«Ich fahre doch nicht mit dem kaputten Auto in die Schweiz. Wenn dann auf der Autobahn etwas passiert, bin ich der Depp», ärgert sich Alfred Weis. 

Er wohnt in Aarau, hat aber Wurzeln in Österreich, weshalb er regelmässig in Kärnten ist. Im Herbst fuhr ihm dort ein anderer Lenker in seinen parkierten Wagen. Beide Autos wurden beschädigt, bei Weis war unter anderem die Stossstange gerissen. 

Versicherung will keine Mehrwertsteuer zahlen

Wie sich herausstellte, war auch der Unfallverursacher ein Schweizer und bei der Zurich versichert. Ein Problem, wie sich bald darauf zeigte.

Partnerinhalte
 
 
 
 

Die Zurich wies Weis an, sein beschädigtes Auto in die Schweiz zu bringen, damit ein Schadenprüfer es einschätzt. Doch Weis wollte nicht 700 Kilometer mit einem kaputten Auto fahren. «Das war mir zu riskant.» Also liess er sein Fahrzeug in Klagenfurt reparieren, in Absprache mit der Zurich. 

Doch dann weigerte sich die Versicherung, die Mehrwertsteuer zu übernehmen. Eine entsprechende Mail der Zurich liegt dem Beobachter vor.  

Chatbot Rechtsberatung

Auf 600 Euro sitzenbleiben

Der Normalsteuersatz beträgt in Österreich 20 Prozent, bei einer Rechnung von über 3000 Euro macht das 600 Euro aus. «Es kann doch nicht sein, dass ich als Geschädigter auf diesem Betrag sitzenbleibe, nur weil der Unfall in Österreich passiert ist und ausgerechnet ein Schweizer Lenker mit einer Schweizer Versicherung ihn verursacht hat», sagt Weis. 

Doch am Telefon beharrte der Zurich-Mitarbeiter darauf, der Autogarage nur den Betrag ohne Mehrwertsteuer zu zahlen. Um die 600 Euro zurückzubekommen, müsse Weis die Rechnung zuerst selber bezahlen, dann das Auto in die Schweiz ausführen, die Reparatur verzollen und dann den Betrag von der Firma in Klagenfurt zurückverlangen. Es gebe aber gar keine gesetzliche Grundlage, die diese dazu verpflichtet hätte, es auch tatsächlich zu tun. Und wenn, dann würde nur Mehrwertsteuer für Ersatzteile erstattet, nicht für Arbeitszeit, findet Alfred Weis heraus. 

Versicherung krebst zurück

Was ihn irritiert: Bei einem Schaden an einem Fahrzeug aus Österreich müsste die Schweizer Versicherung den vollständigen Betrag begleichen. Oder wenn der Unfallverursacher ein Österreicher gewesen wäre – dann hätte eine österreichische Versicherung den ganzen Schaden ersetzt. Auch die Garage in Klagenfurt und das österreichische Zollamt hätten sich die Argumentation der Zurich nicht erklären können, sagt Weis. Doch auch mehrere Telefonate mit der Versicherung führten zu keiner Einigung. 

Erst als der Beobachter die Versicherung damit konfrontiert und nach der gesetzlichen Grundlage fürs Nichtübernehmen der Mehrwertsteuer fragt, geht es schnell. Alfred Weis bekommt einen Anruf: «Die haben sich in aller Form bei mir entschuldigt und eine Menge fauler Ausreden vorgebracht. Ich soll demnächst sogar noch einen Gutschein für die Umstände bekommen.»

Dem Beobachter will die Zurich-Versicherung die gestellten Fragen nicht beantworten. Eine Mediensprecherin antwortet nur knapp: «Wir haben uns für diesen Fehler bei Herrn Weis entschuldigt und die Sache bereits mit ihm geregelt.»

Sie finden diesen Text nützlich?

Abonnieren Sie kostenlos den Newsletter «Alles im Griff». Er liefert wöchentlich die besten Tipps und Ratgeber des Beobachters – und spart Ihnen Geld, Zeit und Nerven.

 


Wenn Sie diesen Newsletter abonnieren, erklären Sie sich mit unseren Richtlinien zum Datenschutz einverstanden.

 

Quellen
  • E-Mails der Zurich-Versicherung
  • Rechnung der Autogarage in Österreich an Alfred Weis
  • Rechnung über die offene Umsatzsteuer von der österreichischen Autogarage an Alfred Weis