Milchprodukte, Frühstücksflocken, Fruchtsäfte - vieles ist heute mit Vitaminen und Mineralstoffen aus der Pharmaindustrie angereichert. Ein lukratives Geschäft. Eltern kaufen diese Produkte, weil sie sich von den angegebenen Zusatzstoffen erhoffen, dass sie der Gesundheit ihrer Kinder förderlich sind. Ganz nach dem Motto: «Nützt es nichts, so schadets nichts.» Das ist aber nur bedingt so.

Industriell aufgepeppte Lebensmittel sind von unterschiedlicher Qualität. Jene für Babys und Kinder bis zum dritten Lebensjahr sind in der Regel problemlos. Alle andern können nicht pauschal empfohlen werden, denn zu oft ist die Beigabe von Vitaminen und Mineralstoffen willkürlich. Die möglichen Folgen:

  • Überversorgung: Laut Studien des Instituts für Kinderernährung in Dortmund nehmen Kinder bei ausgewogener Ernährung genügend Vitamin A, C, B1, B2, B6 und Niacin auf. Konsumieren sie zusätzlich angereicherte Lebensmittel, nehmen sie unnötigerweise etwa 20 bis 50 Prozent mehr dieser Vitamine zu sich. Mehr noch: Vitamine werden mit der Lagerung abgebaut. Deshalb wird den Lebensmitteln bei ihrer Produktion oft mehr zugesetzt, als angegeben ist. Das kann zu Überdosierungen führen. Zwar wird ein Zuviel an wasserlöslichen Vitaminen wie Vitamin C über die Nieren wieder ausgeschieden. Aber das bedeutet für diese unnötige Mehrarbeit. Vitamin A oder gewisse Mineralstoffe können, im Übermass konsumiert, sogar gesundheitliche Störungen verursachen.
  • Mangelerscheinungen: Bleiben die angereicherten Lebensmittel hingegen im Schrank liegen, enthalten sie von manchen Vitaminen bald nicht einmal mehr die Hälfte der auf der Packung angegebenen Menge. Eltern irren, wenn sie davon ausgehen, dass ihr Kind trotzdem genug von den gesunden Zusatzstoffen abbekommt.

Auch sollten nicht alle Vitamine und Mineralstoffe miteinander kombiniert werden. Denn bei gleichzeitiger Einnahme fördern oder stören sie sich gegenseitig.

Am sinnvollsten sind für Kinder Extraportionen Folsäure und Vitamin E. Und Kalzium oder Eisen (nicht gleichzeitig!) ist dann nützlich, wenn auf dem Speiseplan Milch und Milchprodukte oder Fleisch fehlen.

Doch kein noch so aufgepepptes Lebensmittel kann eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung ersetzen. Das gilt auch heute noch. Vor allem Früchte, Gemüse und Salat sind durch nichts zu ersetzen. Denn sie enthalten viele Substanzen, die vor verschiedenen Krankheiten schützen. Die Pharmaindustrie ist nicht in der Lage, sie zu kopieren und Lebensmittel damit anzureichern.

  • Essen die Kinder ausgewogen und vielseitig, sind weder angereicherte Lebensmittel noch Vitamin- und Mineralstoffpräparate nötig.

  • Sehr einseitig essende Kinder sollten die fehlenden Mineralstoffe und Vitamine gezielt und nach Absprache mit einer Ärztin erhalten.

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