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  4. Bewerbungsprozess: Der Ablauf dauert oft zu lange

Freie StellenBewerben zerrt an den Nerven

Viele Firmen schrecken gute Kandidaten ab – mit intransparenten Abläufen, langen Wartezeiten und schlechter Kommunikation.

Heute gelten Bewerbungsverfahren als «Knochenjob». Manche Firme laden bis zu fünf Mal zum Gespräch ein.
von aktualisiert am 27. September 2018

Viele grosse Firmen haben ein Problem mit ihrem Anstellungsprozess. Die Verfahren bei der Swisscom, ABB, SBB und Post etwa werden bloss mit 3,3 bis 3,8 Sternen bewertet – von 5 möglichen auf Kununu, der grössten Arbeitgeber-Bewertungsplattform Europas. Credit Suisse schafft es auf 2,6 Sterne, der Prozess bei der UBS wird gar mit knapp 2 abgestraft – und belegt damit den letzten Platz der Schweizer Rangliste.

Auch in einer aktuellen Studie des Personaldienstleisters Robert Half bemängelt fast die Hälfte der 500 Befragten, dass man jeweils zu spät erfahre, wo man sich im Einstellungsverfahren befinde. Weitere Kritikpunkte sind verzögerte Entscheidungsfindung und schlechte Kommunikation Bewerbungen «Leider müssen wir Ihnen mitteilen…» .

Die besten Bewerber springen ab

«Die Recruiting-Prozesse der Schweizer Firmen dauern zu lang», sagt Sven Hennige von Robert Half. «Dadurch gehen ihnen die besten Bewerber verloren.» In der Folge würden weniger geeignete Mitarbeiter eingestellt, was auf lange Sicht die Wettbewerbsfähigkeit gefährde.

«Der Prozess ist viel anspruchsvoller geworden, ein Knochenjob», sagt Chantal Büchi, Vorstandsmitglied der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management (ZGP). «Viele Recruiter sind komplett überlastet.» Doch es gebe Potenzial, um den Prozess zu verbessern. Schlechte Kommunikation lasse sich vermeiden. «Der Ablauf wird nicht für jede Stelle neu definiert. Entsprechend wäre es ein Leichtes, das Prozedere für den Bewerber transparent zu machen».

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Maximal 30 Tage für den ganzen Bewerbungsprozess

Auch das Stellenprofil sei ein häufiges Problem Stelleninserate Jobanforderungen der Superlative . Es würden zwar Fähigkeiten verlangt, die der Wunschkandidat mitbringen soll – doch man verpasse es, sich auf die Muss-Kriterien zu einigen. «Das kann das Verfahren in die Länge ziehen», sagt Büchi. Im Durchschnitt dürfe eine Firma, die relativ regelmässig rekrutiert und nicht auf der Suche nach einem sehr aussergewöhnlichen Kandidatenprofil ist, von Ausschreibung bis Anstellung nicht länger als 30 Tage benötigen. Wenn die Koordination der Termine schwierig sei, könne es auch mal sechs Wochen dauern, «mehr aber nicht». So die Theorie.

Die Realität sieht anders aus. 80 Prozent der von Robert Half angefragten Firmen brauchen bis zu drei Monate, um sich für einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu entscheiden. Für Stellen mit Führungsverantwortung dauert es häufig noch länger.

Wer alles beim Recruiting mitredet

Ebenfalls entscheidend ist die Zahl der involvierten Mitarbeiter und die Anzahl Vorstellungsgespräche Vorstellungsgespräch Was die alles wissen wollen! . «Sehr häufig ist der Ablauf zu kompliziert. Zu viele Personen sind beteiligt, Entscheidungen und Budgetfreigaben dauern zu lang», sagt Experte Sven Hennige. «Schlanke Prozesse gewährleisten ein schnelleres Recruiting und sind zudem kostengünstiger.»
 

«Während des Bewerbungsprozesses ist noch keine Loyalität zu einer Firma gefragt.»

Chantal Büchi, Personalexpertin, Vorstandsmitglied ZGP


McKinsey macht es vor. Der Beratungskonzern führt zwar fünf Gespräche mit drei bis fünf Verantwortlichen durch. Alle finden am selben Tag statt. Auch der Baustoffhersteller Holcim Schweiz scheint in seinem Bewerbungsprozess einiges richtig zu machen. 4,8 von 5 Sternen erhält er auf Kununu – und die Aussagen: «Schnell, freundlich, transparent» und «sehr professionell und dennoch persönlich». Dabei werden insbesondere die angenehme Atmosphäre und eine zeitgerechte Ab- oder Zusage mit sehr guten Bewertungen honoriert.

Wirklich einen Einfluss hat der Bewerber letztlich nur auf den kleinsten Teil des Prozesses. Personalexpertin Büchi rät, dass man sich schon zu Beginn eines Bewerbungsgesprächs informiert, wie der Prozess funktioniert. «So kann man selbst einschätzen, wo man steht. Und man bekommt ein Gefühl dafür, wann es in Ordnung ist, bei der Firma nachzufragen.»

Ausserdem empfiehlt Büchi, offen zu informieren, falls man für eine andere Stelle in der Endrunde steht. «Personalverantwortliche wissen, dass sich eine Person an verschiedenen Orten bewirbt. Während des Bewerbungsprozesses ist noch keine Loyalität zu einer Firma gefragt.» Ebenfalls zulässig sei es zudem, am Ende eines Bewerbungsgesprächs direkt nach einem Feedback zu fragen. «Auch das gibt einem ein Gefühl dafür, wo man steht.»

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