In diesem Frühling trendete ein merkwürdiger Begriff in den sozialen Medien: Mentholzigaretten Tabak Das Spiel mit dem Feuer . Was war passiert? Seit dem 20. Mai gilt in der EU ein Verbot aromatisierter Tabakerzeugnisse. Ein Twitter-Nutzer schrieb: «Zum Glück hat Helmut Schmidt das nicht mehr miterlebt.» Der kettenrauchende Altkanzler, 2015 mit 96 Jahren gestorben, war ein grosser Fan von Mentholzigaretten.

In der Schweiz wehrt sich die Tabaklobby Philip Morris Vernebelungstaktik auf Japanisch bislang erfolgreich gegen ein ähnliches Verbot. Das ärgert Wolfgang Kweitel von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz: «Wir fordern eine sofortige Übernahme der EU-Regelung.» Es dürfe nicht sein, dass die Schweiz bei der Prävention noch mehr ins Hintertreffen gerate.

Genau das droht aber: Im August berät der Nationalrat einen Entwurf zum Tabakproduktegesetz . Griffige Einschränkungen fehlen darin. Kweitel: «In dieser Form wird das Gesetz keine Verbesserungen bringen.» 

Alarmsignale unterdrückt

Was macht Mentholzigaretten so gefährlich? Die Aromen, sagt Kweitel, würden den natürlichen Abwehrreflex des Körpers ausser Gefecht setzen. Wenn ein toxisches Gemisch in die Lunge gelange, sei die normale Reaktion ein Hustenanfall: «Das Gift muss raus.» Aromatisierte Tabakprodukte unterdrücken diese Alarmsignale. Es wird stärker, tiefer inhaliert. «Das vergrössert die Suchtwirkung und verschlimmert die gesundheitlichen Schäden, die sich Raucher mit ihrem Laster zufügen.»

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Besonders perfide: Die Wirkung macht Mentholzigaretten zum idealen Einsteigermodell. Für Kweitel ist deshalb klar, dass die Aromen für die Tabakindustrie vor allem deshalb attraktiv sind, weil damit neue Kunden gewonnen werden können. «Dabei handelt es sich nicht um 55-jährige Fabrikarbeiter, sondern um 16-jährige Schülerinnen und Schüler.» 

Gefordert: Werbeverbot

Das hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkannt. Der diesjährige «Welttag ohne Tabak» am 31. Mai fand unter dem Motto «Protecting youth from industry manipulation» statt. Es gelte, die Jugend vor der Industrie, ihren Produkten und ihrer Manipulation zu schützen. Für die Tabakprävention in der Schweiz ein Steilpass. Neben dem Verbot von Aroma- und Farbstoffen fordert die Organisation in einer Medienmitteilung ein umfassendes Werbe-, Sponsoring- und Promotionsverbot sowie ein Mindestverkaufsalter von 18 Jahren. 

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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