Sechzig Pharmafirmen überwiesen letztes Jahr in der Schweiz 187,1 Millionen Franken an Ärztinnen und Ärzte, Apotheker, Spitäler und andere Institutionen des Gesundheitswesens. Das zeigt eine Auswertung des Recherchenetzwerk von Ringier Axel Springer Schweiz.

Dieser Betrag ist der höchste Wert Pharmagelder Neuer Rekord bei Zahlungen an Ärzte und Spitäler seit Einführung der Transparenzregelung, die sich die Branche vor fünf Jahren selber auferlegt hat. 2015 waren es noch 140,5 Millionen Franken. Seit 2015 summieren sich die Gelder der Pharmaunternehmen an Ärzte und Gesundheitseinrichtungen auf eindrückliche 826 Millionen Franken.

Über den gesamten Zeitraum steht Novartis klar an der Spitze (111,6 Millionen, siehe Grafik unten), gefolgt von Roche (79,3 Mio.), Pfizer (57,2 Mio.), Bayer (55,3 Mio.) und Bristol-Myers Squibb (50,2 Mio.).

Klicken Sie auf die Punkte mit den Jahreszahlen um zu sehen, wie sich die Zahlungen über die Jahre verändert haben.

100'000 Franken für Zürcher Krebsspezialist

Die Pharmaindustrie bezahlt den Ärzten Kongressgebühren, Übernachtungs- und Reisespesen oder überweist ihnen Referenten- und Beratungshonorare. Rund 4300 Ärztinnen, Ärzte und andere Fachpersonen des Gesundheitswesens standen so im letzten Jahr auf der Payroll der Pharmafirmen, sie erhielten gesamthaft 11,4 Millionen Franken.

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Den weitaus grössten Betrag erhielt letztes Jahr der Zürcher Professor und Krebsspezialist Rolf A. Stahel (100'700 Franken). An zweiter Stelle steht der Zürcher Psychiatrieprofessor und Klinikdirektor Erich Seifritz (63'000 Franken), gefolgt vom Dermatologen Achmed Jalili (59'000 Franken; «Medical Center» Bürgenstock.).

106,8 Millionen flossen 2019 an Spitäler, Ärztenetzwerke, Fachgesellschaften, Kongressorganisatoren und Patientengruppen. Damit sponsert die Pharmaindustrie verschiedenste Kongresse oder finanziert spitalinterne Veranstaltungen oder Zusammenkünfte von Hausärzten und Ärztenetzwerken.

Finanzierung der Forschung weiter intransparent

Während die Pharmaunternehmen bei den Ärzten und Spitälern/Organisationen die Gelder zum überwiegenden Teil namentlich offenlegen, liegen die Geldflüsse für die klinische Forschung Forschung «Wir finanzieren, wenn sonst niemand bezahlt» im Dunkeln. 2019 bezahlte die Industrie Spitälern 68,9 Millionen Franken – die Empfänger sind nicht bekannt. Unter dem Deckmantel des Forschungsgeheimnis Pharmagelder für Ärzte und Spitäler Grosse Geschenke erhalten die Freundschaft lehnt die Industrie bis heute jegliche Transparenz ab.

Die Auswertung der Geldströme zwischen Pharmaunternehmen und Ärzten/Spitälern basiert auf den individuell veröffentlichten Angaben der rund 60 Pharmafirmen. Das Recherchenetzwerk* von Ringier Axel Springer Schweiz veröffentlicht die gesamten Daten auf www.pharmagelder.ch, so dass jedermann prüfen kann, von wem ein Arzt Geld erhalten hat.

* «Pharmagelder Schweiz» ist ein Projekt des Ringier Axel Springer Research Network, bei dem Journalistinnen und Journalisten des Beobachters, der Handelszeitung, der «Blick»-Gruppe, und «Le Temps» (Schweiz) kooperieren.

Grafische Darstellung, wer 2020 wie viel Geld von den Pharmafirmen erhalten hat.
Quelle: Pharmagelder Schweiz / Scienceindustries / Angaben der Firmen – Infografik: Andrea Klaiber

Die spendierfreudigsten Pharmakonzerne

Grafische Darstellung, welche Firma Ärzten und Spitälern wie viel Geld bezahlt hat.
Quelle: Pharmagelder Schweiz / Scienceindustries / Angaben der Firmen – Infografik: Andrea Klaiber

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Otto Hostettler, Redaktor

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