UnfallversicherungKnie kaputt: Unfall oder nicht?

Die Unfallversicherung erbringt nur Leistungen, wenn das Ereig­nis, das zur Verletzung führt, bei rechtlicher Prüfung als Unfall betrachtet wird. Bild: Thinkstock Kollektion

Nicht alles, was aussieht wie ein Unfall, ist auch einer – zumindest im rechtlichen Sinn. Je nachdem zahlt die Versicherung. Oder auch nicht.

von Dana Martelliaktualisiert am 2016 M01 12

«Grüezi Herr Doktor, ich hatte einen Unfall.» So melden sich viele Patienten beim Arzt. Er wird nicht widersprechen – die Versicherung vielleicht schon. Denn längst nicht alles, was umgangssprachlich als Unfall bezeichnet wird, ist auch aus rechtlicher Sicht einer. Massgeblich ist der Hergang des Ereignisses, das zur Verletzung führt – unter anderem der «ungewöhnliche äussere Faktor».

Darauf kommt es an

Was ist ein Unfall? Die Versicherung erbringt nur Leistungen, wenn das Ereig­nis, das zur Verletzung führt, bei recht­licher Prüfung als Unfall betrachtet wird. Dazu muss Folgendes erfüllt sein:

  • Ein äusserer Faktor wirkt auf den Körper ein (also nicht aus dem Körperinneren heraus).
  • Die Einwirkung ist plötzlich (also nicht schleichend, stetig).
  • Der Faktor wirkt unabsichtlich auf den Körper ein.
  • Der äussere Faktor ist ungewöhnlich (muss also den Rahmen des Alltäg­lichen oder Üblichen sprengen).
  • Die Einwirkung führt zu einer Verletzung am Körper, an der Seele oder der Psyche oder hat den Tod zur Folge.
loading...

Was ist ein unfallähnliches Ereignis? Die Unfallversicherung erbringt nicht nur Leistungen, wenn ein Unfall im rechtlichen Sinn vorliegt, sondern schon bei einem sogenannten unfallähnlichen Ereignis. Bei einem solchen sind alle Voraussetzungen für einen Unfall erfüllt – ausser der Ungewöhnlichkeit; es darf sich zudem nicht um einen durch Krankheit oder Degeneration verursachten Körperschaden handeln. Beim unfallähnlichen Ereignis muss der ­äussere Faktor ein gesteigertes Schädigungspotenzial aufweisen. Dieses kann in einem erhöhten Krafteinsatz oder einer intensiven Bewegung liegen.

Die Verletzungen, bei denen die Unfallversicherung auch ohne Vorliegen einer Ungewöhnlichkeit Leistungen erbringt, sind in der Verordnung zum Unfallversicherungsgesetz abschliessend aufgezählt: Knochen­brüche, Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse, Muskelrisse, Muskelzerrungen, Sehnenrisse, Bandläsionen und Trommelfellverletzungen.

Unfallversicherung oder Krankenkasse? Die Unfallversicherung erbringt Leistungen, wenn der Unfall oder das unfallähnliche Ereignis die Verletzung verursacht hat (sogenannter Kausalzusammenhang). Wenn nicht, ist die Krankenkasse zuständig. Doch das hat Nachteile: Der Versicherte muss Franchise und Selbst­behalt selber tragen – und erhält beispielsweise weder Taggeld noch Rente.

Wie kann man sich wehren? Falls die Unfallversicherung ablehnt, Leistungen zu erbringen, muss sie das in einer Verfügung schriftlich mitteilen. Wer damit nicht einverstanden ist, kann innert 30 Tagen Einsprache erheben. Das Verfahren ist kostenlos. Erst vor Bundesgericht wirds kostenpflichtig.

Buchtipp

Krankheit oder Unfall - wie weiter im Job?

Das gilt, wenn Sie nicht arbeiten können

Mehr Infos

Krankheit oder Unfall - wie weiter im Job?
Krankheit oder Unfall - wie weiter im Job?