Olivier Gaide, wie schützen Sie sich bei 30 Grad draussen gegen die Sonne?
Warum sollte ich bei 30 Grad überhaupt an die pralle Sonne gehen? Bei diesen Temperaturen sollte man schlicht nicht den ganzen Tag draussen verbringen. Wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, greife ich zum Schutz und kleide mich entsprechend. Kleidung schützt besser gegen braune Flecken, Falten, Hautkrebs und Sonnenbrand als jede Sonnencreme.

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Zur Person

Dennoch vertrauen viele Menschen auf die Tube. Weshalb ist es wissenschaftlich eigentlich so extrem schwierig nachzuweisen, dass Sonnenschutzmittel nicht ausreichend vor Hautkrebs schützt?
Das hat zwei Hauptursachen. Die erste liegt beim Menschen selbst: Um einen eindeutigen Beweis zu führen, bräuchte es eine ideale Langzeitstudie über 20, 30 oder 40 Jahre. Solche Studien existieren schlicht nicht. Sie wären kaum finanzierbar und praktisch kaum durchführbar.

Was ist die andere Ursache?
Der Sonnenschutz. Ältere Studien wurden mit Produkten durchgeführt, die aus heutiger Sicht einen zu niedrigen Schutz hatten: Lichtschutzfaktor 10 bis 15 galt damals als hoch. Man darf deshalb nicht den Fehler machen, aus alten Daten zu schliessen, Eincremen helfe nicht. Der Schutz hängt stark vom gewählten Lichtschutzfaktor und der einzelnen Creme ab.

«Wenn Sie sechs Stunden am See bleiben, ist die Flasche danach leer.»

Nehmen wir nun das konkrete Sommerszenario: 30 Grad, ein Nachmittag am See. Wie viel Schutz braucht unsere Haut wirklich, wenn wir unbedeckt draussen sind?
Für den bewussten Nachmittag am See gilt die Faustregel: alle zwei Stunden eine grosse Menge Sonnencreme auf die unbedeckte Haut auftragen. Also zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. Das ist so viel, dass der Körper danach erst einmal richtig weiss ist. Ich bin 1,72 Meter gross; für meinen Körper entspricht das ungefähr 30 Millilitern, also etwa einem Drittel einer handelsüblichen 100-Milliliter-Flasche. Wenn Sie also sechs Stunden am See bleiben, ist die Flasche danach leer.

Muss man wirklich jeden Tag, auch im Winter, Sonnenschutz auftragen?
Nur wenn man sich in den Bergen in der Sonne aufhält. Dort ist die Luft dünner und lässt mehr UV-Strahlung durch, die zudem vom Schnee reflektiert wird. Und aufgrund der Kälte spüren wir die Infrarotstrahlung nicht und merken daher nicht, dass die Sonne stark scheint.

Und wie sieht es aus, wenn ich den ganzen Tag im Büro sitze?
Im Büro gibt es kaum UV-Licht, sich eincremen bringt daher wenig. Im Gegenteil: In diesem Fall hindert Sonnencreme die Haut daran, Vitamin D zu bilden. Das Vitamin reguliert die Calciumaufnahme und den Phosphathaushalt und ist somit für gesunde Knochen und Zähne wichtig.

Ihre Meinung ist gefragt

Und wie schützen Sie sich vor der Sonne? Schreiben Sie uns in den Kommentaren.

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Quellen