1. Home
  2. Arbeit
  3. Arbeitsrecht
  4. Arbeitsrecht: Bekommt man frei, wenn das Kind krank ist?

ArbeitsrechtBekommt man frei, wenn das Kind krank ist?

Ist ein Kind öfters oder während längerer Zeit krank, kann das den Job berufstätiger Eltern gefährden. Wer bietet Hilfe an?

Müssen Eltern ihrem Arbeitgeber ein Arztzeugnis vorweisen, wenn das Kind krank ist und sie zu Hause bleiben?
von aktualisiert am 08. Juni 2018

Das knackende Geräusch des Astes klang noch lange in den Ohren der alleinerziehenden Mutter. Es machte «platsch», und ihr zehnjähriger Sohn Sebastian lag auf der nassen Wiese. Gebrochenes Bein, Notarzt, Spital, Operation – alles wieder gut? Nein, leider nicht. Mehrere Komplikationen verzögerten Sebastians Genesung; er musste zu Hause weiter nachbetreut werden. Aber wie sollte die Mutter das organisieren, sie musste doch zur Arbeit?

Das Gesetz sagt: Ist ein Kind krank oder verunfallt und braucht Pflege, kann der Vater oder die Mutter bis zu drei Tage der Arbeit fernbleiben, um es zu umsorgen – und zwar pro Fall, das heisst, jede neue Erkrankung und jedes Kind zählen einzeln. Gemäss Arbeitsgesetz muss ein ärztliches Zeugnis vorgelegt werden, zudem gilt die Regelung nur für Kinder bis 15 Jahre. Wenn beide Eltern erwerbstätig Berufstätige Eltern Rechte und Pflichten gegenüber dem Chef sind, können sie sich die Pflege teilen, damit sich die Absenzen nicht beim einen Elternteil anhäufen.

Am besten spricht man mit dem Chef

Diese Absenzen müssen vom Arbeitgeber bezahlt werden. Denn Eltern sind gesetzlich verpflichtet, sich um das Wohlergehen ihres Kindes zu kümmern, und in solchen Fällen ist eine Lohnfortzahlung vorgeschrieben, wie wenn man selber krank wäre: Im ersten Anstellungsjahr sind es drei Wochen, ab dem zweiten je nach Region eine angemessene längere Zeit. Wenn man allerdings die Zeit durch eigene Krankheit bereits selbst ausgeschöpft hat, bekommt man zwar frei, hat aber keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung Lohnfortzahlung bei Krankheit Habe ich einen Anspruch? .

Reichen die vom Gesetz vorgesehenen drei Betreuungstage nicht aus und bestätigt der Arzt, dass ein Elternteil dringend am Krankenbett des Kindes gebraucht wird, dürfen berufstätige Eltern ausnahmsweise auch mal länger von der Arbeit fernbleiben. So konnten etwa die Eltern eines leukämiekranken Mädchens ihr Kind zwei Monate lang abwechselnd im Spital betreuen und Lohn beziehen. Bei chronischen Leiden oder aufwendigen Therapien empfiehlt es sich aber, mit dem Arbeitgeber nach ­einer anderen Lösung zu suchen. Zu viele Absenzen könnten ihn zu einer Kündigung veranlassen Kündigung Was der Arbeitgeber darf – und was nicht .

Facebook-Live: Arbeitsrecht - Kinderbetreuung

loading...

Können Arbeitnehmer zuhause bleiben, wenn der Partner arbeitsunfähig ist und sich niemand um die Kinder kümmern kann?

Sebastians Mutter konnte die Betreuung mit Hilfe der Kinderspitex organisieren. Eltern, die sich lange Abwesenheiten am Arbeitsplatz finanziell oder betriebsintern nicht leisten können, müssen sich um eine externe Betreuung bemühen. Erfreulicherweise werden solche Hilfsmöglichkeiten (siehe unten «Hier erhalten Eltern Entlastung») weiter ausgebaut und ergänzt.

Betreuungsurlaub könnte Entlastung bringen

Geht es nach dem Bundesrat, sollen berufstätige Personen künftig in Form eines Betreuungsurlaubs besser unterstützt werden. Eltern, die ein schwerkrankes Kind betreuen, dürften innerhalb von 18 Monaten maximal 14 Wochen frei nehmen. Der Lohnausfall würde analog zum Mutterschaftsurlaub Arbeitsrecht Schwanger - darauf müssen Sie achten oder zum Lohnausfall von Armeeangehörigen durch das Erwerbsersatzgesetz versichert. Für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnte aufgrund dieser Massnahme der Beitragssatz der Erwerbsersatzordnung geringfügig erhöht werden, so dass mit Mehrkosten von 77 Millionen Franken zu rechnen ist.

In die gleiche Vernehmlassung schickte der Bundesrat noch zwei weitere Massnahmen. Bei der ersten soll der Arbeitgeber bei Kurzabsenzen der Mitarbeiter gesetzlich zur Lohnfortzahlung verpflichtet werden. Erwerbstätige, die verwandte und nahestehende Personen für kurze Zeit betreuen, wären dadurch nicht mehr auf die Gunst des Unternehmens angewiesen. Bei der zweiten Massnahme soll es pflegenden Angehörigen leichter gemacht werden, ihre Einkommensausfälle über die AHV auszugleichen Pflege der Mutter Wer zahlt mir Lohn? . Zum Vorhaben des Bundes können sich die interessierten Kreise bis zum 19. Oktober 2018 äussern.

Update vom 28.06.2018

Guider Logo

Mehr zu Arbeitsunfähigkeit bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Bei einer Krankheit oder einem Unfall haben Arbeitnehmer Rechte und Pflichten. Für wie lange erhält man bei Arbeitsunfähigkeit noch den Lohn? Darf der Chef einfach kündigen? Was darf man mit einem Arztzeugnis noch in der Freizeit tun? Guider gibt seinen Mitgliedern Antworten auf diese und weitere Fragen.

Hier erhalten Eltern Entlastung

Wer sorgt für das Kind zu Hause?

  • www.kinder-spitex.ch: Entlastung und Unterstützung der Familie und anderer Bezugspersonen kranker Kinder.
     
  • www.redcross.ch: Die Rotkreuz-Kinderbetreuung (KBH) bietet eine vorübergehende Hilfe an, wenn erwerbsmässige Eltern nicht weiter wissen, wem sie ihr krankes Kind anvertrauen können. Unterstützung erhalten auch gesundheitlich angeschlagene Mütter und Väter sowie Eltern, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Das Angebot gilt bis zum 12. Altersjahr, der Preis richtet sich nach der finanziellen Situation. Der Betreuungsdienst ist nicht zuständig bei schweren Erkrankungen oder Unfällen von Kindern, die eine fachspezifische Pflege erfordern. Für solche Fälle müssen die Eltern die spitalexterne Pflege in Anspruch nehmen.
     
  • www.entlastungsdienst.ch: (mit weiteren Links zu kantonalen Angeboten, aber auch zu Fach- und Selbsthilfeorganisationen): Betreuung und Pflege von chronisch kranken oder behinderten Kindern. Im Kanton Bern etwa schafft er den Eltern Freiräume und berät und unterstützt sie bei der Finanzierung des Dienstes.
     
  • www.pro-pallium.ch: Stundenweise Entlastung der Eltern durch Freiwillige, die Unterstützung für den Alltag bieten. Etwa zum Vorlesen, Basteln, Spielen oder Plaudern. Die Stiftung vernetzt die Familien mit anderen betroffenen Eltern und gibt Kontakte für weiterführende Hilfsstellen an.
     
  • www.intensiv-kids.ch: Ein Zusammenschluss von Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Mit seiner Arbeit macht der Verein auf die Anliegen von Familien mit komplex erkrankten und behinderten Kindern sowie jungen Erwachsenen aufmerksam. Er setzt sich für einen regelmässigen Erfahrungsaustausch und gemeinsame Aktivitäten ein.


Daneben stehen weitere kantonale oder gemeindeinterne Angebote von Stunden- oder Tagesbetreuung zur Verfügung. Auskunft geben die Wohngemeinden. Auch private Anbieter gibt es immer zahlreicher.

Kinderbetreuung: Wer hilft finanziell aus?

  • Eine Zusatzversicherung bei der Krankenkasse zur Betreuung eines kranken Kindes kann eine finanzielle Notlage entschärfen. Doch es empfiehlt sich, die Angebote sorgfältig zu überprüfen.
     
  • Pflegeleistungen der Kinderspitex werden bei Geburtsgebrechen durch die Invalidenversicherung und Ergänzungsleistungen finanziert. Bei akuten und chronischen Erkrankungen ist die Krankenkasse zuständig. Doch erst wenn ein möglicher Anspruch genau abgeklärt ist und eine Verordnung sowie eine Bestätigung des Arztes vorliegen, werden Gelder bewilligt.
     
  • Fonds und Stiftungen: Die Stiftung SOS Beobachter zum Beispiel unterstützt Familien mit knappem Budget auch bei der Betreuung schwerkranker Kinder. Weitere Stiftungen sowie Informationen und Adressen finden betroffene Eltern unter www.spendenspiegel.ch.

Buchtipp

Arbeitsrecht

Vom Vertrag bis zur Kündigung

Mehr Infos

Arbeitsrecht