Für einen Liter Diesel zahlt man derzeit durchschnittlich Fr. 2.46, für den Liter Benzin Fr. 2.14. Während diese Entwicklung das Budget aller Autofahrer belastet, trifft sie fahrintensive Branchen besonders hart.

Am Beispiel der Fahrschulen wird die alltägliche Mehrbelastung konkret spürbar. Dario Lichtensteiger, ausgebildeter Fahrlehrer und Gründer des Fahrschulmarktplatzes Drivelab, erklärt im Interview mit dem Beobachter die Auswirkungen auf die Branche.

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Herr Lichtensteiger, wie viele Partnerfahrschulen von Drivelab spüren die aktuellen Rekordpreise an den Zapfsäulen?
Zwei Drittel der Fahrzeuge auf unserer Plattform fahren mit Verbrennungsmotor. Der restliche Drittel ist elektrisch unterwegs und bleibt deshalb von den aktuellen Treibstoffpreisen verschont.

Zur Person

Wie sieht die Verbrauchsrechnung einer typischen Fahrstunde aus?
Im Schnitt legt ein Fahrschulauto inklusive An- und Rückfahrt etwa 20 Kilometer pro 45-Minuten-Lektion zurück. Der Verbrauch liegt dabei im Schnitt bei etwa elf Litern Benzin auf 100 Kilometer. Das klingt hoch, ist im Fahrunterricht wegen des ständigen Manövrierens, Parkierens und des dichten Stadtverkehrs jedoch realistisch. Autobahnfahrten machen nur etwa jede vierte Lektion aus.

Können Sie uns vorrechnen, welchen Effekt die Rekordpreise konkret in einer einzelnen Lektion haben?
Wir rechnen hierbei mit Benzin der Sorte Bleifrei 95: Bei einem Verbrauch von elf Litern auf 100 Kilometer benötigt ein Schulfahrzeug auf den 20 Kilometern einer Fahrstunde 2,2 Liter Benzin. Durch den Preisanstieg seit Anfang Jahr fallen pro Lektion somit Fr. 1.03 an Mehrkosten an. Bei Dieselfahrzeugen ist der Verbrauch mit etwa acht Litern auf 100 Kilometer zwar geringer, durch den deutlichen Preisanstieg von Fr. 1.79 auf Fr. 2.46 pro Liter fallen die Mehrkosten pro Lektion hier mit Fr. 1.07 aber noch etwas höher aus.

Wie summiert sich das auf den Monat?
Wenn man von einem voll ausgelasteten Pensum ausgeht – also zehn Lektionen am Tag an 20 Tagen im Monat –, fährt eine Fahrlehrperson rund 4000 Kilometer monatlich. Die monatlichen Benzinkosten steigen im Modell von vorher 735 auf neu 942 Franken an. Das ergibt eine monatliche Mehrbelastung von 207 Franken pro Fahrlehrperson. Beim Diesel sind es 214 Franken Mehrkosten im Monat.

Wandern diese Mehrkosten zu den Fahrschülerinnen und Fahrschülern? 
Aktuell noch nicht: Keine unserer Partnerfahrschulen, die mit Verbrennungsmotor fahren, hat wegen der Spritpreise die Tarife erhöht. Die Differenz fangen die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer momentan selbst auf.

Mit welchem Szenario rechnen Sie für die Zukunft? 
Sollten die Treibstoffpreise langfristig so hoch bleiben, gehe ich davon aus, dass einige Fahrschulen ihre Preise auf das neue Jahr hin anpassen werden. Das ist aber eine Vermutung meinerseits – wir werden sehen, wie sich die Preise entwickeln werden.