Im Volksmund heissen sie «Diätpillen», in Migros-Regalen stehen sie nun unter dem Namen «Fit Control Fat Blocker» respektive «Carbo Blocker». Sie enthalten Feigenkaktus- oder Bohnenextrakte und sollen bewirken, dass Fett oder Kohlenhydrate nicht in den Körper aufgenommen, sondern mit dem Stuhl ausgeschieden werden. In Apotheken gibts zu diesem Zweck etwa Liposinol und Carbosinol, doch die Migros verkauft die Nachahmerprodukte rezeptfrei und ohne Beratung.

Markus Fritz von der phar­maunabhängigen Schweizerischen Medikamenten-Informationsstelle findet das «Irrsinn»: «Es ist absurd, wenn der Supermarkt nicht nur palettenweise fettmachende Lebensmittel verkauft, sondern auch gleich ein Medizinprodukt, das helfen soll, diese Lebensmittel ins WC runterzuspülen.» Fritz kritisiert, dass die Migros Abnehmwillige mit Pillen ködere, die «zur Behandlung von Übergewicht sowie zur Gewichtskontrolle» beitragen. «Präparate mit solchen Heilanpreisungen sollten nur nach einer Beratung eingenommen werden.»

Die Beratung sei sichergestellt, sagt Migros-Sprecherin Jeannine Villiger, weil allfällige telefonische Kundenanfragen an medizinische Fachleute weitergegeben würden. Dieses Vorgehen sei mit der Heilmittelbehörde Swissmedic abgesprochen. Das ist zulässig, weil Swissmedic solche Diätpillen nicht als Medikamente einstuft, sondern als «Medizinprodukte», da die Hauptwirkung nicht durch einen Arzneistoff erreicht werde.

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«Oft untergewichtige Leute»

So oder so passen die Diät­pillen zur Strategie des Detailhandelsriesen, immer mehr Heilmittel zu verkaufen. Ein Wunsch, der schon bald erfüllt werden könnte: Der Bundesrat will bald diverse Heilmittel frei verkäuflich machen, falls das Parlament zustimmt. Die Rede ist etwa vom Muskelschmerzmittel Perskindol oder der Erkältungssalbe Pulmex.

Kaspar Berneis, Stoffwechselexperte am Unispital Zürich, findet das Prinzip «Diätpillen von der Migros» falsch. «Meine Erfahrung zeigt, dass auch junge, untergewichtige Personen, oft Frauen, solche Diätpillen kaufen wollen, also genau jene, die sie am allerwenigsten brauchen.» Zudem nenne der Beipackzettel lediglich Blähungen als mögliche Nebenwirkungen – doch «die Lang­zeitfolgen sind unerforscht. Klar ist, dass eine längere Einnahme solcher Pillen Störungen der Darmflora verursacht, was dann weitere Beschwerden auslösen kann.»

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Berneis kritisiert die Grundbotschaft solcher Diätpillen: «Abnehmen bedingt eine Umstellung der Bewegungs- und Essgewohnheiten. Solche Produkte suggerieren aber: ‹Iss, was du willst.›» Dazu passt die Verpackung der Migros-Diätpillen: Sie zeigt eine junge Frau, die gerade ein Stück Torte vor sich hat.

Diätpillen von der Migros

Quelle: Heike Gasser/Ex-Press