Bei der Bekämpfung von Pädokriminalität im Internet gibt es in der Schweiz grosse Missstände. Wenigstens einer soll jetzt beseitigt werden. Noch dieses Jahr soll eine unabhängige Meldestelle für Kinderpornografie im Internet eingerichtet werden.

Initiiert wird sie vom Zuger Unternehmer Guido Fluri. Er hatte schon erfolgreich die Wiedergutmachungsinitiative für Verdingkinder lanciert. Jede Person soll dort unkompliziert Verdachtsfälle melden können. Anders als in anderen Ländern fehlte in der Schweiz bisher eine solche Stelle.

Gegenüber dem Beobachter kündigt Guido Fluri an: «Angesichts der hohen Dunkelziffer und der grossen Dringlichkeit braucht die Schweiz eine private Meldestelle. Ich habe den Entschluss gefasst, noch dieses Jahr eine solche aufzubauen. Länger zuwarten können wir nicht.» Die Hürde, einer staatlichen Stelle, etwa der Polizei, solche Inhalte zu melden, sei offenbar zu hoch. Auch in der Schweiz müsse jeder Mensch die Möglichkeit haben, Hinweise auf Pädokriminalität im Netz einer vertrauenswürdigen Stelle zu melden, fordert Fluri.

Fedpol nicht mehr zuständig

Die Zahl der Verdachtsmeldungen zu Kinderpornografie im Internet hat im Corona-Jahr 2020 dramatisch zugenommen. Gleichzeitig steht es aber in der Schweiz mit der Bekämpfung von Pädokriminalität im Netz alles andere als gut.

Anfang Jahr hat sich das Bundesamt für Polizei (FEDPOL) vollständig aus den verdachtsunabhängigen verdeckten Ermittlungen in einschlägigen Chats, Foren und anderen Netzwerken von Pädokriminellen zurückgezogen. Die beim Fedpol angesiedelte Koordinationsstelle für Internetkriminalität (Kobik) hatte diese Ermittlungen während Jahren übernommen. Die Spezialtruppe wurde inzwischen aber aufgelöst.

Neu sind die Kantone zuständig. Sie haben dazu das Netzwerk Digitale Ermittlungsunterstützung Internetkriminalität (Nedik) gegründet.  

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Otto Hostettler, Redaktor

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