Das taugt der weltweit erste E-Ski – der Test
Der erste E-Ski der Welt kommt aus San Bernardino. Er erleichtert den Aufstieg um 30 Prozent, wiegt aber schwer und kostet 5000 Franken.
Veröffentlicht am 25. Januar 2026 - 06:00 Uhr

Autorin Tina Fischer hat den motorisierten Ski am Berg getestet.
San Bernardino war ein verschlafenes Nest. Ein versteckter Ort. Und dann kam Stefano Artioli. 300 Millionen Franken investiert der Immobilienunternehmer in die Skiregion. Schlagartig rückte das Dorf in den nationalen Fokus. Doch es beherbergt noch ein zweites Grossprojekt, das leiser vonstattengeht – na ja, fast. Zwei Tüftler entwickelten hier im Verborgenen den ersten E-Ski der Welt.
«San Bernardino war unser Hiding Place», sagt Ivan Mura, der technische Kopf hinter dem Unternehmen. Günstig, gut erreichbar und fern von neugierigen Blicken. Fünf Jahre später präsentieren sie mit dem E-Skimo den ersten marktfähigen Elektro-Tourenski und ernten grosses Interesse. Wie funktioniert der Ski? Und ist das die Zukunft am Skiberg? Ein Selbstversuch auf der Splügenstrasse.
Ein Ski mit Löchern
Das erste Mal fühlt sich alles reichlich ungelenk an. Der Ski ist breit und mit 6,5 Kilogramm pro Stück schwer. Dazu ist vieles neu: Vorne an den Ski gehört die Batterie, hinten der Motor. Dazwischen fädelt man das Band ein, das unter dem Ski zurück zur Bindung läuft. Das funktioniert dank Löchern im Ski. Löcher im Ski? Dazu später mehr.
Die Idee zum Produkt kam CEO Nicola Colombo während Corona. Er wollte Freunde fürs Skitourengehen begeistern. Doch der Anstieg im Schnee war ihnen zu anstrengend. Deshalb entwickelte Colombo eine erste Idee und holte für deren Umsetzung den Ingenieur Ivan Mura an Bord.
Kostenpunkt pro Prototyp: 7000 Franken. Mindestens zehn brauchten sie pro Saison. Seit der Gründung investierten sie rund 2 Millionen Franken; Geldgeber fanden sie über Kontakte. Die nächste Finanzierungsrunde planen sie im Frühling.
Die Fakten
Dass der Ski funktioniert, zeigt sich beim Aufstieg auf der Splügenstrasse. Der Modus steht auf Boost – der Ski kickt beim Schritt mit. So nimmt einem der Motor 30 Prozent der Anstrengung ab. Die Batterie schafft 252 Wattstunden (Wh), der Motor 15 Newtonmeter (Nm).
Zum Vergleich: Die ersten kommerziell erfolgreichen Flyer-Velos vor zwanzig Jahren hatten 35 Nm und 248-Wh-Batterien. Dank der Unterstützung sind beim Test 150 Höhenmeter und drei Kilometer im Nu überwunden. Wir unterhalten uns den ganzen Aufstieg über – und das ohne Schnappatmung.
Ein Surren bei jedem Schritt
Doch zwei Dinge fallen auf. Erstens: der Lärm. Ein lautes Surren begleitet jeden Schritt. «Bis nächstes Jahr halbieren wir die Lautstärke», verspricht Mura. Zweitens: die Stöcke. Sie enthalten die Bedienung des Motors. Ein Knopf oben, einer beim Zeigefinger. Die Moduswechsel funktionieren gut, doch die dicken Handschuhe rutschen auf der Oberfläche weg.
Oben angekommen startet der Skiumbau: Motor weg, Band weg, Batterie weg. Es verbleiben die Löcher im Ski. In diese klippt man Füller aus dem 3D-Drucker ein. Die restlichen sechs Kilogramm landen im Rucksack. Wegen des schweren Gepäcks gehört zum Lieferumfang eines E-Skimos der passende Rucksack mit Motorentaschen und ein Skibag. Das Komplettpaket inklusive Stöcke kostet knapp 5000 Franken.

Co-Gründer Ivan Mura zeigt den motorisierten Tourenski.
Hundert Paar E-Skimos brachten die Unternehmer auf den Markt, 25 waren sofort weg. Sie hatten erwartet, dass Skitoureneinsteiger die Ski kaufen, doch die Realität zeichnete ein anderes Bild: Der typische Käufer ist männlich, rund sechzig Jahre alt und langjähriger Skitourengeher. Mit zunehmendem Alter wurde ihm der Anstieg zu anstrengend.
Ebenfalls auffällig: Die Käufer seien eher gut betucht und technikaffin. «Sie helfen uns, das Produkt weiterzuentwickeln», so Mura. Daneben meldeten sich die italienische und die französische Armee für Tests. Für private Gehversuche steht der E-Ski in Testzentren in St. Moritz und Verbier bereit.
Auf den Spuren der E-Bike-Pioniere der 90er
Zwei Hotspots, wo die Abfahrt überzeugen muss. Das tut sie auch in San Bernardino: Der 112 Millimeter breite und 173 Zentimeter lange Freeride-Ski, eine Spezialanfertigung von Blizzard, ist drehfreudig. Die Kanten greifen auch auf eisiger Unterfläche. Die Skibreite eignet sich jedoch nicht für die Tourenskimasse: «Das Ziel ist ein schmalerer Ski mit 90 Millimetern unter der Bindung», sagt Mura.
Mit dieser Breite touren die meisten, die Zielgruppe wäre um ein Vielfaches grösser. Doch die technologische Herausforderung ist gross. Mura will sie bis in zwei Jahren meistern.
Nicht alle freut die Motorisierung am Berg. Darauf angesprochen, winkt Mura ab. Sie sehen sich wie die E-Bike-Pioniere der 90er-Jahre. Damals kritisierten viele den Motor am Velo. Heute weist fast jedes zweite verkaufte Zweirad einen Antrieb auf. Daran orientiert sich das Jungunternehmen, und es hat grosse Ambitionen: Bis 2027 sollen fünfhundert Paare vom Band laufen. Die Revolution am Skiberg hat begonnen.
Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf «handelszeitung.ch» erschienen.





