Stefan Leuenberger drückt vergeblich auf den Knopf. Die Live-Navigation reagiert nicht. Sein BMW i3 bleibt stumm. Seit Jahresbeginn ist sein Auto offline. Grund: Das 3G-Mobilfunknetz ist in der Schweiz seit Anfang Jahr Geschichte.

Live-Navigation und E-Call ade

Leuenberger hat seinen Wagen im Jahr 2016 gekauft und freute sich über die digitalen Funktionen: das automatische Notrufsystem E-Call oder die Live-Navigation. «Diese Dienste waren zum Kaufzeitpunkt integraler Bestandteil des Leistungsumfangs und trugen wesentlich zu meiner Kaufentscheidung bei», schreibt er dem Beobachter.

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Leuenberger suchte das Gespräch mit dem Hersteller, um über eine Nachrüstung auf moderne 4G- oder 5G-Module zu verhandeln. Die Antwort von BMW findet er ernüchternd: Eine technische Umrüstung sei nicht vorgesehen. Die Netzbetreiber seien verantwortlich und hätten das Problem verursacht.

Hersteller verweisen auf Netzwerkbetreiber

Der Beobachter hat andere grosse Automarken gefragt, welche Lösungen sie ihren Kundinnen und Kunden anbieten. Die Reaktionen waren – ähnlich wie bei BMW – sehr zurückhaltend. Auch Mercedes schreibt, eine technische Nachrüstung der Fahrzeuge sei nicht möglich. Emil Frey, Importeur von Marken wie Toyota, Subaru und Citroën, empfiehlt Kundinnen und Kunden, sich bei ihrer Garage zu melden – ohne zu spezifizieren, wie es dann weitergehen soll.

Peugeot arbeitet nach eigenen Angaben an einer technischen Lösung – und empfiehlt den Besitzern ebenfalls, sich bei der Garage zu melden. Bei VW, Skoda und Seat gibt es gemäss Amag für einige Modelle die Möglichkeit, mittels Software-Update die Steuergeräte auf 4G aufzurüsten. Auch Amag empfiehlt den Besuch in der Markengarage.

Aus rechtlicher Sicht haben die Autofahrerinnen und Autofahrer gemäss TCS keinen Hebel in der Hand. Ein Mangel liege nur vor, wenn das Produkt bereits zum Zeitpunkt des Kaufs fehlerhaft war. 3G habe zum Verkaufszeitpunkt dem Stand der Technik entsprochen und einwandfrei funktioniert. Dass externe Netzbetreiber Jahre später eine Technologie einstellen, falle nicht in die Gewährleistungspflicht des Autoherstellers.

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Pragmatische Lösungen sind gefragt

Besonders kritisch ist die Situation beim automatischen Notrufsystem E-Call. Bei Fahrzeugen, die ausschliesslich über das 3G-Netz kommunizieren, wird im Falle eines schweren Unfalls kein automatischer Notruf mehr abgesetzt. Dies stellt ein reales Sicherheitsrisiko dar, da im Ernstfall wertvolle Zeit verloren gehen kann.

Da teure Nachrüstungen oft nicht verfügbar oder unverhältnismässig kostspielig sind, rät der TCS zu einer pragmatischen Lösung: Autofahrerinnen und Autofahrer sollten für Navigation und Infotainment konsequent auf das Smartphone setzen. Mobile Apps sind meist aktueller und leistungsfähiger als die fest verbauten Systeme.

So hat es auch Stefan Leuenberger gemacht. «Ich nutze jetzt für die Navigation die Karten von Google. Die Angaben zur Verkehrslage scheinen mir ohnehin präziser zu sein als die des alten BMW-Systems.»

Quellen