Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen – vor allem nicht, wenn man als Profi auf dem eigenen Feld übertölpelt wird. Ein Computerspezialist möchte deshalb nicht, dass sein Name gedruckt wird: «Es wäre mir zu peinlich, wenn meine Kollegen, die ich oft wegen ihrer Ungeschicklichkeit und ihres technischen Unwissens hänselte, davon erführen.»

Die Peinlichkeit besteht in einer Telefonrechnung in der Höhe von Fr. 5876.20. Auf dem Computer des EDV-Experten hatte sich ein so genannter Dialer installiert: Das ist ein Programm, das die Einstellungen für die Einwahl ins Internet so ändert, dass nicht mehr über den regulären Providerzugang, sondern über eine 0900-Nummer gesurft und gemailt wird. Jede Minute online schlägt dadurch statt mit wenigen Rappen mit mehreren Franken zu Buche, die die Betreiber dieser «Mehrwertnummern» einstreichen. Die Folge: Die Telefonkosten sind rund 20-mal höher als üblich.

Die Betreiber der Telefonnummern arbeiten mit allen Tricks, um den Anwendern die kostspieligen Einwählprogramme unterzujubeln. So wird etwa für die Nutzung von Internetdiensten ein spezielles Programm oder Browser-Plugin empfohlen – in Wahrheit verbirgt sich dahinter ein Dialer. Vor allem auf Erotikseiten, aber auch bei elektronischen Postkartendiensten ist diese Masche verbreitet.

Andere bieten angeblich gehackte Einwählprogramme an, mit welchen es möglich sein soll, gratis oder zu besonders günstigen Tarifen auf Erotikangebote zuzugreifen. Erst später merkt der Geprellte, wie schnell auch hier der Gebührenzähler tickt: Die angegebenen sieben Rappen werden nicht pro Minute, sondern pro Sekunde verrechnet – manchmal kostet schon die Einwahl fast 100 Franken. Andere Betrüger machen sich Fehler in Browserprogrammen zunutze und installieren heimlich Programme auf dem Computer.

Wer auf bestimmte Angebote von Mehrwertdiensten – zum Beispiel Hotlines und Infodienste – nicht verzichten kann, sollte die Installation eines Kontrollprogramms erwägen. Ein bewährtes Tool ist zum Beispiel der Staganos AntiDialer für rund 20 Franken. Sicherer surft auch, wer in den Internetvoreinstellungen den automatischen Verbindungsaufbau mit dem Provider deaktiviert – so lässt sich bei jeder Einwahl überprüfen, ob der Computer die richtige Nummer wählt.

Ähnliche Tricks beim Handy

Auch im Telecombereich versuchen Betreiber von solchen Mehrwertdiensten, Ahnungslose über den Tisch zu ziehen:

  • Man erhält einen Fax oder ein SMS mit der Bitte, eine Info zu bestätigen oder ein Angebot abzulehnen. Der Antwortfax oder das SMS muss dann an eine teure 0900-Nummer verschickt werden.

  • In einer Variante dieses Tricks wird eine Verabredung mit einer Person in Aussicht gestellt, die sich in den Empfänger verliebt haben soll – selbstverständlich kann auch dieses Date nur via Mehrwertnummer vereinbart werden.

  • Auch die Freude an Klingeltönen und Displaybildern kann Handybenutzer teuer zu stehen kommen: Für das Kopieren eines Tons oder Logos muss zuerst über eine 0900-Nummer ein Freischaltcode angefordert werden. Ein hipper Rufton kann so schnell 20 und mehr Franken kosten.

Neu lässt sich auch herausfinden, wer sich hinter den Mehrwertdiensten versteckt: Das Bundesamt für Kommunikation veröffentlicht alle Inhaber von 0900-Nummern unter www.eofcom.ch/liste. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann beim Netzbetreiber die 0906-, 0901- und 0900-Nummern sperren lassen (siehe unten: «Teure Nummern sperren»).

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Teure Nummern sperren

Swisscom

Sunrise
Orange

Weitere Infos zum Thema und Helferprogramme zum Downloaden unter www.dialerhilfe.de

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