Millionen Tonnen CO2. Dies errechnete ein neuer Report der Währungsplattform Forex Suggest.

Natürlich verbrauchen auch die anderen Kryptowährungen viel Strom. Mit 1184 Kilowattstunden pro Transaktion ist Bitcoin aber klar die «umweltsündigste» unter ihnen:

Schuld daran ist das dezentrale System, mit dem Bitcoin arbeitet. Es nennt sich «Proof of Work». Denn während in traditionellen Währungssystemen Banknoten gedruckt werden, werden Kryptowährungen von Computern errechnet. Diesen Prozess nennt man auch Schürfen. Und hinter jeder Transaktion mit Bitcoin konkurrieren mehrere Bitcoin-Schürfer aus der ganzen Welt darum, wer von ihnen am schnellsten das komplexe mathematische Problem hinter der Transaktion lösen kann. Es ist diese hochkomplexe mathematische Herausforderung, die Missbrauch und Betrug ausschliesst. Doch in ihrem Wetteifer verbrauchen die Bitcoin-Schürfer extrem viel Strom: 1184 Kilowattstunden pro Transaktion.

Das ist viel Strom. So viel, dass Tesla-Gründer Elon Musk im Mai 2021 entschied, dass Tesla Bitcoins nicht länger als Zahlungsmittel akzeptiert. 

Und so viel, dass der grösste Bitcoin-Konkurrent Ethereum vor gut einem Jahr damit begonnen hat, auf ein stromsparendes System umzustellen. Auf «Proof of Stake»: Statt dass mehrere Schürfer ein mathematisches Problem lösen müssen, bevor sie eine Transaktion anerkennen können, wählt bei «Proof of Stake» ein Algorithmus eine einzige Person aus, die die Transaktion validiert. Falls diese Person mit den Transaktionen missbräuchlich umgeht, verliert sie einen Teil ihres Kryptovermögens. Dies garantiert nicht nur die höhere Sicherheit im Vergleich zu «Proof of Work», dem Wettbewerb unter Schürfern, sondern braucht auch viel weniger Strom. Mittlerweile arbeiten auch viele andere Kryptowährungen mit dem nachhaltigen «Proof of Stake».

Energieeffizient ist nur der «Proof of Stake»

Etwa 61 Prozent des Stroms, der für das Schürfen von Kryptowährungen wie Bitcoin genutzt wird, stammen laut Schätzungen der Universität Cambridge aus nicht erneuerbaren Energiequellen wie Kohle und Erdgas. 

Und Blockchain-Experte Vlad Coroamă von der ETH Zürich schreibt in einer Studie, die er im Auftrag des Bundesamts für Energie erstellt hat, dass das Schürfen von Kryptowährungen, die mit dem «Proof of Work»-System arbeiten, heute schätzungsweise 0,5 Prozent des weltweiten jährlichen Stromverbrauchs verursacht. Das sei «wirklich besorgniserregend», so der Experte. Damit Kryptowährungen wie Bitcoin energieeffizient würden, müssten sie, wie Ethereum, auf «Proof of Stake» umschwenken, kommt die Studie zum Schluss. 

Weniger Klimaschäden als Benzin und Strom, mehr als die Rindfleischproduktion

Was aber auch festzuhalten ist: Vergleicht man die Klimaschäden, die Bitcoin im Verhältnis zum Marktwert verursacht, dann sind sie immer noch kleiner als die Klimaschäden von Strom, der durch Erdgas erzeugt wird, oder von Benzin, das aus Rohöl hergestellt wird. Die beliefen sich nämlich auf 46 Prozent und 41 Prozent des Marktwerts. Diejenigen von Bitcoin nur auf 35 Prozent des Marktwerts. Das errechnete kürzlich ein Forschungsteam der Universität New Mexico.

Und doch sind die Bitcoin-Klimaschäden grösser als diejenigen aus der Rindfleischproduktion (33 Prozent) und grösser als diejenigen aus dem Goldabbau (4 Prozent).

Die guten Neuigkeiten? Nicht nur gibt es immer mehr Kryptowährungen, die das energieschonende «Proof of Stake» anwenden, es gibt auch immer mehr Kryptowährungen, die auf erneuerbare Energien setzen. Doch ob das ausreicht? Bis jetzt jedenfalls bleibt das faire, nachhaltige, zensurresistente und entwertungsgeschützte monetäre System, von dem Satoshi Nakamoto geträumt hat, genau das: ein Traum.

Buchtipp
Neue Währungen in Sicht
Neue Währungen in Sicht
Woche für Woche direkt in Ihre Mailbox
«Woche für Woche direkt in Ihre Mailbox»
Anina Frischknecht, Redaktorin
Der Beobachter Newsletter