Änderungen wegen Corona

Aufgrund der Corona-Krise hat der Bundesrat am 20. März eine Vereinfachung und Ausweitung der Kurzarbeit beschlossen. Alle Neuerungen, laufend aktualisiert und übersichtlich dargestellt, findet man auf der Website des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO.

Seit Anfang April ist unsere Arbeitszeit um 50 Prozent gekürzt. Wenn ich jetzt eine neue Stelle fände: Könnte ich dann fristlos gehen?
Nein. Die Kurzarbeit hat auf die vertraglich geltende Kündigungsfrist keinerlei Einfluss. Im gegenseitigen Einvernehmen kann das Arbeitsverhältnis jedoch auf jeden Zeitpunkt aufgelöst werden.
 

Ich habe Ende März gekündigt und arbeite noch bis Ende Juni im Geschäft. Unser Arbeitgeber will, dass wir für April bis Juni eine Einwilligung unterschreiben, damit der Betrieb Kurzarbeit anmelden kann und wir noch 80 Prozent des Lohns erhalten. Gilt das für mich während der Kündigungsfrist auch?
Nein, dies gilt bei einem gekündigten Arbeitsvertrag nicht. Weisen Sie Ihren Arbeitgeber darauf hin, dass Ihnen der volle Lohn zusteht. Bei zu beziehenden Ferientagen erhalten Sie ebenso den vollen Lohn. Beachten Sie aber, dass der volle Lohn nur während der vertraglichen Kündigungsfrist geschuldet ist. Falls die vertragliche Kündigungsfrist nur ein Monat wäre, dann haben Sie als Arbeitnehmer auch nur für diesen Monat Anspruch auf den vollen Lohn.
 

Ich will für die Angestellten meines Betriebs Kurzarbeit anmelden. Muss ich von jedem einzelnen Arbeitnehmer eine Einwilligung einholen, um die Anmeldung machen zu können?
Bei der Voranmeldung müssen Sie als Arbeitgeber mit dem Formular Formular «COVID-19 Voranmeldung Kurzarbeit» bestätigen, dass die betroffenen Arbeitnehmer der Kurzarbeit zustimmen. Die Zustimmung der Mitarbeiter müssen Sie als Arbeitgeber nach wie vor einholen . Dass bei der Voranmeldung nicht mehr das schriftliche Einverständnis jedes einzelnen Mitarbeitenden mittels Formular eingereicht werden muss, ist eine erleichterte Massnahme im Rahmen der Corona-Pandemie und dient dazu, die erhöhte Nachfrage an Kurzarbeitsentschädigung vorübergehend besser bewältigen zu können.
 

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In den letzten fünf Monaten haben wir Überstunden gemacht. Nun haben wir Kurzarbeit. Jetzt sagt unser Chef, wegen der Überstunden gäbe es vorläufig keine Kurzarbeitsentschädigung. Ist das korrekt?
Nein. Der Bundesrat hat aufgrund der Corona-Krise rückwirkend ab dem 1. März 2020 angeordnet, dass Überstunden nicht zuerst abgebaut werden müssen, sondern dass Arbeitnehmer sofort von der Kurzarbeitsentschädigung profitieren können. Vor dem Beschluss mussten die in den letzten sechs beziehungsweise zwölf Monaten geleisteten Überstunden zuerst abgebaut werden. Erst dann wurde der Arbeitsausfall von der Arbeitslosenkasse entschädigt. Bei Kurzarbeit erhalten Sie jedoch nur 80 Prozent des versicherten Verdienstausfalls.
 

Darf mir der Arbeitgeber die Kurzarbeitsentschädigung auf 100 Prozent aufstocken? Dies entspricht doch nicht dem Sinn und Zweck der Kurzarbeit.
Ja, wenn die Kurzarbeit eingeführt wird, steht es Ihrem Arbeitgeber frei, die Entschädigung aufzustocken.

Ihre Rechte bei Kurzarbeit

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Verschlechtert sich die Auftragslage wirtschaftlich bedingt, können Betriebe die Arbeitszeit reduzieren oder die Arbeit einstellen. Beobachter-Rechtsberaterin Katharina Siegrist beantwortet häufige Fragen.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

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Ich arbeite als Sekretärin im Familienunternehmen meines Ehemannes mit. Nun hat er Kurzarbeit angemeldet. Bin ich auch anspruchsberechtigt?
Bis 31. Mai 2020 konnte auch für mitarbeitende Ehepartner Kurzarbeitsentschädigung beantragt werden. Seit 1. Juni 2020 ist dies nicht mehr der Fall. Sie können keine Kurzarbeitsentschädigung beziehen.
 

Ich bin selbständig. Ich kann mein Geschäft nach wie vor nicht öffnen, weil es unmöglich ist, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Kann ich für mich Kurzarbeit anmelden?
Nein, Selbständige haben laut Gesetz zwar keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Jedoch hat der Bundesrat aufgrund der Corona-Krise entschieden Dossier KMU in der Corona-Krise: Was kann ich tun? , dass Selbständigerwerbende, die von den Corona-Massnahmen des Bundes betroffen sind, eine sog. Erwerbsersatzentschädigung erhalten.

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 1. Juli entschieden, dass der Anspruch auf Entschädigung für Selbständigerwerbende, welche direkt oder indirekt von den Massnahmen gegen das Coronavirus betroffen sind, bis zum 16. September 2020 verlängert wird. Zudem wurde der Kreis der Berechtigten erweitert: Neu können Personen, die in ihrer eigenen AG oder GmbH angestellt sind und im Veranstaltungsbereich tätig sind, ebenfalls Corona-Erwerbsersatz beanspruchen.

Hotline für Selbständige und Betroffene

Über https://helpcenter.easygov.swiss können sich Selbständige sowie von der Corona-Krise betroffene Bürger informieren bevor sie sich an die Hotline des Staatsekretariats für Wirtschaft (Seco) bei dringenden Fragen wenden.

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Ich bin schwanger und bei uns wurde Kurzarbeit eingeführt – ich erhalte also nicht meinen vollen Lohn. Wirkt sich diese Kürzung auch auf die Mutterschaftsentschädigung aus?
Nein. Bei der Berechnung der Mutterschaftsentschädigung Arbeitsrecht Schwanger - darauf müssen Sie achten werden Zeiten mit unverschuldeterweise gekürztem Lohn nicht berücksichtigt. Sie werden also 80 Prozent Ihres normalen Lohns, maximal 196 Franken pro Tag, erhalten.

Bei uns wird nur noch 50 Prozent gearbeitet. Welche Auswirkungen hat das auf meinen Ferienanspruch – reduziert sich dieser ebenfalls auf die Hälfte? Und kann ich im April meine bereits gebuchten Ferien beziehen?
Wegen der Kurzarbeit darf der Arbeitgeber den Ferienanspruch nicht kürzen. Sie haben also auch für dieses Jahr mindestens vier Wochen Ferien zugut. Diese können Sie wie sonst üblich beziehen. Überdies haben Sie während der Ferien Anspruch auf den vollen vertraglichen Lohn. Dies hat das Seco auf Anfrage des Beobachters bestätigt. Der Anspruch auf bezahlte Ferien ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag. Während dieser Zeit weisen Arbeitnehmer keine verkürzte Arbeitszeit oder Kurzarbeit auf.
 

Unser Betrieb ist momentan wegen Kurzarbeit gänzlich eingestellt. Nun sollen wir in dieser Zeit eine Weiterbildung besuchen. Ist das denn zulässig?
Ja. Unter gewissen Voraussetzungen und mit Einwilligung der kantonalen Amtsstelle kann während dieser Zeit trotzdem Kurzarbeitsentschädigung bezogen werden.
 

Unser Betrieb meldet demnächst Kurzarbeit an. Da ich als Lehrling arbeite und keine Kurzarbeit erhalte, meinte der Chef, dass er mich wohl oder übel entlassen muss. Kann das wirklich sein?
Seit dem 1. Juni kann keine Kurzarbeit für Lehrlinge mehr angemeldet werden. Entlassen kann man Sie aber auch nicht einfach so, da ein Lehrvertrag ein befristeter Vertrag ist. Nur eine fristlose Kündigung wäre möglich. Hoffnung darf sich jedoch Ihr Lehrmeister machen, die auch gleichzeitige Ihre Weiterbeschäftigung sichern soll: Denn der Bundesrat wurde durch eine parlamentarische Motion beauftragt, einen Fonds für diejenigen Betriebe einzurichten, die aufgrund der Corona-Krise auf die Beschäftigung von Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern verzichten müssten. Die Motion wurde noch nicht im Rat behandelt.

Mehr zu Kurzarbeit bei Guider

Welche Folgen hat es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wenn Kurzarbeit angemeldet wird? Wie lange wird eine Kurzarbeitsentschädigung ausgerichtet? Und gibt es Personen, die von einer solchen Regelung ausgeschlossen werden können? Beobachter-Abonnenten erhalten rechtliche Sicherheit.

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Wir arbeiten nur noch halbtags. Ein Kollege hat nun an den Nachmittagen eine Stelle in einem anderen Betrieb angenommen. Darf er das einfach? Und müsste ich mir auch etwas suchen?
«Einfach so» darf man keine andere Stelle annehmen . Man braucht dazu die Einwilligung des Arbeitgebers, die aber in der Regel nicht verweigert werden darf. Den Lohn aus der anderen Stelle muss man dem Arbeitgeber gemäss den neuen Bestimmungen des Bundes nicht mehr melden. Das Einkommen aus der Zwischenbeschäftigung wird bei der Berechnung des Verdienstausfalls der Kurzarbeitsentschädigung neu nicht mehr angerechnet. Zu Ihrem eigenen Fall: Eine Pflicht zur Suche nach einer Zwischenbeschäftigung besteht erst, wenn die ursprüngliche Arbeit für länger als einen Monat ganz eingestellt ist.
 

Könnte es auch sein, dass ich eine andere Stelle zugewiesen bekomme?
Ja. Bei mindestens halbtägigem Arbeitsausfall kann die kantonale Amtsstelle Zwischenbeschäftigungen zuweisen. Verweigern Sie diese, werden Ihnen 100 bis 1000 Franken von der Entschädigung abgezogen. (Die zuständige Amtsstelle wird kantonal unterschiedlich bezeichnet – üblicherweise als Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) oder Kantonales Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA).)

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