Der Bund plant Überbrückungsleistungen für Arbeitslose ab 60. Die Skos, der Sie vorstehen, hat das angestossen. Warum?
Christoph Eymann: Arbeitslosigkeit bei älteren Menschen ist ein grosses soziales Problem. Dabei spielt es keine Rolle, weshalb jemand seine Stelle verloren hat. Das System muss diese Leute tragen. Das hat bisher nicht funktioniert. Das muss sich ändern. Deshalb finde ich, die Vorlage zu den Überbrückungsleistungen geht in die richtige Richtung.


Werden ältere Arbeitslose durch das geplante Paket wirklich besser aufgefangen?
Ja, das werden sie. Es ist aber nicht so, dass sie völlig sorgenfrei leben könnten. Die Verpflichtung bleibt, sich um Arbeit zu bemühen. Die Eingliederung älterer Arbeitsloser in den Markt wird durch die geplanten Massnahmen jedoch effizienter. Und es sorgt für psychische Entlastung, wenn man weiss, dass man nicht in die Sozialhilfe fällt. Das Netz, das man unter sich hat, wird in Zukunft stabiler.


Die Unterstützung wäre aber früher notwendig als erst ab 60, zeigt die aktuelle Statistik.
Wir von der Skos finden, es müsste früher sein. Deswegen lautet unser Vorschlag: ab dem 57. Lebensjahr. Für die vom Bund vorgeschlagene Altersgrenze gibt es wohl diverse Gründe. Politische und finanzielle – die politische Akzeptanz steigt, wenn die Kosten tiefer gehalten werden. Man wollte vermeiden, dass die Gegner sagen können, es sei zu teuer oder man rolle älteren Arbeitslosen den roten Teppich aus.


Klassische Kompromisspolitik. Geben Sie sich damit zufrieden?
Die Skos hat die Vorarbeit für diese Vorlage geleistet. Wir wollen sie nicht fundamental kritisieren. Das Problem der älteren Arbeitslosen Kommentar Endlich eine Lösung für ältere Arbeitslose und ihrer Situation ist erkannt und von der Politik aufgenommen. Das ist das Wichtigste. Wir werden beobachten, wie sich das Ganze entwickelt. Wenn wir sehen, dass es bessere Lösungen gibt, werden wir das thematisieren.


Gegner argumentieren, die Vorlage schaffe Anreize für Arbeitgeber, ältere Angestellte zu entlassen, weil sie ja aufgefangen würden.
Wir kennen diese Diskussion, denken aber nicht, dass dadurch die Schwelle tiefer wird, jemanden in höherem Alter zu entlassen. Das ist nicht mein Bild des Schweizer Arbeitgebers. Die Wirtschaft spielt zwar immer mit und muss auch in Zukunft ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen. Allein kann sie es aber nicht bewältigen. Es ist ein Zusammenspiel von Wirtschaft und Staat.

Zur Person

Christoph Eymann, Präsident der SKOS

Christoph Eymann, 68, ist seit Mai Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos). Der Jurist ist Nationalrat der Liberaldemokraten. Zuvor war er 16 Jahre lang Erziehungsdirektor im Kanton Basel-Stadt.

Quelle: PD
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