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ArbeitsrechtBekommt man frei, wenn das Kind krank ist?

Ist ein Kind öfters oder während längerer Zeit krank, kann das den Job berufstätiger Eltern gefährden. Wer bietet Hilfe an?

Müssen Eltern ihrem Arbeitgeber ein Arztzeugnis vorweisen, wenn das Kind krank ist und sie zu Hause bleiben?
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aktualisiert am 08. Juni 2018

Update vom 23. Mai 2019

Der Bundesrat beabsichtigt, die Situation von erwerbstätigen Eltern bei der Betreuung kranker Angehöriger zu verbessern. Lesen Sie hier mehr dazu.

Das knackende Geräusch des Astes klang noch lange in den Ohren der alleinerziehenden Mutter. Es machte «platsch», und ihr zehnjähriger Sohn Sebastian lag auf der nassen Wiese. Gebrochenes Bein, Notarzt, Spital, Operation – alles wieder gut? Nein, leider nicht. Mehrere Komplikationen verzögerten Sebastians Genesung; er musste zu Hause weiter nachbetreut werden. Aber wie sollte die Mutter das organisieren, sie musste doch zur Arbeit?

Das Gesetz sagt: Ist ein Kind krank oder verunfallt und braucht Pflege, kann der Vater oder die Mutter bis zu drei Tage der Arbeit fernbleiben, um es zu umsorgen – und zwar pro Fall, das heisst, jede neue Erkrankung und jedes Kind zählen einzeln. Gemäss Arbeitsgesetz muss ein ärztliches Zeugnis vorgelegt werden, zudem gilt die Regelung nur für Kinder bis 15 Jahre. Wenn beide Eltern erwerbstätig Berufstätige Eltern Rechte und Pflichten gegenüber dem Chef sind, können sie sich die Pflege teilen, damit sich die Absenzen nicht beim einen Elternteil anhäufen.

Am besten spricht man mit dem Chef

Diese Absenzen müssen vom Arbeitgeber bezahlt werden. Denn Eltern sind gesetzlich verpflichtet, sich um das Wohlergehen ihres Kindes zu kümmern, und in solchen Fällen ist eine Lohnfortzahlung vorgeschrieben, wie wenn man selber krank wäre: Im ersten Anstellungsjahr sind es drei Wochen, ab dem zweiten je nach Region eine angemessene längere Zeit. Wenn man allerdings die Zeit durch eigene Krankheit bereits selbst ausgeschöpft hat, bekommt man zwar frei, hat aber keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung Lohnfortzahlung bei Krankheit Habe ich einen Anspruch? .

Reichen die vom Gesetz vorgesehenen drei Betreuungstage nicht aus und bestätigt der Arzt, dass ein Elternteil dringend am Krankenbett des Kindes gebraucht wird, dürfen berufstätige Eltern ausnahmsweise auch mal länger von der Arbeit fernbleiben. So konnten etwa die Eltern eines leukämiekranken Mädchens ihr Kind zwei Monate lang abwechselnd im Spital betreuen und Lohn beziehen. Bei chronischen Leiden oder aufwendigen Therapien empfiehlt es sich aber, mit dem Arbeitgeber nach ­einer anderen Lösung zu suchen. Zu viele Absenzen könnten ihn zu einer Kündigung veranlassen Kündigung Was der Arbeitgeber darf – und was nicht .

Facebook-Live: Arbeitsrecht - Kinderbetreuung

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Können Arbeitnehmer zuhause bleiben, wenn der Partner arbeitsunfähig ist und sich niemand um die Kinder kümmern kann?

Sebastians Mutter konnte die Betreuung mit Hilfe der Kinderspitex organisieren. Eltern, die sich lange Abwesenheiten am Arbeitsplatz finanziell oder betriebsintern nicht leisten können, müssen sich um eine externe Betreuung bemühen. Erfreulicherweise werden solche Hilfsmöglichkeiten (siehe unten «Hier erhalten Eltern Entlastung») weiter ausgebaut und ergänzt.

Bundesrat schlägt Betreuungsurlaub vor

Hatten bisher Eltern ein schwer erkranktes Kind zu betreuen, mussten sie entweder Ferientage opfern oder individuell mit dem Arbeitgeber nach einer Lösung suchen. Nun will der Bundesrat neu einen Betreuungsurlaub von maximal 14 Wochen einführen. Eltern können diesen Urlaub am Stück oder tageweise innerhalb einer Rahmenfrist von 18 Monaten beziehen, die ab dem ersten Krankheitstag der Langzeitpflege beginnt. Sind beide Elternteile erwerbstätig, dürfen sie zusammen nicht mehr als 14 Wochen von der Arbeit fernbleiben. Was darüber hinaus anfällt, ist nicht über die Erwerbsersatzordnung vergütet und muss durch unbezahlten Urlaub oder eine anderweitige Betreuungsmöglichkeit kompensiert werden.

Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hat der Bundesrat als Botschaft ans Parlament überwiesen. Im gleichen Entwurf schlägt er auch vor, dass Arbeitgeber bei kurzen Absenzen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Lohnfortzahlung verpflichtet sind. Ist etwa ein Kind an einer Grippe erkrankt, kann der Vater oder die Mutter je maximal drei bezahlte Urlaubstage nehmen. Dies gilt jeweils pro Ereignis und für höchstens zehn Tage pro Jahr. Der bezahlte Urlaub gilt nicht nur für die Betreuung eines erkrankten Kindes, sondern auch anderer Familienmitglieder, Lebenspartner oder Lebensparterin. Anders als bei der Langzeitpflege muss die Wirtschaft die Mehrkosten tragen. Der Bundesrat schätzt diese auf 90 bis 150 Millionen Franken.

Update vom 23.05.2019

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Hier erhalten Eltern Entlastung

Wer sorgt für das Kind zu Hause?

  • www.kinder-spitex.ch: Entlastung und Unterstützung der Familie und anderer Bezugspersonen kranker Kinder.
     
  • www.redcross.ch: Die Rotkreuz-Kinderbetreuung (KBH) bietet eine vorübergehende Hilfe an, wenn erwerbsmässige Eltern nicht weiter wissen, wem sie ihr krankes Kind anvertrauen können. Unterstützung erhalten auch gesundheitlich angeschlagene Mütter und Väter sowie Eltern, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Das Angebot gilt bis zum 12. Altersjahr, der Preis richtet sich nach der finanziellen Situation. Der Betreuungsdienst ist nicht zuständig bei schweren Erkrankungen oder Unfällen von Kindern, die eine fachspezifische Pflege erfordern. Für solche Fälle müssen die Eltern die spitalexterne Pflege in Anspruch nehmen.
     
  • www.entlastungsdienst.ch: (mit weiteren Links zu kantonalen Angeboten, aber auch zu Fach- und Selbsthilfeorganisationen): Betreuung und Pflege von chronisch kranken oder behinderten Kindern. Im Kanton Bern etwa schafft er den Eltern Freiräume und berät und unterstützt sie bei der Finanzierung des Dienstes.
     
  • www.pro-pallium.ch: Stundenweise Entlastung der Eltern durch Freiwillige, die Unterstützung für den Alltag bieten. Etwa zum Vorlesen, Basteln, Spielen oder Plaudern. Die Stiftung vernetzt die Familien mit anderen betroffenen Eltern und gibt Kontakte für weiterführende Hilfsstellen an.
     
  • www.intensiv-kids.ch: Ein Zusammenschluss von Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Mit seiner Arbeit macht der Verein auf die Anliegen von Familien mit komplex erkrankten und behinderten Kindern sowie jungen Erwachsenen aufmerksam. Er setzt sich für einen regelmässigen Erfahrungsaustausch und gemeinsame Aktivitäten ein.


Daneben stehen weitere kantonale oder gemeindeinterne Angebote von Stunden- oder Tagesbetreuung zur Verfügung. Auskunft geben die Wohngemeinden. Auch private Anbieter gibt es immer zahlreicher.

Kinderbetreuung: Wer hilft finanziell aus?

  • Eine Zusatzversicherung bei der Krankenkasse zur Betreuung eines kranken Kindes kann eine finanzielle Notlage entschärfen. Doch es empfiehlt sich, die Angebote sorgfältig zu überprüfen.
     
  • Pflegeleistungen der Kinderspitex werden bei Geburtsgebrechen durch die Invalidenversicherung und Ergänzungsleistungen finanziert. Bei akuten und chronischen Erkrankungen ist die Krankenkasse zuständig. Doch erst wenn ein möglicher Anspruch genau abgeklärt ist und eine Verordnung sowie eine Bestätigung des Arztes vorliegen, werden Gelder bewilligt.
     
  • Fonds und Stiftungen: Die Stiftung SOS Beobachter zum Beispiel unterstützt Familien mit knappem Budget auch bei der Betreuung schwerkranker Kinder. Weitere Stiftungen sowie Informationen und Adressen finden betroffene Eltern unter www.spendenspiegel.ch.

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