Die meisten erwischt es über die Mittagszeit. Wie ein Platzregen überfällt sie die Schläfrigkeit, weil der Körper einem natürlichen Rhythmus folgt. Häufig sinkt der Blutdruck zwischen 13 und 15 Uhr, in den Energietanks herrscht gähnende Leere, und die biologische Uhr signalisiert: Hier ist es, das zweite Tief im 24-Stunden-Tag - das erste wurde um drei Uhr nachts verschlafen. Nun kommt der Müdigkeitsgipfel am helllichten Tag.

Jetzt für ein halbes Stündchen beide Augen zudrücken. Aber halt: Nichts wäre peinlicher, als von den Kollegen oder gar vom Chef beim Nickerchen ertappt zu werden. Und wären da nicht noch Herr Binggeli, der um einen Rückruf gebeten hat, die Vorbereitung auf das morgige Meeting und die Einkaufsliste, die es in der Pause rasch abzuarbeiten gilt? Also einen starken Kaffee kippen, am Arbeitsplatz so tun, als ob und warten, bis das Koffein Wirkung zeigt.

Stress verursacht Milliardenkosten

Niemand hingegen legt sich für ein paar Minuten hin und ruht. Kein Wunder, denn der einst so geschätzte Mittagsschlaf hat ein echtes Imageproblem. Laut der letzten Seco-Stressstudie von 2010 fühlt sich ein Drittel der Erwerbstätigen häufig bis sehr häufig gestresst. Und stressbedingte Ausfälle und Absenzen am Arbeitsplatz verschlingen mehrere Milliarden Franken jährlich.

Das kommt daher, dass die Anforderungen, die unsere Gesellschaft an die Aufmerksamkeit jedes Einzelnen richtet, völlig unnatürlich ist. Entspannungsphasen sind wichtige Bestandteile eines gesunden Lebensrhythmus, denn wer nonstop belastet ist, muss sich chronisch stimulieren, um durchzuhalten. Zunehmende Nervosität, Erschöpfungssymptome und Schlafprobleme sind die Folgen.

Auch wer meint, dem Wunsch nach Ruhe mit sportlichen Aktivitäten ein Schnippchen zu schlagen, geht fehl. Denn beim Sport regeneriert sich vielleicht der Kopf, nicht aber der Körper. Das heisst: Wenn man sich für Entspannung entscheidet, dann richtig: Kommt die Müdigkeit, hat das System Pause - 10 bis 20 Minuten kein Fernsehen, keine Musik, möglichst den Raum oder die Augen abdunkeln. Und: den Wecker stellen, da man, mit der Angst zu verschlafen, nicht abschalten kann.

Dieses kurzzeitige Abschalten ist für Berufstätige ein wichtiges Mittel, um über den Tag hinweg kreativ und konzentriert zu bleiben - das gilt für Fliessbandarbeiter wie für Konzernchefs. Und: Entgegen der gängigen Auffassung lindern kurze Ruhepausen nach dem Mittag sogar das Leiden von Menschen mit Schlafstörungen.

Ausruhen ist gar nicht so einfach

Doch ob auf der Parkbank, im Zug oder am Arbeitsplatz: Ausruhen, ohne sich abzulenken, fällt den meisten Leuten schwer. Das braucht Übung: Angestellte müssen wissen, wie und dass sie ruhen dürfen, sonst ist die Hemmschwelle gross. Zudem sollten Ruheräume rasch zu erreichen und bar aller Reize sein.

So entspannen Sie sich tagsüber

Wer ab und zu übermüdet oder gestresst ist, sollte täglich 20 Minuten Zeit abzweigen für Folgendes:

  • Atmung: Langsam einatmen, bis 5 zählen, kurze Pause, ausatmen, bis 8 zählen. Tun Sie dies fünfmal hintereinander.
  • Muskulatur: Beide Hände im Sitzen auf die Oberschenkel legen: Eine der beiden 15 Sekunden lang zur Faust ballen, 45 bis 60 Sekunden entspannen und mit der zweiten Hand wiederholen.
  • Augen: Reiben Sie die Hände, bis sie warm sind. Bedecken Sie nun Ihre Augen drei Minuten lang so, dass möglichst kein Licht einfällt. Spüren Sie die Wärme Ihrer Hände.
  • Puls messen: Fingerkuppen aufeinander legen. Nacheinander den Puls zwischen Daumen und Daumen, Zeigefinger und Zeigefinger, Mittelfinger und Mittelfinger, Ringfinger und Ringfinger und zwischen kleinem und kleinem Finger spüren.
  • Gedankenreise: Schliessen Sie die Augen und versetzen Sie sich an einen wunderschönen Ort, zum Beispiel an einen ruhigen Strand.
  • Füsse: Bewegen Sie die Zehen in den Schuhen – krallen, strecken, drehen. Wiederholen Sie das.
  • Lachen: Freude kann entspannend wirken. Denken Sie an eine komische Situation und lachen Sie!
  • Schultern: Einatmen, Schultern nach oben ziehen, kurze Pause, ausatmen, Schultern fallen lassen.
  • Bewegung: Gehen Sie vor oder nach einer Sitzung mindestens zehn Minuten zu Fuss, das hilft, den Kopf zu leeren.
  • Zufriedenheit: Schliessen Sie die Augen. Stellen Sie sich einen Ort oder eine Situation vor, wo Sie das letzte Mal zufrieden und ruhig waren.