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AlertswissBald kommt der Sirenenalarm auch aus dem Handy

Ab Herbst 2018 versendet der Bund seine Warnhinweise auch über die Online-Plattform Alertswiss.

Wie kann im Katastrophenfall rasch gewarnt werden? Neben Sirenenalarm und Radio nutzt der Bund dafür künftig auch unsere Smartphones.

von aktualisiert am 08. Februar 2018

Mehrmals hat es geknallt, da ertönt plötzlich der Sirenenalarm. Was ist los? Was ist zu tun? Vergangenen Juni kam es bei einem Brand des Sportzentrums in Verbier VS zu rund einem Dutzend Explosionen. Weil das Feuer Ammoniak-Reserven bedrohte, musste die Bevölkerung vor möglichen giftigen Dämpfen gewarnt werden. Normalerweise erfährt man dies über das Radio. Was aber, wenn gerade keines in der Nähe ist?

Schnell informiert wären die Bewohner in diesem Fall über eine Push-Nachricht aufs Handy: «Grossbrand im Sportzentrum. Schliessen Sie Fenster und Türen und bleiben Sie in den Häusern.» Diese Form der Warnung kennt man in der Schweiz aber nicht.

Push-Benachrichtigungen ab Herbst 2018

Das soll sich bald ändern. Künftig will der Bund auch via Handy, Internet und Social Media vor Katastrophen warnen. Alertswiss heisst die Online-Plattform, die sich derzeit noch in der Testphase befindet. Obwohl sie bisher erst grundsätzliche Informationen zu Erdbeben, Hochwasser oder Pandemien sowie zur persönlichen Notfallvorsorge beinhaltet, ist man beim zuständigen Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) mit der Resonanz zufrieden. Die App wurde bis jetzt rund 80'000 Mal heruntergeladen. «Wir gehen davon aus, dass diese Zahl noch deutlich steigen wird, sobald die neuen nützlichen Funktionen aktiv sind», sagt Kurt Münger, Kommunikationschef beim BABS.

Dies wird im Herbst 2018 der Fall sein. Ab dann kann man sich von der Alertswiss-App unmittelbar via Push-Meldung alarmieren lassen. Darin wird der Bund über Ereignis, Ort, Auswirkungen und Verhaltensanweisungen informieren. Abonnieren kann man die Benachrichtigungen für Kantone sowie den aktuellen Standort – sofern man Push-Meldungen bzw. die Verwendung der Standortdaten (GPS) erlaubt.

Alertswiss: Diese drei Hinweiskategorien gibt es

  • Alarmierung
    Erfolgt bei einer akuten Bedrohungslage. Dient als Ergänzung zum Sirenenalarm und den Radiomeldungen.
     
  • Warnung
    Erfolgt, wenn sich eine Gefährdung abzeichnet – zum Beispiel bei Hochwasser oder der Gefahr eines Erdrutsches.
     
  • Information
    Erfolgt bei Ereignissen, die keine akute Gefährdung darstellen – zum Beispiel bei einem durch Luftwaffenjets ausgelösten Überschallknall.

Mit der neuen Plattform öffnet sich das BABS nicht nur einen weiteren Kanal, um im Notfall möglichst viele Menschen erreichen zu können. Insbesondere hör- und sehbehinderte Personen werden von Alertswiss profitieren. Sie konnten mit den bisherigen Massnahmen wie dem Sirenenalarm nur schlecht oder gar nicht erreicht werden.

Problem 1: Die App muss installiert sein

Allerdings nützt auch den Hör- und Sehbehinderten nichts, wenn sie die Alertswiss-App gar nicht installiert haben. Diesem grundsätzlichen Problem tritt das BABS mit Kooperationen entgegen. So besteht mit MeteoSchweiz bereits eine Vereinbarung, dass Alarme und Ereignisse von Alertswiss auch über die MeteoSchweiz-App ausgeliefert werden sollen. Diese wird täglich von rund einer halben Million Menschen genutzt. Mit anderen Partnern, die über reichweitenstarke Apps verfügen, wie zum Beispiel die SBB, werde man 2019 entsprechende Möglichkeiten abklären, so Münger.

Als weitere mögliche Kanäle könnten zudem bestehende Displays an Bahnhöfen, Flughäfen oder in Bussen in Frage kommen.

Problem 2: Was ist bei einem Stromausfall?

Ein Hindernis steht Alertswiss aber so oder so im Weg: Was, wenn es zu einem grossflächigen Strom-, Internet- oder Mobilnetzausfall kommt? Denn dann wäre der neue Service nur eingeschränkt oder gar nicht mehr nutzbar. Einzig Vorsorgeinformationen wären laut Münger noch eine Weile lokal aus der App abrufbar.

Eine Alternative könnten hierfür die «smarten» Briefkästen der Post bieten. Diese besitzen unterhalb des Einwurfschlitzes ein elektronisches Display, das Textnachrichten anzeigen kann. Im Rahmen einer einjährigen Testphase in St. Gallen wurden diese Anzeigen jüngst erfolgreich durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz gesteuert. Da die Briefkästen mit Batterien betrieben werden, könnten über die Displays also auch im Fall eines längeren Strom- oder Internetausfalls Warn- und Verhaltenshinweise angezeigt werden.

Am wenigsten anfällig sind und bleiben die bewährten Kanäle Sirenenalarm und Radio, sagt Kurt Münger vom BABS. «Und genau aus diesem Grund halten wir diese beiden Grundpfeiler auch weiterhin aufrecht. Sie können nicht durch Mobiltelefone ersetzt werden.»

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Elio Bucher, Online-Produzent

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