Was alles in Schweizer Ubers liegen bleibt
Schweizer lassen oft etwas in einem Uber-Auto liegen: Besonders schusselig sind Zürcher. Doch wie bekommt man verlorene Gegenstände zurück? Und muss man Finderlohn zahlen?

Veröffentlicht am 11. Juni 2026 - 14:11 Uhr

Manche vergessen das Smartphone im Uber-Auto, andere den Laptop. Aber einen Pudel?!
Raus aus dem Uber, die Tür fällt ins Schloss, geschafft! Doch während der Chauffeur Gas gibt, folgt der Schock: Die Handtasche ist verdächtig leicht. Da fehlt doch etwas? Im besten Fall nur die Wasserflasche, im schlimmsten Fall das Smartphone oder das Portemonnaie. Jetzt helfen weder Fluchtiraden noch ein spontaner Sprint. Blöd gelaufen.
Immerhin: Sie sind mit der Misere nicht allein. Der Fahrdienstleister Uber hat zum zehnten Mal seinen «Lost & Found Index» veröffentlicht. Mit 7000 Verlustmeldungen im letzten Jahr belegt die Schweiz den 13. Platz im internationalen Vergesslichkeitsranking. Besonders schusselig sind die Fahrgäste im Kanton Zürich, dicht gefolgt von Genf und Lausanne. Am seltensten bleibt im Appenzell, in Uri und im Thurgau etwas liegen.
Vom Schlüssel bis zur Silbermedaille – häufige und kuriose Funde
Dass Smartphones, Portemonnaies, Schlüssel oder Brillen im Auto liegen gelassen werden, überrascht niemanden. Manchmal lassen Schweizer Passagiere aber Dinge zurück, die Rätsel aufgeben. Zu den kuriosesten Fundstücken der Schweiz gehören laut «20 Minuten»:
- eine Silbermedaille einer Schweizer Meisterschaft
- eine Kaffeemaschine
- eine Piccolo-Flöte
- ein Gemälde
- eine Garagenfernbedienung
In den USA wirds – wen überraschts? – noch skurriler:
- 420 Donuts
- eine Zahnprothese mit zwei Zähnen
- ein grosses Gemälde, das Kate Middleton zeigt
- ein 283-Liter-Aquarium
- ein Zwergpudel
Egal, ob Aquarium oder Smartphone, der Schreck im ersten Moment ist der gleiche. Wie bekomme ich mein Eigentum zurück?
So bekommen Sie Ihre Sachen wieder
Wenn das Auto weg ist, zählt jede Minute. Die schnellste Rettung bietet die Uber-App: Unter dem Menüpunkt «Aktivitäten» wählen Sie Ihre Fahrt aus, klicken auf «Verlorenen Gegenstand suchen» und kontaktieren die Fahrerin oder den Fahrer. Sobald das Personal den Fund bestätigt, können Sie die Übergabe vereinbaren. Ganz gratis ist der Service nicht. «Die Extrafahrt müssen Sie natürlich bezahlen», sagt Nicole Müller, Rechtsexpertin beim Beobachter.
Aber sie hat auch eine gute Nachricht: «Ein Finderlohn wird nicht fällig.» Der Grund: Ein Uber-Auto ist ein Fahrzeug eines privaten Unternehmens. Wer dort etwas verliert, lässt es im Herrschaftsbereich des Transportunternehmens liegen. «Rechtlich gesehen gilt deshalb nicht der nächste Fahrgast als Finder, sondern das Unternehmen Uber selbst», erklärt Nicole Müller. Das sei genau wie bei Sachen, die man zu Hause verliert und wiederfindet: «Hausbesitzer haben für Funde in den eigenen Räumen keinen Anspruch auf Finderlohn – und Uber entsprechend auch nicht.» Das Sichern liegen gelassener Dinge gehört dort schlicht zu den alltäglichen Pflichten.
Der beste Tipp – ein Blick zurück
Die rechtliche Lage ist also entspannt – und dennoch ist der Verlust ärgerlich. Wer sich den Stress mit der App und die Kosten für die Extrafahrt des Chauffeurs sparen will, beherzigt den einfachsten aller Ratschläge: Ein kurzer Blick zurück auf die Rückbank vor dem Zuschlagen der Tür wirkt Wunder.
- Uber: Lost & Found Index von Uber für die Schweiz: Von Silbermedaillen bis Kreditkartengeräte
- «20 Minuten»: Uber veröffentlicht Liste der 14 schrägsten vergessenen Sachen
- Schweizerisches Zivilgesetzbuch: Fund, Art. 720 ff.




