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AlkoholismusWenn der Ehepartner Alkoholiker ist

«Man will das Trinken des Partners kontrollieren, spioniert ihm nach, spürt Flaschen auf.» Christine Harzheim, Psychologin FSP und systemische Familientherapeutin Bild: Getty Images

Wie sollen sich Partner von Alkoholikern verhalten und wo bekommen sie Hilfe?

von Christine Harzheimaktualisiert am 2017 M09 27

Jenny P.: «Mein Mann hat ein grosses Alkoholproblem. Ich tue alles, um ihm zu helfen, aber es kostet so viel Kraft. Oft empfinde ich Wut oder Verachtung. Was soll ich bloss tun?»

Was Sie schildern, sind Warnzeichen. Nehmen Sie diese ernst. Beginnen Sie, Ihren eigenen Bedürfnissen Priorität zu geben und Ihre Grenzen zu schützen.

Sucht bedeutet Leid, und Sucht erschöpft. Nicht nur die Süchtigen, sondern auch die, die ihnen nahestehen und die Distanz verloren haben. Co-Abhängigkeit nennt man das. Sie beginnt ähnlich schleichend wie die Abhängigkeit des Suchtkranken. 

Wenn der Partner zu viel trinkt und sich negativ verändert, bemüht sich der Co-Abhängige zunächst um Erklärungen. Er kritisiert zwar den Konsum, stellt sich aber schützend zwischen den Partner und die Aussenwelt. Er entschuldigt ihn beim Arbeitgeber, verheimlicht das Ausmass und bewahrt ihn so vor den Konsequenzen seines Verhaltens. 

In einer zweiten Phase fühlt sich der Co-Abhängige zunehmend verantwortlich für das Suchtverhalten des Partners. Er will das Trinken kontrollieren, spioniert dem Partner nach, spürt Flaschen auf und leert diese. Er verhindert soziale Situationen, in denen ein Absturz droht.

Wenn der Partner wenig trinkt, fühlt sich der Co-Abhängige gut. Stürzt der Partner aber ab, fühlt er sich als Versager. Alkohol, Hoffen und Resignation dominieren den Alltag und die Beziehung. Eigene Werte werden verraten, die eigenen Bedürfnisse und die eigene Befindlichkeit spielen keine Rolle mehr.

Irgendwann kommt die totale Erschöpfung

Dieser Teufelskreis führt in eine dritte Phase. Im Versuch, die Probleme des anderen zu lösen, hat sich der Co-Abhängige total erschöpft. Er hat die Grenze seiner seelischen und oft auch körperlichen Belastbarkeit erreicht. Er ist Teil der Sucht geworden. Er kann nicht mehr und braucht Abstand. Etwa mit dem hilflosen Versuch, sich emotional zu entfernen. 

Anklagen, negative Gefühle wie Verachtung und die Entwertung des Süchtigen schaffen aber nur scheinbar Distanz. Die Verstrickung in die Sucht sorgt dafür, dass Schuld- und Schamgefühle wachsen. Darf man zu einem labilen Menschen Nein sagen und sich abgrenzen? Darf man die Hilfe verweigern und ihn «ins Messer laufen lassen»?

Alkoholismus ist eine Krankheit. Ein Alkoholkranker hat jedes Recht auf Hilfe und Unterstützung. Aber: Sein Umfeld, seine Partnerin, Kinder und Freunde haben auch Bedürfnisse und Grenzen. Die sind genauso wichtig und müssen unbedingt gewahrt werden. Es ist niemandem gedient, wenn sich eine Familie bis zur Selbstaufgabe aufreibt im Versuch, den Vater am Trinken zu hindern. 

Was Co-Abhängige tun können

Die Verantwortung für sein Verhalten und für die Annahme von Hilfe hat allein der Betroffene. Das Umfeld kann ihm nur helfen, diese Verantwortung zu übernehmen.

Wenn Sie mit einem süchtigen Menschen zusammenleben: 

  • Gestehen Sie sich ein, dass Sie das Problem nicht lösen können. Holen Sie professionelle Hilfe. Beim Hausarzt, bei einer Beratungsstelle oder in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige. 
  • Widmen Sie sich wieder den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen. Definieren Sie, wo Ihre Grenzen liegen, was Sie bereit sind zu tragen – und was nicht. Seien Sie hier klar und konsequent. 
  • Sprechen Sie mit einer Fachperson darüber, wie Sie beim nächsten Absturz vorgehen können, und bereiten Sie ein entsprechendes Netzwerk vor. 
  • Bleiben Sie wenn möglich beziehungsbereit und markieren Sie Ihre Grenzen deutlich. 
  • Sagen Sie dem Partner, der Partnerin zum Beispiel: «Beim nächsten Absturz alarmiere ich den Arzt und übertrage ihm die Verantwortung. Dann gehe ich mit den Kindern so lange weg, bis du in die Entzugsklinik eingetreten bist und bis wir Familiengespräche mit dem Suchttherapeuten gehabt haben. Erst wenn alles besprochen ist, geht der gemeinsame Alltag weiter.» 
  • Seien Sie so klar wie möglich. Holen Sie sich die Unterstützung, die Ihnen hilft, diese innerliche Klarheit zu erlangen und diese auch in der Beziehung zum Partner aufrechtzuerhalten. Das schafft Orientierung für die gesunden Anteile in Familie und Partnerschaft.

Hier finden Partner von Alkoholikern Hilfe

«Tun Sie sich etwas Gutes.»

Elke Koch, Redaktorin Beobachter Gesundheit

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