Wenn Erziehung zur Überlebensstrategie wird
Der Trend, Kinder vom Sofa aus zu bespassen, wirkt kurios, hat aber einen ernsten Kern: Eltern sind am Limit. Warum «Spielen im Liegen» legitime Notwehr ist.
Veröffentlicht am 11. Januar 2026 - 06:00 Uhr

In der Hängematte abhängen und sich von den Kindern schaukeln lassen: so geht Horizontal Parenting.
Seid ihr auch so erschöpft vom ewigen Spagat zwischen Erziehung, Haushalt, Beruf und Partnerschaft? Viele Eltern wünschen sich, einfach mal einen Tag auf der faulen Haut zu liegen. Mit Kindern ein Ding der Unmöglichkeit – oder? Nicht für Eltern, die «Horizontal Parenting» beherrschen.
Was ist «Horizontal Parenting»?
Horizontal was? «Horizontal Parenting» lässt sich am ehesten übersetzen als «Erziehung in der Waagerechten». Man ahnt es bereits: Der Begriff fasst zusammen, wie müde Eltern ihren Nachwuchs liegend und fast schon ohne einen Finger zu rühren beschäftigen können.
«Elternsein ist hart, wie kann man es einfacher gestalten?»
Michelle Woo, Autorin «Horizontal Parenting»
Erstmals taucht der Begriff 2019 in einem Beitrag auf Lifehacker.com auf. «Horizontal Parenting» ist jedoch auch der Titel eines Eltern-Ratgebers aus dem Jahr 2021, der zusammenfasst, wie man Kinder bespassen kann, wenn man eigentlich zu müde dafür ist.
Geschrieben hat das Buch die amerikanische Journalistin und Autorin Michelle Woo. Selbstverständlich mit einem Augenzwinkern, denn Erziehung ohne Humor geht sowieso nicht, aber auch, weil eine ernsthafte Frage sie antreibt, seit sie Mutter ist: «Elternsein ist hart, wie kann man es einfacher gestalten?»
Seit der Begriff «Horizontal Parenting» existiert, übertrumpfen sich Eltern im Internet mit Ideen, wie das funktionieren kann. Hier zehn Beispiele, die uns gefallen:
1. Pink Panther: Legt euch aufs Sofa und weist die Kinder an, ein Pink-Panther-Training zu absolvieren. Dabei müssen sie sich ganz in Rosa kleiden, so leise wie möglich durch die Wohnung schleichen und dürfen auf keinen Fall zu hören sein. Machen sie ein Geräusch, müssen sie nochmal von vorne anfangen. Schlaft ihr ein, haben sie gewonnen!
2. Verkehrte Vorlesewelt: Lasst euch einfach von Kindern ein Buch vorlesen oder erzählen. Die meisten lieben das.
3. Schlafender Drache: Ihr wisst schon, der der 1000 Jahre in seiner Höhle schläft. Ihr lasst eure Kinder aus Decken und Sofakissen eine Höhle bauen und legt euch rein zum Dösen.
Wer erledigt was im Haushalt? Diese Frage löst bei Paaren oft Verstimmungen aus. In unserer Vorlage «Den wöchentlichen Arbeitsaufwand im Haushalt bestimmen» verschaffen sich Paare einen Überblick und können Tätigkeiten zeitlich notieren.
4: Offroad-Piste: Legt euch hin und lasst eure Kinder mit Spielzeugautos über euren Rücken und die Beine fahren. Gratis Massage inklusive.
5. Kuscheliger Ratespass: Ebenfalls auf dem Bauch liegend können die Kinder mit dem Finger Figuren auf euren Rücken «malen» und ihr ratet dann, was sie gezeichnet haben.
6. Dornröschen: «Kommt, wir spielen 100-Jahre-Schlafen wie Dornröschen. Wer sich als bewegt, hat verloren!»
7. Wellness-Oase: Das Kind ist Fussmasseur/in, Mama oder Papa spielen die Kundschaft.
8. Rollenspiel Restaurant: Heute serviert mal das Kind den Zvieri. Es darf eine Speisekarte erstellen und nimmt die Bestellung auf. Wenn die Kinder älter werden, und Messer oder Bratpfanne bedienen können, kann man das Spiel aufs Dinner ausweiten.
9. Stopptanz: Die Eltern bedienen vom Sofa aus die Musik, die Kinder tanzen, bis die Musik stoppt. Dann müssen sie in den komischsten Körperpositionen «einfrieren», bis Mama oder Papa wieder «Play» drücken.
10. Friseursalon: Nichts gemütlicher, als wenn einem kleine Hände in den Haaren herumwuseln, während man die Augen schliessen kann.
Faule Eltern müssen übrigens kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie regelmässig den Freuden des «Horizontal Parenting» frönen. Im Gegenteil. Wer im Familienalltag ein gesundes Mass an Faulheit lebt, tut seinen Kindern damit einen Gefallen.
Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf «schweizer-illustrierte.ch» erschienen.
Was halten Sie von «Horizontal Parenting»? Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Erziehung, Haushalt, Beruf und Partnerschaft? Teilen Sie Ihre Meinung in der Kommentarspalte.




