Gerade besuchen viele Schwimmerinnen und Schwimmer das Freibad. Wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es auch Ärger. Die inoffiziellen Benimmregeln des Beobachters erklären, wie man stets ein höflicher Badegast bleibt.

1. Grüssen oder nicht grüssen?

In der Schweiz gibt es die Angewohnheit, sich bei jeder Gelegenheit zu grüssen: beim Spazieren, beim Wandern, beim Joggen. Und beim Schwimmen? Dort wird stumm nebeneinander hergeschwommen. Zumindest in den städtischen Freibädern. Klar, ab einer gewissen Frequenz von Menschen begrüsst man sich auch zu Fuss nicht mehr. Mehr als ein Mensch pro Minute würde die Gruss-Kapazität eindeutig überschreiten. Doch es gibt im Freibad auch Zeiten, wo man nur wenige Menschen antrifft, zum Beispiel frühmorgens. Dann wäre ein «Grüezi» oder «Guete Morge» doch für den höflichen Badegast angebracht, bevor man stumm seine Bahnen zieht.

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2. Duschen

Diese Regel ist zwar bereits hochoffiziell (also obligatorisch!), aber sie wird dennoch gern missachtet: die Duschpflicht vor dem Schwimmen. Die ungeduschten Übeltäter sind jeweils sofort identifizierbar: wenn deren Schweiss oder Parfümwolke beim Vorbeischwimmen zu riechen ist. Igitt!

3. Dresscode

Diese Regel gilt für (jugendliche) Männer: In Frankreich gibt es ein Verbot von weiten Badeshorts. In den dortigen Schwimmbädern sind nur eng anliegende Badeshorts erlaubt, da diese unter anderem besser für das Schwimmen geeignet sind. Und: Sie sind hygienischer! Die engen Höschen erlauben es nicht, darunter zusätzlich Unterhosen anzuziehen. Zudem sind die Höschen auch wesentlich ästhetischer. Belegbar ist diese Aussage allerdings nicht.

4. Körperflüssigkeiten

Beim Ausatmen unter Wasser, durch Nase oder Mund, kommt es vor, dass etwas Rotz oder Spucke mitkommt. Das lässt sich wohl kaum verhindern. Absichtlich ins Wasser zu spucken, ist hingegen ein absolutes No-Go!

5. Noch mehr Körperflüssigkeiten

Es gibt den Fall, dass man während des Schwimmens in einen Flow kommt und die Blase währenddessen drückt. Was tun? Auf keinen Fall ins Chlorwasser pinkeln! Nie. Gemäss einer Umfrage von «20 Minuten» aus dem Jahr 2024 pinkelt jeder fünfte Mensch im Freibad ins Wasser. Deshalb die Regel: vor dem Schwimmen aufs Klo gehen, ob man gerade muss oder nicht. Wer in Pipi schwimmen möchte, soll ins Kinderbecken wechseln.

6. Körperhaare

Wer in Freibädern schwimmt, freut sich an klarem, sauberem Wasser. Und wer Sportschwimmen geht, also mit Schwimmbrille, sieht auch, was unter Wasser alles so schwimmt: Pflaster, Haargummis, Hautschuppen. Vor allem aber: Haare. Muss das sein? Ein Vorbild ist Italien: Die Freibäder in Italien empfehlen Schwimmerinnen und Schwimmern eine Badekappe, teilweise ist das Tragen sogar Pflicht. Eine Empfehlung, die auch hierzulande angebracht wäre.

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7. Die richtige Schwimmbahn

Normalerweise gibt es im Freibad mindestens zwei Schwimmbahnen: eine für Tempo und eine für Freistil. Manchmal gibt es auch noch eine Bahn für Krauler. Bei der Auswahl der Bahn gilt: sich nicht zu über-, aber auch nicht zu unterschätzen. Brustschwimmerinnen sowie Rückenschwimmer sollten nicht die Kraulbahn und womöglich auch nicht die Tempobahn auswählen. Denn wer krault, ist in der Regel schneller. Unklar ist, welcher Typ Schwimmer auf die Freistilbahn gehört: Was ist zum Beispiel mit den schnellen Brustschwimmern? Oder der fragwürdigen Schwimmer-Spezies, die den Kopf während des Brustschwumms nicht ins Wasser taucht? (Aua, Nacken!) Die Regel: Wenn man merkt, dass man ständig überholt wird, sollte man vielleicht darüber nachdenken, die Bahn zu wechseln. Und wenn man selber ständig jemanden überholt, ebenfalls.

8. Wann (nicht) schwimmen?

«In das gemeinsame Baden, das Teilen des Wassers, kann man viel hineinlesen – es ist ein Akt des Einanderakzeptierens», schreibt die Autorin Bonnie Tsui in ihrem Buch «Warum wir schwimmen». Die Akzeptanz stösst allerdings an Grenzen, zumindest dann, wenn man nach der Arbeit seine Bahnen im Wasser ziehen möchte und sich dabei wie eine tote Sardine fühlt: zusammengepfercht in einem Rechteck, Flosse an Flosse. Wenn ich schwimme, möchte ich weder Füsse noch Arme im Gesicht. Was dagegen hilft? Wenn möglich die Randzeiten zum Schwimmen benutzen. Oder frühmorgens in den See oder Fluss springen, wenn die Freibäder noch geschlossen haben. So gibt es sie vielleicht noch, die Momente, in denen man sich frei im Wasser fühlt.

Ihre Meinung ist gefragt

Gibt es noch andere Ärgernisse in öffentlichen Bädern, mit denen Ihrer Meinung nach endlich Schluss sein muss? Verraten Sie es uns in den Kommentaren.