Der Mann nannte sich Peter Köhler, auf seiner Visitenkarte stand «Medienrecherche für Filmdokumentationen». Der Mann war ein Journalist, das war für zwei ehemalige Ärzte des Herz-Neuro-Zentrums Bo­densee (HNZB) klar – und er wollte von ihnen Informa­­tionen über die Zustände im HNZB. Köhler erklärte, er wolle für einen deutschen Fernsehsender «den Skandal medial, bildhaft und filmisch aufbereiten».

Der falsche «Max»

Die Ärzte gestatteten Köhler und dessen Schweizer Kollegen «Max» deshalb, ein Aufnahmegerät laufen zu lassen, als sie ihnen Mitte Dezember von den Zuständen am HNZB und an dessen Schwesterklinik, am Herz-Zentrum Bodensee in Konstanz, erzählten. Es gab viel zu berichten – die Liste der mutmasslichen Verfehlungen ist lang. Die Staatsanwaltschaft Thurgau ermittelt unter anderem wegen Urkundenfälschung und falscher Abrechnungen gegenüber Krankenkassen. So sollen die Verantwortlichen der beiden Herzkliniken im Kanton Zug eine Firma besessen haben, über die Medizinprodukte zu überhöhten Preisen an die Kliniken verkauft wurden (siehe Artikel im Beobachter, Ausgabe 26/2013).

Heute ärgern sich die beiden Ärzte masslos über ihre Naivität, denn «Peter Köhler» heisst in Wahrheit Andreas Fleischmann und war im Auftrag der beiden Herz-Zentren unterwegs. Sein Schweizer Kollege «Max» nennt sich im bürgerlichen Leben Peter C. Stelzer und ist Geschäftsführer der Privatdetektei Ryffel AG mit Sitz in Frauenfeld, Zug und Zürich. Besonders unangenehm für die zwei Whistle­blower: Als einer der Ärzte ­wegen eines familiären Notfalls den Raum verlassen musste, konnte Privatdetektiv Fleischmann unbemerkt Dateien von dessen Computer herunterladen.

Ärzte klagen zurück

Derart aufmunitioniert durch die Ermittler, präsentierten die Verantwortlichen der beiden Kliniken an einer Medienkonferenz Ende Januar stolz Ausschnitte aus den Gesprächen zwischen den Detektiven und den Ärzten – als angeblichen Beweis, dass es den Ärzten allein darum gehe, die Kliniken zu zerschlagen. Die Klinik-Verantwortlichen haben deshalb gegen die Ärzte Strafanzeige eingereicht. Die Sache dürfte noch lange nicht ausgestanden sein. Auch die bespitzelten Ärzte haben Strafanzeige eingereicht – unter anderem wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Worts und übler Nachrede.