Die Marke Toms, bekannt für ihre Espadrilles, hat seit 2006 gleich viele Paar Schuhe, wie sie verkaufte, an Kinder in Not verteilt: 93 Millionen. So steht das auf ihrer Homepage. Das klingt gut.

Trotzdem verbannt RRRevolve, ein Schweizer Onlinehändler für nachhaltige Produkte, die Marke jetzt aus dem Sortiment. «Als wir vor acht Jahren mit Toms anfingen, gab es noch kaum nach­haltig und fair produzierte Schuhe. Doch heute passt Toms nicht mehr zu unseren mittlerweile strengeren Kriteri­en», so Geschäftsführer Sebastian Lanz.
 

«Wir haben in den letzten acht Jahren immer wieder nachgefragt und um entsprechende Zertifikate gebeten. Erhalten haben wir nichts.»

Sebastian Lanz, Geschäftsführer RRRevolve


Den Nachweis für eine nachhaltige, nicht ausbeuterische Produktion ist die Schuhfirma des ehemaligen Reality-TV-Sternchens Blake Mycoskie bislang schuldig geblieben. Genauso wie ein glaubhaftes Zertifikat für die angeblich verwendete Bio-Baumwolle.

«Wir haben in den letzten acht Jahren immer wieder nachgefragt und um entsprechende Zertifikate gebeten. Erhalten haben wir nichts», so Lanz. Verdächtig war ihm auch, dass die Produktion teils von China in noch billigere Produktionsländer wie Vietnam Transport um die halbe Welt Der Irrsinn mit den Cashewnüssen und Indonesien Ökolabel Der Palmöl-Maulkorb verschoben wurde ohne Mitteilung an die Händler.

Den Konsumenten ein gutes Gewissen machen

«Sogar grosse Konzerne wie Adidas und Nike haben Toms in Sachen Transparenz einiges voraus», sagt David Hach­feld von der Clean Clothes Campaign. Es sei nicht mal klar, wo die an Kinder verteilten Schuhe produziert werden.

«Bei Toms geht es vor allem darum, dem Konsumenten ein gutes Gewissen Umweltbewusst leben «Der Vergleich mit anderen ist sehr wirksam» zu machen», sagt Anton Pieper vom ­Institut Südwind in Bonn. «Wirklich nachhaltig ist es nicht.» Aktionen wie Gratisschuhe zerstörten lokale Märkte und machten viele arbeitslos.

Toms schmückt sich mit dem amerikanischen Label «Certified B». Mit dabei sind weltweit über 3000 Firmen, die sich freiwillig zu Nachhaltigkeitsprinzipien bekennen. Das Label beruht auf Selbstdeklaration Fragwürdige Labels Die Pelz-Heuchelei , vor Ort kontrolliert wird nicht.

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