Düfte vermitteln ein gutes Gefühl. Und sie sind allgegenwärtig. Im öffentlichen Raum werden sie gezielt eingesetzt – etwa in Shopping-Centern, wo sie die Kauflust wecken sollen. Allein, der gute Duft ist oft nicht gut für die Gesundheit. Jeder Zehnte reagiert gereizt auf Duftstoffe: mit Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder mit asthmaähnlichen Symptomen und Schleimhautreizungen.

Aus Sicht von Experten lauert die Gefahr jedoch nicht in erster Linie im Shopping-Center, sondern in den eigenen vier Wänden. Denn, zu Hause ist die Belastung mit zu Duftnoten zusammengemischten Chemikalien besonders hoch. Überall, wo es gut riechen soll, kommen Duftstoffe als Zusatz vor: in Parfüms, Kosmetika, Reinigungsmitteln, Mückensprays und in Waschpulvern.

Duftkerzen belasten die Atemwege

Neu ist die Erkenntnis, dass auch schwach allergene Aromastoffe gefährlich werden können. Schwedische Forscher entdeckten, dass Geraniol – ein Aromastoff, der in 90 Prozent aller Parfüme, in Waschmitteln und Kosmetika enthalten ist – sich durch die Reaktion mit Sauerstoff und Hautenzymen zum allergieauslösenden Stoff Geranial wandelt.

Zusätzlich belastend wirken Raumdüfte, die für Frische und Wohlbefinden sorgen sollen. Denn Aromasprays und Duftstäbchen geben sogenannt flüchtige organische Verbindungen (VOC) an die Wohnungsluft ab, die Haut, Augen und Schleimhäute reizen.

Beim Abbrennen von Duftkerzen, Öllämpchen und Räucherstäbchen kommen zu den Duftstoffen weitere schädliche Stoffe hinzu, da der Verbrennungsprozess Russpartikel, Feinstaub, Kohlenmonoxid und Formaldehyd freisetzt – Stoffe, die die Atemwege belasten. Von der «Beduftung von Räumen» wird generell abgeraten. Statt Gerüche zu überdecken, sollte man besser gut lüften.

Ätherische Öle haben es in sich

Wer meint, natürliche Duftstoffe seien weniger bedenklich als chemische, irrt: Pflanzliche Düfte lösen genauso oft allergische Reaktionen aus wie synthetische. Ätherische Öle, Extrakte aus aromatischen Pflanzen, enthalten Dutzende Stoffe (Terpene, Terpenole, Phenole, Ketone, Aldehyde), die allergische Reaktionen auslösen können.

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Riskant ist es unter Umständen auch, wenn ätherische Öle – etwa in Massageölen oder Badezusätzen – direkt auf die Haut gelangen. Bereits nach wenigen Anwendungen kann sich ein Kontaktekzem entwickeln. Und wer sich nach der Anwendung von ätherischen Ölen an die Sonne setzt, riskiert zudem eine Sonnenallergie.

Allergische Reaktionen löst auch häufig Teebaumöl aus, ein beliebtes Alternativheilmittel bei Hautkrankheiten wie Akne oder Herpes. Teebaumöl darf nicht unverdünnt eingenommen, grossflächig angewendet oder auf die Schleimhäute aufgetragen werden. Es wird zu punktuellem Ausprobieren geraten, um zu sehen, ob es zu Reizungen kommt – eine Empfehlung, die prinzipiell für jedes ätherische Öl gilt. Empfindliche Personen, die unter Allergien oder Heuschnupfen leiden, sollten die Finger ganz von ätherischen Ölen lassen.

Ätherische Öle gehören nicht in Kinderhände

Besondere Vorsicht ist bei Kindern geboten. Die Einnahme ätherischer Öle könne schwere Vergiftungen hervorrufen, warnt das BAG. Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum relativiert: Die meisten Vergiftungen gingen glimpflich aus. Die verschluckten Mengen seien gering, weil die Kinder das intensiv schmeckende Öl gleich wieder ausspuckten.

Dennoch würden die Nebenwirkungen ätherischer Öle unterschätzt: Schon wenige Tropfen Kampfer, Eukalyptus- oder Thujaöl, die in Mund und Nase geraten, können bei Kleinkindern zu Atemproblemen, Erbrechen oder Ohnmacht führen. Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum, das täglich Anfragen im Zusammenhang mit ätherischen Ölen erhält, ortet das Problem im allzu sorglosen Umgang mit den Substanzen: Die Fläschchen stünden zu Hause oft ungesichert herum. Vielen sei die Giftigkeit ätherischer Öle zu wenig bewusst.

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«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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