Die Coronakrise lässt Reiseträume platzen Rückreisen in die Schweiz Was Schweizer Reisende jetzt tun können und setzt Veranstalter unter grossen Druck. Zahlreiche Reiseveranstalter und Reisebüros sind gezwungen, die vereinbarten Reisen zu annullieren. Das Pauschalreisegesetz schreibt vor, dass Kundinnen und Kunden in diesen Fällen zwischen einer Ersatzreise oder der schnellstmöglichen Rückerstattung sämtlicher bezahlten Beträge wählen können.

Das bringt die Veranstalter in Bedrängnis. Sie haben meist bereits Zahlungen an Leistungserbringer wie zum Beispiel Reedereien oder Hotels geleistet, die sie allenfalls nicht zurückerhalten, und müssen auf Wunsch des Kunden gleichzeitig den gesamten Reisepreis erstatten. Hinzu kommt, dass aufgrund der Unsicherheit über die Dauer der Coronakrise neue Buchungen ausbleiben.

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Reiseveranstalter bieten nur Gutscheine an

Die Kunden auf der anderen Seite haben oftmals hohe Beträge für die gebuchten Reisen bezahlt Coronavirus Reisende in der Zwickmühle – stornieren oder abwarten? und können aus verschiedenen Gründen keine Ersatzreise planen. So wissen zum Beispiel ältere Personen nicht, ob ihr Gesundheitszustand eine Reise im nächsten Jahr zulässt.  Oder Personen, die arbeitslos geworden sind, können nicht abschätzen, ob eine Ersatzreise finanziell überhaupt noch tragbar sein wird.

Gemäss den Meldungen, die im Beratungszentrum des Beobachters eingehen, begegnen verschiedene Veranstalter dem Problem folgendermassen: Sie bieten ihren Reisekunden ausschliesslich Gutscheine an oder bloss eine teilweise Rückerstattung des Reisepreises. Das widerspricht den zwingenden Bestimmungen des Pauschalreisegesetzes. Dies bestätigt auf Anfrage auch Andreas Wiede, Rechtsanwalt und Reiserechtsexperte.

«Ausserordentliche Lage» erfordert Solidarität von allen

Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands (SRV) argumentiert aus Branchensicht: «Aussergewöhnliche Situationen benötigen aussergewöhnliche Massnahmen. In Ländern wie Italien, Holland oder Frankreich wurde entschieden, dass die Reisebüros die Rückzahlung in Form von Gutscheinen leisten dürfen.»

Doch das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco liess die Reisebranche Anfang April beim Thema staatlich abgesicherte Gutscheine abblitzen: Ohne Parlamentsbeschluss brauche es eine Notverordnung. Die Voraussetzungen dafür seien aber nicht gegeben. Dieses Ergebnis hat zur Folge, dass die Gutscheine über keinerlei Absicherung verfügen. Denn auch die Garantiefonds, die die Kundengelder im Konkursfall sicherstellen, decken Gutscheine nicht ab. Wenn der Veranstalter Konkurs geht, ist das Gutscheingeld also verloren.

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Walter Kunz stellt dennoch zufrieden fest, dass viele Kunden einen Gutschein akzeptieren, wenn das Reisebüro die Sachlage offen kommuniziere. Wenn ein Gutschein oder eine kostenlose Umbuchung für den Kunden akzeptabel ist, dann hilft es also beiden Seiten, eine dieser Varianten anzunehmen.

Um das Verlustrisiko bei einem Gutschein im Konkursfall zu minimieren, sollte man aber möglichst rasch neu buchen und den Gutschein einsetzen. Wenn diese Lösungen aber aus irgendwelchen Gründen nicht annehmbar sind und das Thema auf Bundesebene nicht entschieden ist, können die Kunden weiterhin gestützt auf das Pauschalreisegesetz auf eine vollständige Rückerstattung in bar bestehen. Hierbei ist aber momentan Geduld gefragt, denn das Parlament hat den Reiseveranstaltern einen Rechtsstillstand im Betreibungswesen bis Ende September gewährt. Das bedeutet, dass der Kunde bis dahin keine Betreibung einleiten kann. Das Reisebüro sollte aber gleichwohl bereits vorher diejenigen Beträge erstatten, die es von den Leistungsträgern wie zum Beispiel Fluggesellschaften zurückerhält.

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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