Zwei Männer aus dem Kanton Graubünden träumten vom grossen Coup: einem exklusiven Konzert mit der legendären Band Abba in Davos. Die Planung lief bereits auf Hochtouren, die Eishalle war angefragt, die Euphorie grenzenlos.

Einer der Männer ist verbeiständet, der andere leidet an Frühdemenz. Doch das hinderte sie nicht daran, eigene Ersparnisse einzusetzen und sich zusätzlich Geld von Bekannten zu leihen. Tausende von Franken überwiesen sie so, um die vermeintlichen Superstars zu bezahlen. Die beiden waren überzeugt, direkt mit einer der Sängerinnen von Abba, Agnetha Fältskog, zu kommunizieren.

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Über Facetime standen sie in Kontakt mit einer Frau, die aussah und klang wie die Schwedin. Was sie nicht ahnten: Sie sprachen mit Betrügern, die Deepfake-Technologie nutzten. Ein digitales Gesicht wurde über das eigene gelegt, die Stimme moduliert. Im neuen Video von «Izzy» klärt Reporter Cedric Schild die beiden Männer über die Betrugsmasche auf.

Geschenkkarte als Währung

Besonders spannend ist der Weg des Geldes, den die «Izzy»-Reportage nachzeichnet. Die falsche Agnetha forderte keine Banküberweisung, sondern Apple-Geschenkkarten. Immer wieder kauften die Männer diese Karten, fotografierten die Codes und schickten sie an ihre «Agnetha».

SPERRFRIST: 30.1.2026
Abba in Davos: Warum Betrüger so auf Apple-Cards stehen
Pressebilder izzy Projects

Um die Masche zu verstehen, telefoniert Cedric Schild selbst mit dem Fake-Account. Schnell kommen auch bei ihm die Forderungen nach Apple-Karten.

Quelle: izzy Projects

Warum ausgerechnet diese Karten? Thomas Angeli, Journalist beim Beobachter, erklärt im Video den Hintergrund: «Es ist praktisch nicht nachverfolgbar.» Im Gegensatz zu Banktransaktionen hinterlassen die Codes kaum Spuren. Denn: «Bei der Erstellung eines Apple-Accounts muss man sich nicht amtlich identifizieren.»

Zwar registriert Apple, welcher Account den Code einlöst. Allerdings nutzen die Täter praktisch immer Accounts mit falschen Namen und löschen diese nach dem Einlösen eines Gutscheins wieder. Die Spur führt ins Leere.

Der Trick mit dem Eigenkauf

Die Betrüger machen aus den Codes echtes Geld, indem sie irgendein Lied oder eine App im Store hochladen. Sie fungieren also selbst als Entwickler oder Musiker auf der Plattform.

Sobald sie die Codes der Opfer haben, nutzen sie dieses Guthaben, um ihre eigenen Produkte massenhaft selbst zu kaufen. Ein Beispiel: Die Betrüger stellen einen Song für 20 Franken online. Mit dem gestohlenen Code kaufen sie diesen Song. Das Geld fliesst somit offiziell als Einnahme aus einem digitalen Verkauf an sie zurück.

Da die Käufe technisch gesehen legitim ablaufen, ist es für die Plattformbetreiber schwer zu erkennen, dass dahinter ein Betrugsnetzwerk steckt.

Für die beiden Bündner endete der Traum im finanziellen Desaster. Das Konzert in Davos wird nie stattfinden.

So vermeiden Sie, Opfer von Promi-Scamming zu werden
  • Auf sozialen Plattformen keine Freundschaftsanfragen von Fremden annehmen.
  • Hinterfragen Sie die Motivation von attraktiven Fremden ohne Bezug zu Ihrem Leben, mit Ihnen in Kontakt treten zu wollen.
  • Beenden Sie den Kontakt sofort, wenn Geld oder Güter verlangt werden. 
  • Geben Sie nie Ihr Konto für fremde Transaktionen her. 
  • Versenden Sie keine intimen Bilder. 
  • Denken Sie daran, dass im Internet alles gefälscht sein kann, einschliesslich Bilder, Face-Time-Videos und Dokumente.
Quelle
  • «Izzy»: Film «Die Promi-Scammer»